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Mindelheim

27.01.2021

Debatte um Fußgängerzone: Die Angst vor der autofreien Mindelheimer Altstadt

Die Maximilianstraße in der Mindelheimer Altstadt ist zur Prachtstraße saniert worden. Wie aber lässt sich die Aufenthaltsqualität verbessern? Der Stadtrat strebt nun für die Sommermonate an, dass zumindest an den Wochenenden nach Geschäftsschluss weniger Autos in die Altstadt fahren.
Foto: Bernd Feil

Plus Der Mindelheimer Stadtrat spricht über eine autofreie Altstadt. Von Mai an sollen Fußgänger testweise mehr Platz bekommen. Einzelhändler warnen vor Experimenten.

Das Thema treibt Einzelhändlern in der Mindelheimer Altstadt tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Weil im Stadtrat die Idee immer mehr Anhänger findet, den Autoverkehr aus der schön sanierten Maximilianstraße zumindest an den Wochenenden einzuschränken oder gar ganz auszusperren, schrillen beim Einzelhandel die Alarmglocken.

Dafür gibt es derzeit allerdings keinen sachlichen Grund. Die autofreie Innenstadt nach Geschäftsschluss des Einzelhandels an Wochenenden wird auch in diesem Jahr nicht kommen.

Bäckermeister Manfred Salger befürchtet, zum Versuchskaninchen gemacht zu werden

Manfred Salger (CSU) war die Erleichterung anzumerken. Der Bäckermeister hatte große Sorge, dass die Geschäfte in der Altstadt, die ohnehin stark unter der Corona-Pandemie leiden, auch noch zum Versuchskaninchen der Verkehrspolitiker werden könnten. Aufs Verlesen seiner mehrseitigen Stellungnahme verzichtete Salger am Ende der Aussprache und sagte lediglich: „Gott sei Dank sind wir weggekommen von der Ausdehnung über das Wochenende“.

Diese Sorge sprach auch aus einem Schreiben von Anja Glück an Bürgermeister Stephan Winter im Namen des MN-Werbekreises. Die Einzelhändler fürchten durch Einschränkungen für die Autofahrer, dass sie weniger Kunden und damit weniger Umsatz machen werden. In dem Brief weist die Vorsitzende auf die wegen Corona ohnehin äußerst angespannte Lage vieler Einzelhändler hin. Der MN-Werbekreis regt daher „dringend“ an, das Experiment zu verschieben. Den Einzelhändlern dürfe man das Leben im Bereich der Innenstadt keinesfalls erschweren. Bei Bürgermeister Stephan Winter ging zu der Sache noch ein zweites Schreiben ein. Das stammte von drei Gastronomen. Sie plädieren darin für eine Fußgängerzone an den Wochenenden.

So stimmte der Stadtrat über die "Fußgängerzone" in Mindelheim ab

Mit 14 gegen drei Stimmen (Manfred Schuster, Thomas Burtscher und Josef Doll) hat der Stadtrat am Montag beschlossen, die Verwaltung solle bis zum 1. Mai ein Konzept erarbeiten, dass die Maximilianstraße vorübergehend zur Einbahnstraße erklärt wird. Das soll von Mai bis Ende September gelten. Einfahrt wäre dann von Samstag, 14 Uhr bis Sonntag, 24 Uhr nur vom Oberen Tor aus möglich. Die Zufahrt vom Unteren Tor in die Stadt soll in dieser Zeit für alle gesperrt werden. Die Maximilianstraße wäre bis zur Steinstraße Einbahnstraße.

Gewinner wären Fußgänger und Radfahrer, aber auch die Gastronomen auf der Südseite der Maximilianstraße. Sie könnten die dann für den Autoverkehr geschlossene Fahrbahn für Außenbewirtschaftung nutzen.

Der Vorstoß war von der CSU-Fraktion bereits im Herbst vorigen Jahres gekommen. Der Wochenmarkt locke viele Kunden an. Dabei komme es aber immer wieder zu Konflikten zwischen Autos und Motorrädern auf der einen Seite und Fußgängern und Radfahrern auf der anderen. Damals beschloss der Stadtrat einstimmig, die Stadtverwaltung möge prüfen, unter welchen Bedingungen eine solche autofreie Innenstadt von Samstag 14 Uhr bis Sonntag 24 Uhr möglich ist.

Das hat Ordnungsamtsleiter Ralf Müller zwischenzeitlich getan. Und er hat mehrere Argumente mitgebracht, die ein völliges Aussperren der Autos als unpraktikabel und nicht sinnvoll erscheinen lassen. Da sind die Anlieger. Immerhin rund 800 Personen leben in der Altstadt, darunter auch Menschen, die ärztliche Hilfe benötigen. Erreichbar bleiben müssten auch die Apotheken. Für den Bauhof wäre der Aufwand hoch, jedes Wochenende die Schilder umzubauen.

Warum ein Schild "Nur für Anlieger" in der Altstadt nichts bringt

Ein Schild „Zufahrt nur für Anlieger“ bringe nichts, sagte Müller. Jeder, der ein Eis in der Eisdiele essen wolle, habe ein Anliegen und dürfe einfahren.

Christoph Walter räumte ein, dass eine Lösung auch praxistauglich sein müsse. Ihm ist wichtig, dass etwas verändert werde. Er nehme die Einwände des Einzelhandels sehr ernst. Aber er gab zu bedenken, dass womöglich noch mehr in der Stadt los wäre, wenn weniger durch Autos erzeugte Hektik herrschen würde.

Thomas Burtscher (Grüne) schlug vor, die Innenstadtanlieger zu befragen. Um dem Werbekreis entgegen zu kommen, sollte der Versuch um ein Jahr verschoben werden. Dem folgte der Stadtrat aber nicht. Roland Peter (Freie) sagte, er sei von einer Einbahnregelung nicht begeistert, könne aber mit dem Kompromiss einer vorübergehenden Lösung leben. Ursula Kiefersauer (BG) mahnte zu Vorsicht. Es seien schwierige Zeiten, man müsse mit Bedacht herangehen. Josef Doll (Grüne) dagegen hätte es begrüßt, wenn die Autos an den Wochenenden draußen blieben. Poserfahrten sollten unterbunden werden. Bürgermeister Winter warnte vor „Radikallösungen“. Corona sei eine der schwersten Belastungsproben für die Gesellschaft. Er fürchtet, dass bei vielen Bürgern lediglich die Botschaft ankomme, man könne nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt. Winter sprach von einem großen Wagnis.

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