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Unterallgäu

24.03.2020

Abgesagt wegen Corona: Der Trend geht zum Nachfeiern

Bierzelt, Band und beste Stimmung: Viele Vereine planten ihre Jubiläen in diesem Jahr mit genau diesem Dreiklang.
Bild: Axel Schmidt

Plus Was tun die Unterallgäuer Vereine in Corona-Zeiten, die 2020 eigentlich Jubiläum, Bezirksmusikfest oder eine andere große Feier geplant hatten?

Egal, ob Musiker, Schützen oder Sportler – sämtliche Vereine, die in den kommenden Wochen ein rundes Jubiläum groß feiern wollten, müssen umplanen. Durch den ausgerufenen Katastrophenfall durch die bayerische Staatsregierung aufgrund der Corona-Pandemie sind bis nach Ostern sämtliche Veranstaltungen abgesagt. Ob das Leben nach dem 20. April wieder normal und ohne Einschränkungen weitergeht, ist aktuell nicht abzusehen.

Deshalb verlegen sich viele Vereine, die große Veranstaltungen geplant haben, auf einen Plan B. Der heißt in den meisten Fällen: Die Festtage werden um ein Jahr verschoben.

In Unterkammlach hätte das Bezirksmusikfest stattfinden sollen

Gleich drei runde Jubiläum wollten die Unterkammlacher Musiker in diesem Jahr mit der Ausrichtung des Bezirksmusikfestes vereinen: 150 Jahre Musikverein Unterkammlach, 70 Jahre ASM und das 50. Bezirksmusikfest. Daraus wird in diesem Jahr allerdings nun nichts. „Wir haben uns entschlossen, das Ganze auf das nächste Jahr zu verschieben“, sagt Roman Albrecht jun., Vorsitzender der Unterkammlacher Musiker. Die derzeitige Lage gäbe nichts anderes her. „2021 haben wir den Vorteil, dass es kein Bezirksmusikfest gibt“, sagt Albrecht.

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Man macht also keinem anderen Verein Konkurrenz. Das war auch der Grund, warum die Unterkammlacher ihre Festtage nicht auf den Herbst 2020 verlegt haben. „Viele Kammlacher Vereine haben in der Jahresplanung auf uns Rücksicht genommen und ihre Veranstaltungen in den Herbst gelegt. Wenn wir nun dahinverlegt hätten, wäre das unfair gewesen“, so Albrecht. Was die Kosten angeht, sei der Verein auf der sicheren Seite. Mit den Bands und dem Festzeltvermieter habe man sich auf ein Engagement im nächsten Jahr geeinigt. „Die waren alle sehr kulant“, sagt Albrecht. Einzig die bisher eingesetzten Werbungskosten seien futsch.

Die Schützen in Breitenbrunn wollten das Gauschießen ausrichten

Auch der Schützenverein Adler Breitenbrunn hatte in diesen Tagen Großes vor und wollte das 59. Gauschießen des Schützengaues Mindelheim ausrichten. Am 20. März war das Eröffnungsschießen im Haus der Vereine geplant. Doch daraus wurde nichts. „Ich habe entschieden, den Schießbetrieb erst einmal zu verschieben“, sagt Adler-Schützenmeister Peter Wank. Er sei in der komfortablen Situation, dass er die Schießanlage im Haus der Vereine in Breitenbrunn ein paar Wochen stehen lassen könne. „Da fallen für uns keine Kosten an.“ Notfalls könne man das Gauschießen in den Herbst verlegen.

Ob die Festtage zum 100-jährigen Geburtstag der Breitenbrunner Schützen im Mai im Jubiläumsfestzelt jedoch stattfinden können, steht auf einem anderen Papier. „Da schauen wir, was die Regierung bis dahin sagt“, so Wank. So sei eine Verlegung der Festtage ins nächste Jahr denkbar.

Mehrere Vereine hätten 2020 ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert

Ähnlich geht es den anderen „Hundertjährigen“. Der Musikverein Hausen etwa hat seine Festtage vom 14. bis 16. Juni geplant – und hofft noch auf eine Entspannung der derzeitigen Lage. „Wir warten noch ab und hoffen, dass es bis dahin wieder klappt“, sagt Vorsitzender Manfred Wörishofer. Auf ein Highlight müssen die Hausener jedoch wohl auf jeden Fall verzichten: Die Blaskapelle „Innsbrucker Böhmische“ wird ihren Auftritt nicht wahrnehmen können. „Die dürfen gar nicht ausreisen“, sagt Wörishofer. Den Vertrag werde man wohl gegenseitig auflösen müssen.

Auch einige Sportvereine haben sich für dieses Jahr einiges vorgenommen: Der FSV Dirlewang, der SV Salamander Türkheim und der FC Bad Wörishofen feiern ihren 100. Geburtstag ja auch nur einmal.

Schnell reagiert haben die Türkheimer. Als das erste Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern von der bayerischen Staatsregierung ausgesprochen wurde, gingen die Verantwortlichen des SV Salamander Türkheim daran, einen Plan B zu entwickeln. Immerhin hatte man ja einen wahren Festmarathon geplant: Vom 15. bis 24. Mai sollte gefeiert werden, mit Beachvolleyballturnier, AH-Fußballturnier, mehreren Bands und dem obligatorischen Festgottesdienst. „Wir haben schnell reagiert“, sagt Alexander Balkow. „Wir haben gleich für das kommende Jahr den Zeitraum geblockt“, sagt der SVS-Vorsitzende. Auch mit den Bands sei man so verblieben. Aktuell haben die Türkheimer sämtliche Aktivitäten, die Kosten verursachen, auf Eis gelegt. „Wenn es ab dem 20. April noch weitergeht mit den Einschränkungen, dann werden wir die Festtage absagen“, sagt Balkow. Denn: „Für schlechtes Wetter haben wir eine Versicherung. Die hilft aber nicht gegen Corona.“

Die Bad Wörishofer Fußballer geben sich noch zwei Wochen Zeit

Keine sieben Kilometer weiter machten man sich ähnliche Gedanken. „Wir geben uns noch zwei Wochen Zeit. Bis dahin können wir noch stornieren, ohne dass Kosten anfallen“, sagt Jürgen Thiemann. Er steht dem FC Bad Wörishofen vor, der an Pfingsten sein 100-jähriges Vereinsbestehen feiern wollte. Unter anderem mit einem Jugendfußballturnier, zu dem auch der befreundete BFC Südring Berlin eingeladen war. Daraus wird nun wohl nichts. „Falls die Festivitäten an Pfingsten ausfallen, dann holen wir zumindest den Festabend und die Ehrungen im Herbst nach.“ Statt im Festzelt werde dann halt im Sportheim gefeiert. „Die Festschrift wird es auf jeden Fall heuer noch geben“, verspricht Thiemann. Auch die Fotoausstellung sei praktisch fertig. Auch in Bad Wörishofen rechnen sie eher damit, das Festwochenende auf das kommende Jahr zu verschieben.

Auch in Dirlewang wäre heuer gefeiert worden

Anfang Juli will auch der FSV Dirlewang seinen 100. Geburtstag gebührend feiern. Ein hochklassiges Jugendfußballturnier mit der Gastmannschaft vom FC Heidenheim sei ebenso geplant, wie der Auftritt eines Ballkünstlers, wie FSV-Vorsitzender Bernd Perzewski verrät. Auch eine Anfrage bei den Altstars des TSV 1860 München für ein Jubiläumsspiel gegen die FSV-Legenden sei vor Kurzem noch positiv beantwortet worden. Mittlerweile aber gibt es keine sichere Zusage mehr für das Festwochenende.

Bei all diesen organisatorischen Problemen tritt für die Vereinsbosse das Sportliche erst einmal in den Hintergrund. Kaum einer weiß im Moment, wie die laufende Spielzeit weitergeführt beziehungsweise beendet werden soll. Bernd Perzewski, spricht das aus, was viele denken: „Ich gehe davon aus, dass die Saison annulliert wird. Aber deutlich unruhiger bin ich wegen des 100-jährigen Jubiläums.“

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