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Unterallgäu

25.06.2020

Neuer Präsident am Landgericht Memmingen ist bekennender FCA-Fan

Konrad Beß ist der neue Präsident am Landgericht Memmingen. Nicht nur an seinem Schreibtisch fühlt sich der 58-Jährige wohl – auch in der Maustadt insgesamt.
Bild: Thomas Schwarz

Plus Konrad Beß folgt auf Thomas Ermer. Für das Haus in der Memminger Hirschgasse gibt es außerdem neue Pläne.

Ein Fußball- und Kultur-Fan ist nun oberster Jurist am Landgericht Memmingen: Konrad Beß folgte Anfang Mai als Präsident auf Thomas Ermer, der als Abteilungsleiter an das Bayerische Justizministerium gewechselt ist. Der 58-jährige Beß stammt aus Wittislingen im Kreis Dillingen an der Donau, machte dort auch 1980 sein Abitur.

Gerichtspräsident Beß ist ein Teamplayer

Obwohl er erst einige Wochen in Memmingen ist, fühlt er sich hier bereits sehr wohl – trotz der Corona-Zeiten. Die haben seinen Start anders ausfallen lassen, als er es sich gewünscht hat: „Ich bin ein Team-Mensch – aber wegen der Beschränkungen auch hier im Haus sind Versammlungen mit Mitarbeitern derzeit leider nicht möglich.“ Denn die Hälfte der Mitarbeiter ist im Homeoffice und nur die andere Hälfte im Hallhof. Immerhin habe er schon viele Vier-Augen-Gespräche geführt und fühle sich freundlich aufgenommen.

Seit Ende der Pfingstferien sind Lockerungen geplant. Dann arbeitet wieder die komplette Mannschaft im Gerichtsgebäude – „aber mit den strengen Sicherheitsmaßnahmen Gesichtsmaske, Hygiene und Abstand“.

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Um das neue Umfeld („Memmingen ist eine wunderschöne Stadt!“) schnell kennenzulernen, bezog der Jurist in der Maustadt vor wenigen Tagen seinen Zweitwohnsitz – und führt nun erst einmal eine Wochenend-Ehe mit seiner weiter in Augsburg lebenden Frau. Mit ihr ist er seit 31 Jahren verheiratet.

Das macht der oberste Memminger Jurist in seiner Freizeit

In seiner Freizeit engagierte Beß sich als Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Mitglied der Kirchenverwaltung. Er interessiert sich für Kunst und Kultur, ist oft in Museen, Ausstellungen und klassischen Konzerten. Da freut es ihn auch, dass sein Vorgänger Thomas Ermer ihm im Büro ein paar Kunstwerke hinterlassen hat – unter anderem zwei Gemälde, die den Hallhof im 19.Jahrhundert zeigen. Er selbst hat eine kleine Skulptur auf seinen Schreibtisch gestellt – sie stammt vom Günzburger Künstler Terence Carr. Bei dieser Vorliebe sei es für ihn klar, dass ein Projekt seines Vorgängers fortgesetzt wird: Bei der Aktion „Kunst im Geschäft“ öffnet sich auch das Landgericht für Kulturinteressierte. „Für dieses Jahr sind wir beim Memminger Stadtmarketing-Verein schon angemeldet!“ Auch sonst habe ihm Thomas Ermer ein „wohl bestelltes Haus“ hinterlassen.

Beß schätzt zudem gutes Essen (bevorzugt leichte saisonale regionale Küche) und pflegt einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Als treuer Anhänger des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg hat er viele Erfolge auch live im Stadion miterlebt – zuletzt wurde aber seine Leidensfähigkeit auf eine harte Probe gestellt. „Ich hoffe, dass es am Saisonende für Platz 15 reicht...“, sagte der Jurist vor dem 33. Spieltag. Kurz darauf schaffte der FCA den Klassenerhalt.

Zum Jura-Studium kam Beß durch einen väterlichen Freund: „Er hat mir die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten nach einem juristischen Studium aufgezeigt. Die Entscheidung, in den Justizdienst einzutreten, habe ich nie bereut.“ Auch auf seinem neuen Posten mit viel Verwaltungstätigkeit arbeitet er zumindest alle paar Wochen als Richter – als Vorsitzender der Ersten Zivilkammer.

Auf die Stelle als Präsident des Landgerichts Memmingen habe er sich beworben, weil ihn die neue Herausforderung reizte – auch, weil es ein weiterer Aufstieg ist. Als Landgerichtspräsident sei Kommunikations- und Teamfähigkeit genauso wichtig wie Verwaltungskenntnisse und Organisationserfahrung. Dazu trage bei, dass er auch unter Druck ruhig bleibe – „zumindest bemühe ich mich darum“, sagt er lächelnd. Denn hektisch werden gehe gar nicht.

Viele spannende Fälle in Beß´ Laufbahn

Die Ruhe kann Beß auch bei anstehenden Projekten an seinem neuen Arbeitsplatz brauchen. Da ist zum Beispiel der Raummangel. Gelöst werden soll das Problem durch das vom Freistaat Bayern gemietete Haus in der Hirschgasse, in das eigentlich eine Fachambulanz für Sexualstraftäter einziehen sollte. Nach Protesten von Anliegern wurde dieser Plan im vergangenen Jahr gekippt. Nun wird das Gebäude komplett saniert, damit wahrscheinlich zum Jahresende dort EDV-Schulungen stattfinden können und der gerichtsärztliche Dienst dort mit seinen zwei Ärzten und zwei Service-Mitarbeitern unter anderem Gutachten erstellen kann.

In seiner Laufbahn hat er schon einige spannende Fälle bearbeitet, erinnert sich der 58-Jährige. Beispielsweise mehrere Mordfälle in den 90er Jahren in München oder Ermittlungen in der Neonazi-Szene im Jahr 2001, als ein griechischer Wirt fast zu Tode getreten wurde. „Solche Fälle gehen einem nahe. Aber man muss versuchen, stets eine professionelle Distanz zu wahren und in der Freizeit auf andere Gedanken zu kommen“, sagt Beß.

Viel Arbeit wegen VW-Dieselskandal

Aktuell machen in Memmingen die Klagen gegen VW wegen des Diesel-Skandals viel Arbeit. Rund 180 Fälle seien hier noch zu klären. Aber auch einige Klagen gegen mutmaßliche ärztliche Behandlungsfehler seien gerade anhängig. Demnächst muss sich auch der junge Vater verantworten, der am Jahresanfang seinen erst wenige Monate alten Sohn fast zu Tode geschüttelt hätte.

Ein Novum testet das Landgericht Memmingen wahrscheinlich noch in diesem Monat: eine Verhandlung im nahen Kreuzherrnsaal. Denn wegen der Corona-Abstandsregeln können Prozesse mit vielen Beteiligten derzeit nicht im Hallhof abgehalten werden. „Wir sind mit der Stadt Memmingen und der Polizei im Gespräch – vor allem müssen noch ein paar sicherheitstechnische Fragen geklärt werden“, erläutert Beß.

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