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Ettringen

06.07.2020

Ein musikalisches Gewand für Gottes Wort in Ettringen

„Lasst doch des Mädla a Instrument lernen!“Das „Herzstück“ des heimischen Musikzimmers von Margit Hölzle: alte Orgelpfeifen aus der Ettringer Pfarrkirche St. Martin. Erinnerungen an ihr musikalisches Wirken hat sie in vier Leitzordnern zusammengetragen.„Es ist lediglich eine Frage des Fragens.“
Bild: Regine Pätz

Plus Rund 28 Jahre lang begleitete Margit Hölzle als Organistin das Kirchenjahr der Ettringer Pfarrei. Jetzt verlässt die Musikerin ihren Platz in St. Martin. Auf eigenen Wunsch. Dennoch hätte ihr Abschied anders aussehen dürfen.

Wer Margit Hölzle in Tussenhausen besucht, ist schnell von ihrer Gastfreundschaft eingenommen. Noch mehr Glück hat, wer ins Herzstück des Hauses eingelassen wird. Denn dort, im Musikzimmer der Gastgeberin, ist ein besonderer Geist zu verspüren. Alles in diesem Raum atmet Musik.

Viele Erinnerungen an musikalische Höhepunkte

Zunächst fällt das Klavier ins Auge, natürlich. Dann, entlang der Wände, die vielen Plakate. Sie alle zeugen von musikalischen Höhepunkten, die Margit Hölzle in ihrer rund 30-jährigen Laufbahn als Organistin für die Kirchengemeinden Tussenhausen und Ettringen erleben und begleiten durfte. Das Zentrum des Raumes beherrscht jedoch ein großer Bilderrahmen, darin säuberlich aufgereiht glänzende Orgelpfeifen.

Sie gehörten einst zur alten Orgel der Ettringer Pfarrkirche St. Martin. Das Instrument war in die Jahre gekommen und schließlich 1998 durch eine neue Orgel ersetzt worden. Jetzt schmücken Teile davon das Musikzimmer der Organistin. Der Anblick erfreue sie jeden Tag, sagt Margit Hölzle. Noch mehr die Erinnerung an die damit verbundene Weihe. „Das war wohl das schönste Ereignis in meiner musikalischen Laufbahn“, erinnert sie sich. Überhaupt sei es etwas ganz Besonderes, auf einer neuen Orgel spielen zu dürfen.

Dieses Kapitel jedoch ist nun zu Ende gegangen. Noch im Dezember des vergangenen Jahres hat Margit Hölzle ihre Kündigung an die Ettringer Pfarrei gesandt. Mitte Juni saß die Organistin zum letzten Mal in St. Martin vor der Orgel, um einen Ettringer Gottesdienst musikalisch zu begleiten. Wehmut ist bei der Musikerin zu erkennen, als sie davon spricht. Die Kündigung ging von ihr selbst aus, sagt sie. Schwer bleibe dieser Gang dennoch, bis heute.

Wer die musikalische Entwicklung Margit Hölzles kennt, kann vielleicht erahnen, was die Musikerin zu diesem Schritt bewogen hat. Dass der Glaube, den sie Gott entgegenbringt, auch essenziell ist, wenn es um das Miteinander geht. „Wenn alle für die Sache an einem Strang ziehen“, sagt sie. Und man sich wertschätzt und aufeinander verlassen könne.

Schön der Opa hat das Talent der Ettringerin gesehen

Dafür stehen zunächst einmal die Menschen, die an das Talent der ruhigen, zurückhaltenden jungen Frau geglaubt haben. „Lasst doch des Mädla a Instrument lernen“, habe ihr Opa damals gesagt - und damit die musikalische Laufbahn der Enkelin angetrieben.

Viele renommierte Musiklehrer, darunter der bereits verstorbene Michael Stetter aus Mindelheim oder der aus Markt Rettenbach stammende international erfolgreiche Organist Christoph Hauser, formten das musikalische Vermögen Hölzles. Zum ersten Mal - und das bereits mit 13 Jahren - spielt sie im Wechsel mit Josef Nieberle die Orgel in Tussenhausen, nachdem der langjährige Organist Georg Schineis 1990 überraschend verstirbt. Auch Ettringen lässt zwei Jahre später durch Pfarrer Brazdil bei der zierlichen Frau anfragen; Margit Hölzle sagt zu.

