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Unterallgäu

21.11.2018

Der Landkreis Unterallgäu unterstützt Hospiz

Meinungsverschiedenheiten gab es zur Förderung des Allgäu Hospizes in Kempten, das derzeit erweitert wird. Es hatte beim Landkreis einen Investitionszuschuss in Höhe von fast 119000 Euro beantragt und soll nun zunächst 30000 Euro bekommen.

An den Kreiskliniken in Mindelheim und Ottobeuren startet ein bislang einmaliges Projekt für Schwerstkranke. Auch Sterbende sollen besser begleitet werden.

Auch wenn die Hospiz- und Palliativversorgung keine Pflichtaufgabe des Landkreises ist, hat sich der Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung geschlossen dafür ausgesprochen, diese massiv zu fördern. Insgesamt will er dafür im kommenden Jahr 102.500 Euro zur Verfügung stellen. Rund die Hälfte davon, nämlich bis zu 50.000 Euro, fließt in ein deutschlandweit einmaliges Projekt. Wie der Vorstand der Kreiskliniken, Franz Huber, und Chefarzt Dr. Manfred Nuscheler, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Pallium gGmbH und Vorstandsmitglied beim Sankt Elisabeth Hospizverein Memmingen-Unterallgäu in der Sitzung erläuterten, soll an den Kreiskliniken ein so genannter palliativer Konsiliardienst eingerichtet werden. Geplant ist demnach, dass die Mitarbeiter des Pallium Palliative Care Teams Memmingen-Unterallgäu als externer Dienstleister jährlich bis zu 200 schwerstkranke Patienten in den Kreiskliniken mitbetreuen. Der Konsiliardienst wird dabei von der jeweiligen Station angefordert und bietet den Ärzten und Krankenschwestern sein Fachwissen über Palliativmedizin, Schmerztherapie und auch psychosoziale Begleitung an. Der Konsiliardienst, bestehend aus Palliativmedizinern, spezialisierten Pflegekräften aber beispielsweise auch einer Seelsorgerin, ist dabei vor allem beratend tätig. Die Kreiskliniken, die anders als das Klinikum in Memmingen über keine eigene Palliativstation verfügen, folgen damit dem inzwischen gesetzlich vorgeschriebenen Ziel, die Palliativversorgung in den Krankenhäusern zu verbessern.

Laut Manfred Nuscheler sind die Kreiskliniken die ersten Krankenhäuser in Deutschland, denen es gelungen ist, mit den Krankenkassenverbänden einen Vertrag für das neue, stationsübergreifende Angebot auszuhandeln. Er sieht vor, dass die Kreiskliniken die von Pallium erbrachten Leistungen mit der Krankenkasse abrechnen. Diese stellen dazu einen Fonds in Höhe von 165.000 Euro pro Jahr zur Verfügung, der nach derzeitiger Kalkulation aber nicht ausreichen wird. Die Kreisräte haben deshalb zugestimmt, dass der Landkreis das Defizit mit maximal 50.000 Euro pro Jahr abdeckt.

In Türkheim und Memmingen sollen weitere Hospizzimmer entstehen

Um eine heimatnahe Versorgung Sterbender gewährleisten zu können, will der Sankt-Elisabeth-Hospizverein in Kooperation mit dem Landkreis und der Stadt Memmingen zusätzlich zum bereits bestehenden Hospizzimmer im Seniorenheim St. Georg in Mindelheim außerdem im kommenden Jahr je ein Hospizzimmer im Kreis-Seniorenwohnheim in Türkheim und im Bürgerstift in Memmingen einrichten. Die Personalkosten für die dafür benötigte zusätzliche Palliative-Care-Fachkraft wollen sich der Landkreis und die Stadt Memmingen teilen. Geplant ist, zunächst das Zimmer in Memmingen zu schaffen und danach das in Türkheim. Für das Jahr 2019 werden dafür 22.500 Euro im Kreishaushalt eingeplant.

Dass es einen Bedarf für beide Angebote gibt, steht für Manfred Nuscheler außer Frage: Jedes Jahr sterben im Unterallgäu und der Stadt Memmingen etwa 2000 Menschen – 800 davon in Kliniken und 400 in Seniorenheimen, so der Chefarzt.

