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Türkheim

07.05.2020

Wahl der Bürgermeister-Stellvertreter in Türkheim mit faustdicken Überraschungen

Bürgermeister Christian Kähler (vorne links) vereidigte die neun neuen Türkheimer Gemeinderäte gleich zum Beginn der Sitzung am Donnerstagabend.
Bild: Alf Geiger

Plus Der neu gewählte Gemeinderat bestimmt, wer in den kommenden sechs Jahren welchen Posten übernimmt. Spannung pur bei der Stellvertreter-Wahl.

Wer wird was? Und wer nicht? Am Donnerstagabend stellte der neu gewählte Türkheimer Marktgemeinderat die kommunalpolitischen Weichen für die kommenden sechs Jahre. Nach der Vereidigung der neu im Gremium vertretenen Gemeinderatsmitglieder stand die mit Spannung erwartete Entscheidung an, wer künftig als 2. Bürgermeister und wer als 3. Bürgermeister zu Stellvertretern von Rathauschef Christian Kähler gewählt wurde.

Bislang waren Walter Fritsch (SPD) und Josef Vogel (FW) die Vertreter des Bürgermeisters in Türkheim

Bei der Wahl sollte es dann zu (mindestens) einer faustdicken Überraschung kommen. Die Vertreter der fünf im Gemeinderat vertretenen Fraktionen von CSU, Freien Wählern, Grünen, Sozialdemokraten und Wählervereinigung Türkheim (WVT) nominierten ihre jeweiligen Kandidaten, ehe es zu einer geheimen Wahl kam. Bislang war Walter Fritsch von der SPD 2. Bürgermeister, als 3. Bürgermeister fungierte Josef Vogel von der FW.

Bei der Besetzung des Stellvertreterpostens geht es vor allem um das Ansehen und die öffentliche Wahrnehmung, die so ein Amt automatisch mit sich bringt. Nicht nur durch die Verantwortung, wenn der 2. Bürgermeister Rathauschef Kähler in dessen Urlaubszeit vertritt, sondern auch bei den vielen Auftritten bei Vereinen oder auch bei Jubilarehrungen oder hohen Geburtstagen - ein Bürgermeister ist da immer ein gern gesehener Gast und bekommt so auch die entsprechende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

Und nicht zuletzt werden die Stellvertreter des 1. Bürgermeisters auch finanziell für ihren Aufwand belohnt: Die Entschädigung für den Zweiten Bürgermeister wurde 2014 auf 400 Euro monatlich festgesetzt. Dazu kommt im Vertretungsfalle ab dem vierten Vertretungstag noch eine Vergütung von 55 Euro pro Tag. Die Entschädigung für den Dritten Bürgermeister wurde 2014 auf 400 Euro für ein ganzes Jahr festgesetzt. Diese Beträge wurden seither dynamisiert, das heißt, sie wurden entsprechend der Gehaltssteigerungen geringfügig angepasst und erhöht.

Aufs Geld wird demnach wohl keiner schielen, der sich in die Kommunalpolitik stürzt - Gemeinderäte bekommen in Türkheim derzeit 40 Euro Sitzungsgeld, nur die Fraktionsvorsitzenden bekommen zusätzlich noch eine monatliche Aufwandsentschädigung, die sich mit 20 Euro aber ebenfalls äußerst bescheiden ausnimmt.

Die Türkheimer FW schickt Franz Haugg ins Rennen

Somit gelten Fraktionschefs fast schon automatisch als potenzielle Kandidaten für den Job als Bürgermeister-Stellvertreter. Bislang war Anne Huber bei der CSU Fraktionssprecherin. Bei den Freien Wählern hatte zuletzt Otto Rinninger diesen Posten von Franz Haugg übernommen, der als FW-Ortsvorsitzender eingesprungen war. Rinninger stand diesmal nicht mehr zur Wahl.

In der konstituierenden Sitzung am Donnerstagabend kam es dann zu einer faustdicken Überraschung: bei der Wahl zum 2. Bürgermeister wurden gleich vier Kandidaten vorgeschlagen: Walter Fritsch, der bisherige 2. Bürgermeister (SDP), Anne Huber, Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat, der FW-Ortsvorsitzende und Gemeinderat Franz Haugg und - schon das war eine Überraschung - Peter Ostler von der Wählervereinigung Türkheim, die bei der Wahl am 15. März aus dem Stand vier Mandate holen konnte.

Schon im ersten Wahlgang die nächste Überraschung: CSU-Frontfrau Anne Huber fiel durch und bekam insgesamt nur vier Stimmen. Walter Fritsch konnte mit fünf Stimmen zumindest einen Achtungserfolg verbuchen. Mit jeweils sechs Stimmen lagen Franz Haugg und Peter Ostler dann gleichauf, sodass eine Stichwahl die Entscheidung bringen musste. Am Ende hatte Franz Haugg von den Freien Wählern mit zwölf Stimmen die Nase deutlich vor, Peter Ostler bekam acht Stimmen. Stimmberechtigt waren die 20 Gemeinderäte – darunter neun neue Gesichter – plus Bürgermeister Kähler.

Auch bei der anschließenden Wahl des 3. Bürgermeisters sollte es gleich mehrere Überraschungen geben: Erneut schickte CSU-Ortsvorsitzender Jens Gaiser seine Parteifreundin Anne Huber ins Rennen, doch auch in diesem Wahlgang blieb Anne Huber mit fünf Stimmen weit hinter den Erwartungen. Peter Ostler von der WVT hatte wie Markus Schöffel von der CSU vier Stimmen, die von den Grünen nominierte Gudrun Kissinger-Schneider dagegen acht.

Da eine absolute Mehrheit notwendig ist, kam es auch beim Posten des 3. Bürgermeisters zu einer Kampfabstimmung. Und hier die (vorerst) letzte Überraschung: Gudrun Kissinger-Schneider von den Grünen wurde mit zehn Stimmen zur 3. Bürgermeisterin gewählt, Anne Huber von der CSU unterlag auch mit nur acht Stimmen. Drei Gemeinderäte hatten ihre Stimmzettel ungültig abgegeben.

Lesen Sie dazu auch:Marktgemeinderat Türkheim: Wer wird was? Und wer nicht?


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