Die Liebe zur Musik, die längst Berufung ist, lässt sie die Doppelbelastung zweier Organistenstellen bewältigen. Auch als die Ehe der zweifachen Mutter zerbricht, eine Teilzeitstelle als Beamtin bewältigt werden will, sitzt Margit Hölzle zuverlässig an den Wochenenden an den Orgeln in Tussenhausen und Ettringen. Als sie 2012 auf dem Weg zum Ettringer Gottesdienst verunglückt, schafft sie es dennoch zum Gottesdienst - per Anhalter. Erst danach hat sie Zeit zu rekapitulieren, welch großes Glück sie bei diesem Unfall wohl hatte. Es ist Pfarrer Richard Dick, der sich persönlich vor Ort nach ihrem Wohlergehen erkundigt.

Während in Tussenhausen die Wege zueinander kurz sind, stets persönlicher Kontakt zwischen Organistin und Kirche besteht, fängt Margit Hölzle an, dies auf Ettringer Seite zu vermissen. Die Kommunikation mit der Pfarrei kommt ins Stocken, einen Reim kann sich die Organistin bis heute nicht so richtig darauf machen. Verbunden bleibt ihr Mesner Ludwig Ammann, er diene „als Sprachrohr zwischen Pater Michael und mir“, sagt sie nachdenklich. Als schließlich das Corona-Virus auch den kirchlichen Ablauf Schachmatt setzt, zwingt dies Margit Hölzle zur inneren Klausur. Jetzt, mit diesem ungewollten Abstand, verdichtet sich die Unsicherheit, die sie im Umgang mit der Ettringer Kirche verspürt und, ja, auch belastet.

Aus dieser Perspektive betrachtet stellt sich heraus, dass die getroffene Entscheidung richtig war, den gemeinsamen Weg zu beenden, sagt sie. Ein leichter Gang war es dennoch nicht.

Gab es Missverständnisse oder fehlte es an der Kommunikation?

Ob sie richtig entschieden oder sich manches auch nur durch Missverständnis oder fehlende Kommunikation aufgrund Zeitmangels ergeben habe, dieses Abwägen lasse sie jetzt ruhen, sagt sie. Dennoch: Auch nach ihrer Kündigung bleibt es nahezu still. Keine Nachfrage ob des Grundes. Mesner Ludwig Ammann ist es, der sie zu Hause besucht und sein Bedauern ob ihrer Kündigung ausspricht.

Noch hat Margit Hölzle keine Ausschreibung seitens der Pfarrgemeinde nach einer neuen Organistin oder eines Organisten vernommen; ein sogenanntes Organola, ein mechanischer Aufsatz, ermöglicht derzeit, dass in Ettringen dennoch Orgelmusik die Gottesdienste begleitet. Sie selbst zeigt sich bereit, neben Tussenhausen an anderer Stelle, bei anderen Pfarreien in der Umgebung auszuhelfen. „Es ist lediglich eine Frage des Fragens“, lächelt sie.

Ihr letzter Einsatz für Ettringen war am 14. Juni; ein letztes Mal begleitet Margit Hölzle den Gottesdienst an der schönen Orgel. Pater Michael ist nicht vor Ort, entschuldigt durch ein Patrozinium, das ebenfalls an diesem Sonntag seine Anwesenheit erfordert.

So bleibt es bei Pater Binu, ein paar Worte des Dankes nach dem Gottesdienst an Margit Hölzle zu richten.

Gefreut habe sie sich auch über die warmen Worte des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Armin Weh und Ludwig Ammann, sagt sie. Und auch der Dank von Marianne Weidenspointner im Namen des Kirchenchores trug Margit Hölzle für einen Moment durch die Wehmut des Abschieds, nach 28 Jahren Einsatz.


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