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Unterallgäu

17.07.2020

Sparkasse: Negativzinsen rücken näher, Rekordzahlen trotz Corona

Viele Sparkassen in Deutschland sind in der Corona-Krise gut aufgestellt. Doch so langsam verdichten sich die Anzeichen, dass schwierige Zeiten kommen könnten - bei Banken und ihren Kunden.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim präsentiert in ihrem Jahresbericht Rekordzahlen. Was der Bankchef zu möglichen Negativzinsen für Privatkunden sagt.

Das Geldgeschäft der Banken ist seit geraumer Zeit unter Druck. Durch die Corona-Krise und die damit einhergehende weltweite Wirtschaftskrise hat sich die Situation weiter verschärft – die Aktien- und Devisenmärkte spielen zeitweise verrückt. Die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim hat kürzlich ihre Jahresbilanz vorgestellt. Ihr Vorstandsvorsitzender Thomas Munding erklärt, wie sich gerade das Immobiliengeschäft entwickelt und wie viele Kunden in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Negativzinsen auf Geldeinlagen könnten für Privatkunden früher oder später ein Thema werden.

2019 war ein gutes Jahr für die Sparkasse Memmingen

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen für Kreditinstitute war das Geschäftsjahr 2019 für die in der Region vertretene Sparkasse ein gutes. „Wir hatten Vollbeschäftigung und ein gesundes Wirtschaftswachstum“, sagt Munding. Für das Geldhaus mit 679 Mitarbeitern an 69 Standorten wurden in mehreren Bereichen die internen Rekorde gebrochen. So stiegen die Kundeneinlagen im Vergleich zu 2018 um fast 200 Millionen Euro auf 3,6 Milliarden an.

Auch bei den Rückkaufswerten der Lebensversicherungen gab es innerhalb eines Jahres ein sattes Plus um sieben Prozent auf 214 Millionen Euro. Die Betriebliche und Private Altersvorsorge sei als Ergänzung zur Rente wichtiger denn je, um wegen der Inflation im Alter den Lebensstandard zu erhalten, so der Sparkassenchef.

Große Nachfrage an Immobilien: Markt scheint leergekauft

Über 200 Immobilien hat die Bank 2019 an Kunden vermittelt – mit einem Gesamtvolumen von 67 Millionen Euro. Das ist ein Jahreszuwachs von etwa 14 Prozent. Es gab eigentlich noch mehr Nachfrage, aber der regionale Markt ist so gut wie leergekauft. 3600 neue Interessenten hat die Sparkasse Memmingen in ihre Kartei aufgenommen.

Das Bauspargeschäft ist um 7,4 Prozent gesunken, dabei sind hier die heutigen Zinskonditionen bis zu 33 Jahre im Voraus gesichert. „Viele Kunden sehen die niedrigen Zinsen als neue Normalität“, sagt Munding.

Thomas Munding
Bild: MZ-Archiv

Wie schnell sich im übertragenen Sinn der Wind drehen kann, hat der Corona-Shutdown im März dieses Jahres an den Aktienmärkten gezeigt. Hatte der Deutsche Aktienindex am 19. Februar noch seinen Höchststand von 13.789 Zählern erreicht, ist er genau einen Monat später auf 8441 Zähler gefallen. Ein Minus von 38,78 Prozent. Aber Ruhe und Gelassenheit bei Anlegern zahlt sich aus, sagt auch Mundings Stellvertreter Bernd Fischer.

Nach Corona-Talfahrt: Deutscher Leitindex DAX wieder im Aufwind

Seit Mitte März geht es wieder stetig nach oben. Der DAX erreichte zuletzt wieder die Marke von 12.800 Punkten und ist damit wieder ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. „Wir empfehlen weiterhin, in Aktien anzulegen.“ Breit aufgestellte Fonds seien die bessere Wahl als Aktien einzelner Unternehmen – das zeige auch der Fall Wirecard. Noch ein Blick zurück: Die Wertpapierbestände von Kunden der Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim sind von 2018 bis 2019 allein um 21 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro gestiegen. Das deutet auf ein stark gestiegenes Interesse am Aktienmarkt hin.

Doch die Corona-Krise hat Spuren hinterlassen, die wohl erst in einigen Monaten ihre volle Tragweite zeigen. Die derzeit verhältnismäßig geringen Anträge auf Tilgungsaussetzungen bei Krediten könnte als Ruhe vor dem Sturm interpretiert werden. Mit einem Anstieg der Insolvenzen müsse man erst ab dem vierten Quartal rechnen, erklärt Thomas Munding. Nur 108 gewerbliche Kunden und 228 private Kunden haben bei der Sparkasse bisher Zahlungsaufschübe beantragt. Zum Vergleich: Die Memminger Sparkasse hat über 100.000 Privatkunden.

Viele Kreditabschlüsse trotz Corona-Krise

Aktuell ist die Nachfrage nach Wohnbaudarlehen trotz der Corona-Krise sehr groß. Bis vor anderthalb Monaten konnten die Kreditabschlüsse mit Privatkunden um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Einen Haken haben die guten Zahlen jedoch: Viele Immobilienkäufe oder Investitionen wurden bereits vor der Krise in die Wege geleitet.

Der Sparkassenchef sieht die Region Unterallgäu für die Corona-Krise gut gerüstet. „Wir haben eine Wirtschaft, die gerade in krisenfesten Bereichen wie Logistik oder Landwirtschaft und Lebensmittel stark ist.“ Das Allgäu habe zwar ländliche Strukturen, dafür sei es beliebt. „Wir sind eine wachsende Zuzugsregion und wir gehen davon aus, dass das so bleibt.“ Der Erfolg sei jedoch davon abhängig, wie sich die Corona-Krise hierzulande entwickle, auch im Hinblick auf weitere Infektionswellen, so Munding.

Zinspolitik der EZB macht Banken zu schaffen: Wann kommen die Negativzinsen für Privatkunden?

Was sich in absehbarer Zeit höchstwahrscheinlich auch nicht ändert, ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Durch sie gibt es am Geld- und Kapitalmarkt seit über einem Jahr nahezu ausschließlich Negativzinsen. Der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende sagt dazu: „Je länger das so bleibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir das irgendwann an unsere Privatkunden weitergeben müssen.“

Bei umfangreicheren Einlagen von Firmen und Kommunen ist das bereits der Fall. Bisher habe die Sparkasse Memmingen alle Anstrengungen unternommen, um Negativzinsen von den Privatkunden fernzuhalten. Und man werde es auch weiterhin versuchen, verspricht Munding. „Die DNA der Sparkassen besteht darin, Sparen zu fördern, und das soll auch so bleiben.“

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