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Fußball

10.08.2019

Niemals aufgeben: So erfüllt man sich Träume

Marius Böhm aus Wiedergeltingen ist bereit für seine erste Saison in der Junioren-Bundesliga. Dafür trainiert er auch zuhause regelmäßig.
Bild: Böhm

Gegen alle Widrigkeiten, trotz schwerer Verletzungen, hat der 16-jährige Marius Böhm aus Wiedergeltingen sein großes Ziel erreicht: die Junioren-Bundesliga.

Marius Böhm hat sich einen Traum erfüllt – den auch viele andere junge Fußballer träumen. Man kann wirklich sagen, er hat ihn sich selbst erfüllt, denn es ist erstaunlich, gegen welche Widrigkeiten sich der 16-Jährige bis heute behauptet hat, um ans Ziel zu kommen. Nun ist es soweit: Für Böhm beginnt am morgigen Sonntag die erste Saison der U17-Bundesliga.

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„Ich freue mich schon sehr darauf, jeden Tag noch mehr“, sagt Böhm. Mit seinem Team der SpVgg Unterhaching trifft er in Augsburg auf den FCA. Auf diesen Moment hat der Schüler des Türkheimer Gymnasiums lange hingearbeitet – und dabei so einiges weggesteckt.

Mit dem Fußballspielen hat Marius Böhm mit sieben Jahren begonnen, davor war Teakwondo seine Leidenschaft. Die Familie lebte zu dieser Zeit in Südkorea, mit Fußball hatten dort nicht viele was am Hut. In Wiedergeltingen begann er mit dem Kicken, wechselte später zur JFG Wertachtal, dann zur SpVgg Kaufbeuren. Weiter ging es zu Stätzling in die Bayernliga („eine tolle und erfolgreiche Zeit mit Trainer Emmanuel Baum und den Jungs“) und von dort aus nach Unterhaching und nun in die Bundesliga. Das ist die Kurzversion. Dass Böhm seinen Traum wirklich leben kann, war aber alles andere als ausgemacht.

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Am DFB-Stützpunkt wurde er nach dem Auswahlverfahren in der U11 nicht genommen. „Schön war das nicht, das zu hören“, sagt der 16-Jährige. Immerhin sei mehr als die Hälfte seines damaligen Teams genommen worden. „Aber ich war nicht enttäuscht. Ich wusste, ich muss an mir arbeiten; ich wollte mich nicht unterkriegen lassen.“ Als U13-Kapitän unter Trainer Chris Keiss wechselte Böhm später nach Kaufbeuren, wo er einen Jahrgang übersprang, zuerst mit Martin Schulz und dann mit Toni Pisanu arbeitete. „Dort habe ich zum ersten Mal gegen Nachwuchsleistungszentren gespielt“, erzählt der Schüler. „Dort wurde mir klar, dass mehr geht.“ Doch zuerst ging gar nichts mehr. Eine sehr schwere Verletzung brachte das Talent in den Rollstuhl, mehrere Wochen lang ging es nicht ohne dieses Hilfsmittel. Operation, Schrauben im Körper, mehrere Monate Zwangspause, als es gerade so gut lief. „Man hat mich auf einem Biertisch aus der Halle getragen“, erzählt der 16-Jährige über den Tag der Verletzung und muss dabei grinsen.

Ans Aufhören habe er nicht gedacht. „Mein Ziel war es, in der selben Saison wieder auf dem Platz zu stehen.“ Mit Pisanus Hilfe sei das gelungen.

Für seinen ehemaligen Trainer in Kaufbeuren ist Marius Böhm ein Vorbild für andere

Der Kaufbeurer Jugendleiter vermittelte Böhm an Moreno Beran, der schon heutige Weltstars wie Mats Hummels in deren Jugendzeit trainiert hatte. Zusammen mit Pisanus Einzeltraining gelang das Comeback. „Ich habe härter trainiert als jemals zuvor“, erinnert Böhm sich heute.

„Er hat sich nach jedem Rückschlag wieder aufgerappelt und weitergemacht“, sagt Julia Böhm, die Mutter von Marius. Auch Pisanu lobt seinen einstigen Schützling für dessen Durchhaltewillen. „Marius war immer sehr ehrgeizig, er hat hart an sich gearbeitet und sich sehr gut entwickelt.“ Pisanu sagt, der 16-Jährige sei ein Vorbild: „Man sollte niemals aufgeben – und Rückschläge machen dich immer stärker.“

Diese Stärke braucht Böhm auch jetzt gerade wieder, denn er muss einen Nasenbeinbruch verkraften, den er sich bei einem Kopfballduell zugezogen hat. Eine Carbonmaske schützt ihn für die nächsten drei Wochen. Vom Saisonstart wird ihn das sicher nicht abhalten. Schließlich hat Böhm mit seinem Team in den vergangenen Wochen hart trainiert, in Österreich und der Schweiz am Mannschaftsgefüge gearbeitet, beim 17-Meter-Sprung beim Canyoning die eigene Grenze verschoben. „Das ist jetzt schon auf Profiniveau“, sagt der 16-Jährige. Vier Mal pro Woche geht es direkt nach der Schule per Zug ans Trainingsgelände. Hausaufgaben und Lernen erledigt er in der Bahn. Abends geht es per Papa-Taxi zurück ins Unterallgäu und dann möglichst schnell ins Bett. Am Wochenende ist Spieltag, der zweite Tag gehört der Vorbereitung oder Regeneration.

Training auf Profiniveau: Dafür verzichtet der Schüler auf Partys und Feiern

Zeit für andere Dinge bleibt da nicht, denn auch zuhause trainiert der Schüler weiter. „Täglich sind es etwa eineinhalb bis zwei Stunden“, sagt er. Einladungen zu Partys oder zu Geburtstagsfeiern muss er deshalb in der Regel ausschlagen. „Es ist schon stressig, klar, aber es macht einfach Spaß“, sagt er zu seinem Pensum und dem Training mit Hachings Coach Marc Unterberger. Bei Unterhaching schätze er das familiäre Umfeld. Dass sogar Präsident Manfred Schwabl beim Training vorbeischaut, findet er prima. Dass er von der Schulleitung des Türkheimer Gymnasiums Unterstützung erhält, wenn er beispielsweise für ein Trainingslager vom Unterricht freigestellt werden muss, freut Marius Böhm besonders. Nach seinem Wechsel nach Unterhaching ist er an die Türkheimer Schule zurückgekehrt. Zwischenzeitlich hatte er das Gymnasium Gersthofen besucht, eine Eliteschule des Fußballs, mit Trainer Felix Neumeyer.

„Es war bislang eine sehr aufregende und spannende Zeit“, sagt Julia Böhm. „Den Aufwand betreiben wir gerne, weil wir sehen, dass das seine Leidenschaft ist.“ Klar, dass die Familie am Sonntag an der Seitenlinie steht, wenn der Traum des ältesten der drei Kinder wahr wird.

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