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Unterallgäu

06.12.2018

Altlandrat Hermann Haisch wird 80 Jahre alt

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Altlandrat Hermann Haisch feiert heute seinen 80. Geburtstag. Dazu lädt er alle Interessierten zu einer Lesung in die Stadtpfarrkirche ein.
Bild: Tobias Hartmann

Der Altlandrat des Unterallgäus, Hermann Haisch, wird 80. Über sich selbst will er nichts hören. Für seinen Ehrentag hat er ein anderes Programm gewählt.

Hermann Haisch gilt als heimlicher König der Grußworte. Abertausende dürfte er in seiner Ära als Landrat zwischen 1978 und 2006 aus dem Stegreif gehalten haben – bei Ehrungen, bei Jubiläen, bei Geburtstagen. Aber an seinem eigenen runden Geburtstag am Nikolaustag 6. Dezember – bitteschön – möchte er keines zu hören bekommen. Er ahnt, was da zu seinem 80. auf ihn zukommen könnte: überschwängliches Lob von allen Seiten.

Haisch wünscht sich etwas anderes. Nachdem er mit Arthur Maximilian Miller befreundet war, wird er am 6. Dezember in der Stadtpfarrkirche St. Stephan um 14 Uhr die „Schwäbische Weihnacht“ lesen. Der Unterallgäuer Bäuerinnenchor, das Ensemble Classic, die Günztaler Alphornbläser und der Gitarrist Andreas Gsöllpointner werden die Lesung musikalisch begleiten. Jeder ist willkommen oder wie Hermann Haisch auf gut schwäbisch sagt: Jeder darf „zualosa“. Der Erlös des Nachmittags geht als Spende an die Schickling-Stiftung, der er über viele Jahre vorstand. Allein die Aufzählung der Mitwirkenden zeigt, wer Hermann Haisch immer besonders nahe stand und was ihm besonders wichtig ist.

Der Altlandrat des Unterallgäus bemühte sich immer um Lösungen

Der studierte Tierarzt Dr. Hermann Haisch hat sich immer ein Gespür für die sogenannten kleinen Leute bewahrt. Von der Bürokratie fühlen sich viele an die Wand gedrückt, sagt er. Das war schon zu seiner Zeit als Landrat so. Wenn jemand seinen Führerschein verloren hat, „dann steht da immer eine Familie dahinter“, sagt Haisch. Da müsse man Lösungen finden. Die hat Haisch dann auch meist gefunden, ganz kreativ und weniger nach den Buchstaben der Paragrafen.

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Haisch weiß sich aber auch zu verkaufen. Für den Bericht in der MZ hatte er den Wunsch, das nebenstehende Bild mit dem weinenden Mädchen abzudrucken, das er tröstet. Im Wahlprospekt von 1978 stand: „Ein Mann, der ankommt.“ Der leutselige Hermann Haisch war immer ein Landmensch. Als er mal im schweizerischen Nobelkurort Davos war, hat es ihn in einen Kuhstall gezogen. Er brauchte einfach den Stallgeruch. In Stephansried freut er sich immer, wenn er auf eine Rinderherde mit klassischen Kuhglocken stößt.

Diese heile kleinbäuerliche Welt ist längst in Gefahr, weiß auch Haisch. An dieser Stelle könnte er sich in Rage über die große Politik reden. Er ist überzeugt, dass kaum noch einer Landwirt oder Metzger werden will, weil diese Berufe immer mehr mit Vorschriften überzogen werden.

Ein Ergebnis der Ära Haisch: die A96

Der Wandel prägt die Landwirtschaft seit Jahrzehnten. Dass es gelungen ist, parallel dazu Arbeitsplätze in Gewerbe und Industrie zu schaffen, hat auch mit dem Wirken von Hermann Haisch zu tun. Die Autobahn A96 war so ein Erfolg der Ära Haisch. Dass sich Unternehmer wie Burkhart Grob gut im Unterallgäu aufgehoben gefühlt haben, nicht minder.

In seine Zeit fielen aber auch die Neuordnung der Krankenhauslandschaft, der Altenheime, der Müllverwertung und der Ausbau der Schulen. Dass es gelungen ist, einen Vertrag mit Neu-Ulm zur Verbrennung des Restmülls abzuschließen, werde womöglich zu wenig geschätzt. Die Konflikte um die Mülldeponie Breitenbrunn oder die geplante Verbrennungsanlage in Ettringen hat Haisch nicht vergessen. Wirklich schlaflose Nächte hat ihm aber erst ein Vorfall aus jüngerer Zeit bereitet: die drohende Insolvenz des Jugendbildungszentrums Legau.

Immer hat Hermann Haisch sein Zugehen auf die Menschen ausgezeichnet. Geholfen hat ihm dabei eine besondere Gabe: Haisch kann sich sofort Namen merken. Auf die Uhr hat er nie geschaut. Am Ende aber hatte er 22 000 Überstunden angehäuft, ohne all die Termine für die CSU. Der CSU-Kreisvorsitzende Franz Josef Pschierer würdigte Haisch kürzlich bei der Verleihung der Mindelheimer Verdienstmedaille vor allem dafür, dass er nach der Gebietsreform die beiden Landkreise zu einer Einheit geformt habe. Hermann Haisch hat nie vergessen, dass im Namen seiner Partei CSU auch das „S“ steht für sozial. 25 Jahre lang war er beim Bayerischen Roten Kreuz engagiert, 22 Jahre davon als Bezirksvorsitzender.

Auch beim Allgäu-Schwäbischen Musikbund ist Hermann Haisch aktiv

In den vergangenen Jahren hat er sich nach und nach von den meisten seiner Ämter zurückgezogen. Dazu zählten auch die Landzunge, der Mühlenverein, die Schickler-Stiftung. Nur noch beim Freundeskreis der Benediktinerabtei Ottobeuren ist er dabei und beim Förderverein des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes ASM. Der Trompete und Alphorn blasende Altlandrat ist eben nicht nur leutseliger Politiker, sondern Gemütsmensch durch und durch. Die Familie freut’s, dass Hermann Haisch wieder mehr Zeit hat. Besonders seine Frau Karla musste viele Jahre an den Abenden und an den Wochenenden auf ihren Mann verzichten. Und Hermann Haisch stellt an sich selbst fest, wie schön es doch ist, nicht nur drei Kinder zu haben, sondern auch noch vier Enkel.

Die Politik allerdings verfolgt er nach wie vor sehr genau. Gefragt nach Freunden in der CSU nennt er drei Namen: Klaus Holetschek, Josef Miller und Franz Josef Pschierer.

Und in München? Da hätte es Haisch begrüßt, wenn Markus Söder ernsthaft mit den Grünen über eine Koalition verhandelt hätte. Statt eines Bündnisses zwischen CSU und Freien Wählern sieht Herrmann Haisch die Zeit reif für eine Zusammenarbeit der CSU mit den Grünen.

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