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Klippenspringen

08.04.2021

Region Landsberg: Iris Schmidbauer blickt gerne in den Abgrund

Iris Schmidbauer ist Deutschlands beste Klippenspringerin. Momentan steckt sie in Neuseeland fest.
Foto: Stephan Jansen/dpa

Plus Klippenspringerin Iris Schmidbauer aus Pähl sitzt seit über einem Jahr in Neuseeland fest. Das Ausnahmetalent, das gerne an seine körperlichen Grenzen geht, wird von Corona ausgebremst.

Seit September 2019 war Iris Schmidbauer nicht mehr zu Hause. Dabei wollte die Klippenspringerin eigentlich „nur“ nach der Saison 2019 noch eine Auszeit in Neuseeland nehmen und zum Saisonstart 2020 wieder nach Deutschland zurückkehren. Doch dann kam Corona und machte der 25-Jährigen aus Pähl (Landkreis Weilheim-Schongau) einen Strich durch die Rechnung.

„Wäre ich nach Hause geflogen, hätte es für mich keine Chance mehr gegeben, wieder hierher zurückzukommen“, erzählt die Sportlerin im Telefongespräch mit dem LT. „Es ist ja nicht unbedingt der schlechteste Platz, um festzusitzen“, antwortet Schmidbauer auf die Frage, ob sie denn von Heimweh geplagt werde. Was für sie aber schon ein wenig problematisch sei, ist die Tatsache, dass aufgrund des unfreiwillig längeren Aufenthalts aus ihrem auf ein Jahr ausgelegten Work&Holiday-Visum ein Besucher-Visum geworden ist. „Das bedeutet, dass ich hier keinen Job annehmen darf, um Geld zu verdienen“, erläutert Deutschlands beste Klippenspringerin, deren sportliche Karriere auf dem hölzernen Sprungturm in Utting begann.

Finanzielle Hilfe von der Großmutter

Derzeit ist Iris Schmidbauer, die in einer Wohngemeinschaft lebt und beim „Auckland Dive Team“ trainiert, auf die finanzielle Unterstützung der Großeltern angewiesen. „Ohne ihre Hilfe würde das gerade alles nicht mehr funktionieren“, ist sie froh. Bis zum Ablauf ihrer Arbeitserlaubnis in Australien hatte sie ihr Leben dort als Sporttherapeutin und Personal Trainerin bestritten. Ihr Antrag auf ein neues Arbeitsvisum sei abgelehnt worden, sagt sie. „Aber da lasse ich nicht locker.“ Sogar ein Anwalt von Red Bull sei eingeschaltet worden, um für Iris Schmidbauer eine Arbeitserlaubnis in zu erwirken.

Die Klippenspringerin Iris Schmidbauer springt aus 20 Metern vor der Kulisse des ungarischen Parlaments. 

Nicht zu wissen, wie es mittelfristig weitergehen soll, sei für sie gerade die größte Herausforderung. Und mit Herausforderungen kann die Klippenspringerin wahrlich umgehen. Immerhin springt die junge Frau, die selbst sagt, dass sie erst sehr spät in diesen Sport gefunden habe, auch schon mal aus 20 Metern Höhe ins Meer. Trockentraining, Gewichte stemmen und Wassertraining stehen derzeit auf dem Programm. Und sie hat zwischenzeitlich das Surfen gelernt.

Wettkampfluft hat Schmidbauer, die mit ihren 25 Jahren zu den „älteren Sportlern“ in ihrer Disziplin gehört, schon lange nicht mehr geschnuppert. „Der letzte Wettkampf war 2019“, erinnert sie sich. Kein Wunder also, dass sie sich nichts mehr wünscht, als sich endlich wieder mit ihren Konkurrentinnen messen zu dürfen. Das Saisonfinale 2021, der Red-Bull-Cliff-Diving-Series, soll eventuell in Auckland stattfinden. „Da möchte ich natürlich unbedingt dabei sein, bis dahin bin ich ja schon so etwas wie eine Einheimische“, sagt Schmidbauer. Übrigens ist sie eine der wenigen Sportlerinnen in ihrer Disziplin, die nicht schon in sehr jungen Jahren angefangen haben. „Ich war 19, als ich ernsthaft gestartet bin“, erinnert sie sich. Vorher habe sie nur einmal pro Woche trainiert. In München, ganz in der Nähe ihres Heimatorts Pähl. Längst aber habe sie der Ehrgeiz gepackt, nicht nur Deutschlands beste Klippenspringerin zu sein, sondern auch in der Weltelite ganz vorne mitmischen zu können.

Mit 75 Stundenkilometer ins Wasser

„Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, aus großer Höhe mit einer Geschwindigkeit von rund 75 Stundenkilometern ins Wasser ein- und dann wieder aufzutauchen“, gerät die 25 Jahre alte Sportlerin ins Schwärmen. „Das ist für mich das größte Glück der Welt.“

Am Sprungturm in Utting hat die junge Frau mit ihrem ungewöhnlichen Sport begonnen.
Foto: Schmidbauer

Dass sich dieses Glück aber auch ganz schnell umkehren kann, auch das hat Iris Schmidbauer schon am eigenen Leib erfahren. 2015 gelang ihr ein Sprung aus 20 Metern Höhe nicht, sie knallte mit dem Rücken auf die Wasseroberfläche. „Ich hatte Platzwunden am Rücken, ein Schleudertrauma und habe Blut gespuckt, weil beim Aufprall einige Lungenbläschen geplatzt sind“, berichtet sie. „Aber sonst war zum Glück alles okay.“ Abgehalten, diesen atemberaubenden Sport weiter auszuüben, hat es die junge Frau aus Pähl nicht – im Gegenteil. Sie weiß, dass akribische Vorbereitung und höchste Konzentration alles sind, um erfolgreich zu sein.

Und Erfolge kann die 25-jährige Sportlerin durchaus vorweisen. Den Rückwärtsdreifachsalto mit Doppelschraube haben außer ihr weltweit nur noch zwei andere Springerinnen im Programm, sagt sie. Doch das reicht der besten Klippenspringerin aus Deutschland noch lange nicht. „Ich will unter die Top Fünf der Welt kommen und einen neuen Handstand-Sprung präsentieren“, schaut sie in die Zukunft. Bis dahin muss sie jetzt einfach Geduld haben und hoffen, dass ihr ein kleines, aber weltweit grassierendes Virus nicht einen gewaltigen Strich durch die Rechnung macht.

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