1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. In diesem Turm hütet die Stadt einen Schatz

Mindelheim

13.08.2019

In diesem Turm hütet die Stadt einen Schatz

Copy%20of%20UT_mit_Anbau-gro%c3%9f.tif
3 Bilder
Das Untere Tor in Mindelheim gestern und heute. Auf der alten Aufnahme gut zu sehen ist noch der große Vorbau, der heute nicht mehr existiert.
Bild: Stadtarchiv

Plus Im Unteren Tor lebte der Türmer, der Alarm schlug, wenn es brannte. Würde heute im Turm selbst ein Feuer ausbrechen, wäre ein besonderer Schatz bedroht.

Türme prägen nicht nur das Bild der Mindelheimer Altstadt, sondern sind auch in anderen Orten des Unterallgäus markante Wahrzeichen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. Wie sieht es in diesen Türmen aus? Wie werden sie genutzt, welche Geheimnisse können sie uns verraten? Heute geht es um das Untere Tor in Mindelheim.

Das einzigartige historische Mindelheimer Frundsbergfest alle drei Jahre hat einen Makel: Es trübt den Blick auf die Geschichte. Der „Vater der Landsknechte“, Georg von Frundsberg (1473 bis 1528), wird seit 1855 als bedeutendste historische Figur Mindelheims gefeiert. Tatsächlich hat Frundsberg gerade in Mindelheim eher wenige Spuren hinterlassen.

Die Herzöge von Teck haben Mindelheim geprägt

Es sind die Herzöge von Teck, die die Stadt immer wieder befestigt und ihr so ihr einzigartiges Gesicht gegeben haben. Davon erzählen in besonderer Weise die Türme der Mindelheimer Altstadt. Immerhin spielen sie auch im Frundsbergfest eine Nebenrolle. Die Stadtgründung geht auf Heinrich den Löwen im 12. Jahrhundert zurück, den Gründer von München. Mindelheim liegt an der Route von München Richtung Bodensee. Diese Salzstraßen waren die Autobahnen des Mittelalters, wie es Kulturamtsleiter Christian Schedler formuliert. Sie brachten Wohlstand nach Mindelheim. Unter Herzog Friedrich von Teck bekam die Stadt weitgehend ihr heutiges Gesicht. Ein Palisadenwall aus Holz und Stein wurde zur ersten Befestigungsanlage um die Stadt.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

1263 verlegten die Augustiner ihr Kloster von Bedernau nach Mindelheim. Das ist baugeschichtlich deshalb von besonderem Interesse, weil die Kirchenmänner ihre Kirche ans „Schnäbelinstor“ gebaut haben. Der Bürger Ulrich Schnäbelin hatte das Gebäude an das Kloster verkauft.

Wo das Schnäbelinstor stand, ragt heute das Untere Tor in den Himmel. Es ist 40 Meter hoch und das älteste der Stadt. Es dürfte in der Zeit um 1200 oder 1250 errichtet worden sein. Der heutige Bau entstand nach 1350.

Der Türmer im Unteren Tor warnte die Mindelheimer vor Feuer

Hier lebte bis ins 20. Jahrhundert der Türmer. Dessen Aufgabe war vor allem, nach Rauch und Feuer Ausschau zu halten. Im Volksmund hieß der Turm auch „Bläserturm“. Denn bei einem Brand ließ er ein lautes Trompetensignal ertönen. Oft dürfte das aber nicht der Fall gewesen sein. Ein gütiges Schicksal meinte es meist gut mit den Mindelheimern. Die Altstadt ist nie von einem größeren Feuer heimgesucht worden. Der Turm wurde vor etwa fünf Jahren außen renoviert und erhielt wieder das Gesicht aus dem Jahr 1263. Reste einer Bemalung fanden sich zwischen Jesuitenkirche und Unterem Tor. Das Tor wirkt jetzt wieder wehrhaft und nicht so verspielt wie vorher. Die alte Fassung war übrigens der Fantasie eines Restaurators entsprungen und hatte keine historischen Bezüge.

Das Untere Tor beherbergt heute den bedeutendsten Teil des Mindelheimer Stadtarchivs. Das sehen Fachleute allerdings mit Sorge. Würde dort ein Feuer ausbrechen, wären wertvolle Schätze für immer verloren.

Stadtarchivar Andreas Steigerwald muss jeden Tag 123 Stufen erklimmen, bis er an seinem Arbeitsplatz ist. Von dort allerdings bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die Altstadt mit dem sanierten unteren Teil der Maximilianstraße bis hin zur Mindelburg.

Im Vorbau wurden die Besucher Mindelheims gefilzt

Die Decken im Inneren sind aus Holz. Eine exakte Untersuchung, die Christian Schedler vor ein paar Jahren in Auftrag gegeben hat, hat ergeben: Die Bäume für die Hölzer über dem ersten Obergeschoß wurden 1396/97 gefällt. Die Hölzer der zweiten bis vierten Geschosse stammen aus den Jahren zwischen 1403 und 1416. Jene vom fünften Geschoß sind von 1470/80.

Im Westen des Tores stand bis 1877 noch eine Barbakane. Das war ein Vorbau, eine Art Schleuse, in der Menschen, die in der Stadt Einlass begehrten, genauestens gefilzt werden konnten. Dazu gehörte auch ein Falltor. Die Führungsschlitze für das Fallgitter haben sich erhalten. Quasi um göttlichen Schutz zu erbitten, befand sich im Westen des Turms eine spätgotische Madonna. Sie ist heute im Krippenmuseum zu sehen.

Die Türme zeigten, dass Mindelheim wehrhaft ist

Die Türme mit der geschlossenen Stadtmauer waren eine klare Botschaft an mögliche Invasoren: Diese Stadt Mindelheim ist wehrhaft und ihre Bürger verteidigen ihre Freiheit. Aus dem Jahr 1467 hat sich eine alte Wehrordnung erhalten. Alle Bürger waren damals bewaffnet und hatte die Waffen auch zuhause aufbewahrt. In diesem Werk war genau festgelegt, wer sich wo im Verteidigungsfall einzufinden hat.

Die Schweiz pflegt heute noch ein ähnliches Modell. Wenn einer in die Stadt ziehen wollte, war das leichter, wenn er gleich eine Hakenbüchse oder eine Armbrust mitbringen konnte. Wo heute übrigens die Mindelheimer Polizei ihr neues Gebäude stehen hat, befand sich im Mittelalter der Schießplatz. Denn ohne Übung ging auch damals wenig.

Das Obere Tor in Mindelheim birgt gleich mehrere Geheimnisse. Welche, erfahren Sie hier:

Mindelheim: Zum Sterben durchs Obere Tor

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren