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Pfaffenhausen

24.09.2019

Von Pfaffenhausen nach München - und das zu Fuß

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3 Bilder
Ziemlich abgekämpft, aber auch ziemlich glücklich hat Helmut Moser sein Ziel erreicht: Nach rund siebzehneinhalb Stunden reiner Gehzeit kam er pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem Olympiahügel in München an.
Bild: Helmut Moser

Plus Die wenigsten legen beim Wandern wohl so lange Strecken zurück wie Helmut Moser aus Pfaffenhausen. Er wanderte 24 Stunden am Stück - mit einem besonderen Ziel.

Eine Alpenüberquerung, ja die würde Helmut Moser aus Pfaffenhausen reizen. Noch aber sind die beiden Töchter mit ihren knapp drei und fünf Jahren dafür zu klein und ihm allein die zwei bis drei Wochen, die er dafür voraussichtlich brauchen würde, ohne die Familie zu lang. Doch plötzlich war da der Gedanke: „Wie weit kann man eigentlich innerhalb von 24 Stunden laufen?“ Als Mann der Tat hat er es einfach ausprobiert.

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Wobei: Einfach losgewandert ist der 35-Jährige nicht. „Laufen ohne Ziel ist blöd“, sagt er schmunzelnd – und hat sich deshalb gleich ein recht ehrgeiziges gesetzt: Oberstdorf, rund 100 Kilometer von Pfaffenhausen entfernt. „100 Kilometer sind eine Marke, das hört sich weit an. Und auf die Berge zuzulaufen, das hab’ ich mir schön vorgestellt.“ Größere Bedenken, die Strecke nicht zu schaffen, hatte er nicht. „Ich hab’ vorher mal ein bisschen im Internet recherchiert. Da findet man viele 100-Kilometer-Märsche. Und dann sollt’s ja eigentlich machbar sein, wenn das andere auch schaffen.“

Die Mittagspausen hat Helmut Moser zuletzt wandernd verbracht

Zumal er ja schon öfter längere Strecken zu Fuß zurückgelegt hat: Wenn er sich am ersten Mai mit Freunden zum Grillen trifft, dann – das hat sich in den vergangenen Jahren irgendwie zur Tradition entwickelt – wandert er dorthin. Heuer ging es 45 Kilometer von Pfaffenhausen nach Ödwang. „Das war ja quasi schon die halbe Strecke“, sagt Helmut Moser, der sich selbst im Übrigen nicht für wahnsinnig sportlich hält. „Ich fahr halt wenn möglich mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Mindelheim.“ Und ja, die Mittagspausen hat er vor der 24-Stunden-Wanderung zu Trainingszwecken auch wandernd verbracht und ist im Alltag möglichst viel gelaufen. „Aber sonst hält sich der Sport in Grenzen“, beteuert er.

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Nach Oberstdorf hat es der Verlagskaufmann, der sonst in der Geschäftsstelle der Mindelheimer Zeitung in Mindelheim anzutreffen ist, zusammen mit seinem Bruder Max, der ihn bei dieser Tour begleitete, trotzdem geschafft. Nach 25 Kilometern schmerzten zwar die Knie, aber das war am Ziel schnell vergessen. „Mir hat’s gefallen: Du läufst auf die Berge zu und siehst, wie sie immer größer werden. Das ist ein kleines Abenteuer vor der Haustür. Man kommt in Gegenden, die gar nicht weit weg sind und die man trotzdem nicht kennt.“

Um 23 Uhr ging er nach nicht einmal drei Stunden Schlaf in Pfaffenhausen los

Und deshalb hat er sich wenig später wieder auf den Weg gemacht, diesmal nach München. Die Strecke hat er am Computer geplant, der Trampelpfade kannte, die vor Ort kaum als solche zu erkennen waren. Die Strecke, die er nachts bewältigen musste, ist er sicherheitshalber zuvor einmal bei Tag abgelaufen, was sich als sehr vorausschauend erwies: Tatsächlich war ein Teil des Weges so zugewuchert, dass er sich eine Alternative suchen musste. Aber dann konnte es losgehen. Nicht irgendwann, sondern in einer Vollmondnacht, die auf einen Samstag fiel. Schließlich wollte Helmut Moser nicht im Dunkeln tappen.

Nach nicht einmal drei Stunden Schlaf machte er sich gegen 23 Uhr in Pfaffenhausen auf den Weg: durch Hausen und Zaisertshofen, weiter nach Schnerzhofen, durch Hiltenfingen, Untermeitingen und Klosterlechfeld. Um fünf Uhr kam er an einen Punkt, an dem die Wanderung auf der Kippe stand: Er war müde, der rechte Schuh nach einer Reparatur kurz vor der Wanderung ganz offensichtlich nicht mehr wasserdicht und spätestens da war klar, dass es ordentlich Blasen an den Füßen geben würde. Doch dann ging in Scheuring die Sonne auf – „und die hat die Lebensenergie geweckt“. Also zwischen Winkl und Pestenacker immer weiter bis nach Hausen bei Geltendorf, dann an Fürstenfeldbruck entlang in den Wald vor Eichenau, wo das Handy mit dem darauf befindlichen Routenplaner plötzlich den Dienst versagte.

Am Ende hatte der Pfaffenhausener sogar noch Kraft für einen Spurt

„Zum Glück hat sich’s dann wieder verfangen“, sagt Helmut Moser, der sich davon nicht aus der Ruhe bringen ließ. „Nach Eichenau hätt’ ich auch so gefunden und im schlimmsten Fall hätt’ ich mich halt in die S-Bahn gehockt.“ Die war durchaus verlockend, als die Füße brannten und ein Blick auf die Uhr zeigte, dass er noch einmal alle Kräfte mobilisieren musste, wenn er wie geplant pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem Olympiaberg stehen wollte. Doch er blieb standhaft und marschierte fleißig weiter.

An Schloss Blutenburg und Schloss Nymphenburg vorbei immer weiter in die Stadt, bis endlich schon der Fernsehturm sichtbar wurde, dann der Olympiaberg und von dort oben dann, genau rechtzeitig, der Sonnenuntergang. „Da hast du wirklich gemeint, du hast einen Berg erklommen, dabei ist das ja nur so ein Hügel. Aber das war ein richtiges Glücksgefühl.“

Zurück ging es dann mit dem Zug, der dank einer verpassten U-Bahn beinahe ohne Helmut Moser gen Pfaffenhausen gezuckelt wäre. Der aber brachte zu seinem eigenen Erstaunen noch die Kraft für einen Endspurt auf – und kam gegen 22 Uhr wieder in Pfaffenhausen an.

„Ich will’s sicherlich wieder mal machen“, sagt er. Ein konkretes Ziel hat er noch nicht im Blick, dafür aber vielleicht demnächst einen neuen Mitwanderer: Die ältere Tochter hat schon angekündigt, dass sie einmal mitlaufen und es auch erleben will, das Abenteuer vor der Haustür.

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