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Wiedergeltingen

12.07.2019

Der Weg nach Andechs ist das Ziel

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4 Bilder
Wer das Kloster Andechs in den Blick bekommt, hat einen kräftezehrenden Weg zu Fuß hinter sich gebracht.
Bild: Schmid/Kloster Andechs

Plus Norbert Radmacher aus Wiedergeltingen pilgert mit über 100 Gläubigen zum 25. Mal nach Andechs. Was er auf dem Weg bislang erlebt hat, begeistert ihn.

Alles ist bereit für diesen besonderen Tag – nur das Wetter wird wohl nicht mitspielen. Norbert Radmacher bringt das allerdings keineswegs um die Vorfreude. So schlecht könne das Wetter gar nicht sein, dass sich die Wallfahrer jemals von ihrem Vorhaben abbringen ließen, sagt der Wiedergeltinger. Radmacher muss es wissen – denn er hat keine Wallfahrt ausgelassen. Zum 25. Mal brechen die Pilger aus Türkheim, Wiedergeltingen und anderen Gemeinden auf – nicht nach Rom, wohin angeblich alle Wege führen. Dafür zum Heiligen Berg nach Andechs.

Es ist die Fußwallfahrt des Katholischen Landvolks und der Pfarreiengemeinschaft Türkheim mit Wiedergeltingen, Amberg und Irsingen, am Samstag, 13. Juli. Gut 120 Pilger werden erwartet. Radmacher ist seit dem ersten Mal dabei. „Selbst wenn es beim Start blitzte und donnerte und es bis Ende der Exkursion regnete, am Ende haben sie doch immer alle wieder von diesem unvergleichlichen Erlebnis geschwärmt“, berichtet er.

Es habe einmal „wie aus Eimern gegossen“, und triefend nass habe er am Wildpark bei Landsberg eine Betrachtung über den „Sonnengesang“ von Sankt Franziskus gehalten. Genau an passender Stelle habe sich – wie zur Bestätigung – ein Frosch vor ihm platziert.

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Bei einer anderen verregneten Wallfahrt wiederum hätten alle über eine „mittelalterliche Bäuerin“ gestaunt, die die gesamte Strecke von immerhin fast 45 Kilometern in Birkenstock-Sandalen bewältigte.

"Nie mehr gehe ich mit" - doch dann sind sie doch wieder alle dabei

Damit er gut bei Kräften ist, sorgt Radmacher heute schon vor. „Am Abend, bevor wir starten, lege ich mich um 19 Uhr hin, um dann eine halbe Stunde nach Mitternacht aufzustehen“, erklärt er sein erprobtes Rezept. Radmacher steht die Vorfreude ins Gesicht geschrieben. „Wir sind schon jetzt voller Erwartung, auch auf die Jubiläumspredigt“, sagt er. Apropos Predigt: Einmal habe er das Bedürfnis gehabt, sich bei Pfarrer Bernhard Hesse „für die wunderschöne Predigt“ zu bedanken. Das sei insofern peinlich gewesen, „weil Hesse an diesem Tag gar nicht gepredigt hatte, und ich ausgerechnet während der vermeintlichen Predigtzeit ein Nickerchen gemacht hatte“, sagt Radmacher. Sein Freund Josef Unsin aus Wiedergeltingen hat Radmacher einst zu seiner ersten Wallfahrt animiert. „Ich weiß noch, wie mühsam und relativ schlimm ich es empfunden habe und dachte, ich würde es nur bis zum Wildpark schaffen“, erinnert sich der Jubiläums-Pilger. „Doch nach einer Stärkung habe ich mich bis zur Schiffsanlegestelle Utting durchgearbeitet.“ Da half auch die besondere Stimmung beim wallfahren. Beim Bergaufstieg habe der Geistliche die „schönsten Motivationslieder“ gesungen, die, so der begeisterte Wallfahrer „mich schweißgebadet die letzten 100 Stufen bewältigen ließen.“ Danach habe er nur noch das Gefühl grenzenloser Freude gehabt. So würde es übrigens den meisten gehen, selbst wenn sie danach behaupten: „Nie mehr gehe ich mit“, sie würden es ja dann – trotz der großen Anstrengung – doch wieder machen.

Die Wallfahrt hatte einst eine lange Tradition in Wiedergeltingen

Josef Unsin sorgt dafür, dass alles klappt. „Die Wiedergeltinger sind schon bis 1895 jahrhundertelang nach Andechs gepilgert“, berichtet er. Als die Bahnstrecke Geltendorf/Weilheim eröffnet wurde, dann jedoch nicht mehr zu Fuß. Von Altbürgermeister Norbert Lutzenberger sei überliefert worden, dass es „als Ersatz“ eine Betstunde im Gotteshaus gab, die aber sehr schlecht besucht gewesen sei. 100 Jahre später haben die Freunde Josef Unsin und Norbert Radmacher die Fußwallfahrt erneut ins Leben gerufen.

Abmarsch zur Jubiläums-Pilgerreise ist am Samstag um 1.30 Uhr in Wiedergeltingen am Raiffeisenplatz und in Amberg an der Pizzeria. Der Weg führt über Buchloe, Landsberg und Hofstetten nach Utting. Nach der Schifffahrt über den Ammersee marschieren die Pilger von Herrsching aus auf den Heiligen Berg, wo um 14 Uhr in der Klosterkirche der Gottesdienst gefeiert wird. Nach einer Einkehr ist die Rückfahrt um 16.30 Uhr vorgesehen. Für Flüeli-Wallfahrer kann diese Wallfahrt auch als Vorbereitungstag genutzt werden, sagt Unsin. Wegen der Busrückfahrt ist eine Anmeldung unter der Telefonnummer 08241/910810 erforderlich. Vielleicht gibt es ja Teilnehmer, die heuer zum ersten Mal den Weg bewältigen – und dann am Ende ebenso erschöpft und glücklich sind, wie Radmacher es jedesmal war.

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