Die Kreisräte dankten allen, die sich ehrenamtlich und mit großem Engagement in der Hospizarbeit einsetzen und zeigten sich von dem Konzept geschlossen überzeugt. Alfons Weber ( CSU) bezeichnete es wie Michael Helfert (SPD) und Beppo Haller (Grüne) als „sinnvoll, bedarfsgerecht und zukunftsfähig“ und auch Rosina Rottmann-Börner (ödp/Bürger für die Umwelt) begrüßte das Prinzip der Dezentralität. Der Landkreis sei damit nah am Bürger und die Versorgung dort, wo sie gebraucht werde.

Wie viel Geld soll das Allgäu Hospiz in Kempten bekommen?

Meinungsverschiedenheiten gab es lediglich zu einem weiteren Punkt: Das Allgäu-Hospiz in Kempten, das derzeit wie berichtet erweitert wird, hatte den Landkreis bereits im vergangenen Jahr um einen Investitionszuschuss in Höhe von fast 119.000 Euro gebeten, weil dort auch regelmäßig Sterbende aus dem Unterallgäu betreut würden. (Mehr dazu lesen Sie hier: Das Schweigen des Landrats) Während nun die CSU-Fraktion einen Antrag gestellt hatte, diesem Wunsch zu entsprechen, hielt die Verwaltung einen Zuschuss von 30.000 Euro für ausreichend: Statt der 2,3 Plätze, die das Allgäu Hospiz als Bedarf für das Unterallgäu berechnet hatte, seien zwischen 2015 und 2017 rechnerisch lediglich zwischen 0,18 und 0,31 Plätze genutzt worden. Außerdem reihe sich der Landkreis mit 30.000 Euro in die Förderungen benachbarter Gebietskörperschaften ein: Der Landkreis Ostallgäu will sich etwa mit 20.000 Euro beteiligen, die Stadt Memmingen voraussichtlich mit 10.000 Euro.

Franz Mutzel (CSU) war diese Argumentation zu kühl und betriebswirtschaftlich. Der erbetene Betrag nehme sich gegenüber anderen Projekten des Landkreises vergleichsweise gering aus und auch sein Fraktionskollege Alfons Weber fand die erbetene Förderung mit Blick auf die Baukosten in Höhe von sieben Millionen Euro angemessen. Außerdem befürchtete er: „Wenn wir nicht ausreichend fördern, rutschen unsere Leute runter.“ Die Förderung sei eine Chance, stationäre Plätze für das Unterallgäu zu sichern. Dieses Argument ließ Landrat Hans-Joachim Weirather allerdings nicht gelten: „Wir erkaufen uns damit kein Eintrittsrecht, das wäre auch gar nicht zulässig“, betonte er.

Letztlich fiel der Antrag der CSU ebenso durch wie der Kompromiss-Vorschlag von Josef Kerler (CSU). Er hatte angeregt, dass sich der Landkreis an den in den vergangenen Jahren erbrachten Leistungen des Hospizes beteiligen könnte, die auch Unterallgäuern zugutegekommen seien. Stattdessen verständigten sich die Kreisräte darauf, das Allgäu Hospiz im kommenden Jahr mit 30.000 Euro zu unterstützen und stellten für das Jahr 2020 je nach Geschäftsverlauf und Zahl der Patienten aus dem Unterallgäu einen weiteren Zuschuss in Aussicht.

In der Diskussion war zuvor deutlich geworden, dass nicht nur Rosina Rottmann-Börner das Vorgehen des Allgäu Hospizes irritierend fand: Um eine Förderung des Freistaates zu bekommen, hatte es bereits bei seiner Errichtung auch das Unterallgäu und die Stadt Memmingen zu seinem Einzugsgebiet erklärt – und dem Landkreis dadurch ohne vorherige Absprache die Möglichkeit genommen, für den Bau eines etwaigen eigenen Hospizes eine Förderung zu bekommen. Auch vor der jetzigen Erweiterung habe es keine Gespräche gegeben, sondern lediglich die Zuschussbitte.

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