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Mindelheim

19.02.2020

Firma Grob sieht sich gut gerüstet - trotzdem gibt es Kurzarbeit

Ein Blick von Süden auf die Unterallgäuer Kreisstadt Mindelheim: Das Maschinenbauunternehmen Grob dominiert mit der Konzernzentrale und den Werkhallen das Bild.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Bei allen Großprojekten führender Autobauer ist die Mindelheimer Firma dabei. Dennoch sind 800 Beschäftigte in Kurzarbeit. Woran das liegt.

Die Grob-Werke Mindelheim meistern bisher erstaunlich robust den Transformationsprozess weg vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität. Vor fünf Jahren hat das Familienunternehmen im Unterallgäu die Weichen neu gestellt: Konsequent baut es seither auf die Elektromobilität. Über 30 Prozent der Maschinen und Anlagen, die Grob produziert, dienen bereits Elektroantrieben oder haben mit Batterietechnologie zu tun.

Grob hat dazu eine Entwicklungsoffensive gestartet, wie der Vorsitzende der Geschäftsleitung German Wankmiller formuliert. Am Firmensitz in Mindelheim arbeiten 1000 Konstrukteure und Entwickler. In den vergangenen zwei Jahren waren diese Abteilungen um 250 Mitarbeiter aufgestockt worden. Insgesamt beschäftigt Grob in Mindelheim 4782 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört damit zu den bedeutendsten in ganz Schwaben. Bei wieder anziehender Konjunktur "sind wir bestens vorbereitet", sagt Wankmiller. Der Geschäftsführer rechnet mit einer Durststrecke von zwei Jahren.

Maschinenbauer Grob ist durch den Wandlungsprozess auf allen Ebenen gefordert

Der Wandlungsprozess fordert das Unternehmen auf allen Ebenen: Im Vorjahr investierte Grob am Standort Mindelheim 55 Millionen Euro in die Entwicklung neuer Technologien. Heuer sollen weitere 50 Millionen folgen. Auch für die Mitarbeiter ist der Wandel ein Kraftakt. Mit einem umfangreichen Schulungsprogramm versucht Grob die Beschäftigten fit zu machen und so Arbeitsplätze zu erhalten.

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Bisher ist das gut gelungen. Zwar wurde im Vorjahr die Zahl der Leiharbeiter von 600 auf 38 abgebaut. Die Überstunden wurden auf ein Normalmaß reduziert. Die Zahl der Beschäftigten in Mindelheim liegt aber nur unwesentlich unter dem Höchststand von 4850.

Porsche, Audi, BMW - Grob ist mit von der Partie

Bei allen großen Projekten der E-Mobilität führender Autohersteller ist Grob mit von der Partie. Porsche, Audi, BMW und VW nennt Wankmiller. Auch Tesla ist auf Grob zugekommen, weil die Amerikaner mitbekommen haben, dass die Mindelheimer bereits die sehr anspruchsvolle Hairpin-Technik für Elektromotoren beherrschen. Die ersten Verträge sind unterzeichnet. Drei große Anlagen für das neue Werk bei Berlin und für China darf Grob liefern. Zahlen nennt das Unternehmen nicht. In den vergangenen Jahren hat Grob 6000 Elektroantriebe für Kunden in aller Welt entwickelt. Grob will als Vorlieferant für die Automobilhersteller in der Batterietechnologie bis hin zur Brennstoffzellentechnik dieselbe Rolle spielen wie bei Verbrennungsmotoren.

Werkzeugmaschinen für die Herstellung von Verbrennungsmotoren spielen aber weiterhin eine wichtige Rolle. Sie machen 45 Prozent aus. 2018 lag der Wert noch bei 73 Prozent. Der Druck ist groß, weil die Aufträge in immer kürzerer Zeit erledigt sein müssen. "Wir wollen so flexibel wie möglich beide Welten bedienen", sagt Christian Grob.

Was für Folgen haben Konjunkturschwäche und Coronavirus?

Dieser Bereich aber leidet unter der konjunkturellen Schwäche der Automobilindustrie. Hinzu kommt das Corona-Virus in China, das die Produktion teilweise lahmgelegt hat. Grob besitzt ein Werk in Dalian mit 750 Beschäftigten. Alle seine 74 deutschen Mitarbeiter hat Grob aus Sorge um die Gesundheit abgezogen. Aufträge mussten eingefroren werden. Auch der Handelsstreit zwischen den USA und China belastet, weil die Autoproduktion in China spürbar eingebrochen ist. Im Vorjahr hatte Grob eine Leistung (Umsatz) von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Für dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit 150 Millionen Euro weniger.

Deshalb hat das Unternehmen seit Februar 800 Mitarbeiter aus Produktion und Verwaltung in Kurzarbeit geschickt. Wie lange diese Phase andauern wird, ist unklar. "Vielleicht gibt es sie im April schon nicht mehr", sagt Wankmiller. Die Auftragsbücher haben sich zuletzt wieder gefüllt, sodass die Beschäftigung derzeit für zehn Monate gesichert ist.

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