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Radioaktivität

12.05.2011

Wenn Brennholz mehr als Wärme liefert

Brennholz gilt als umweltfreundlicher Heizstoff. Kommt das Holz aber aus der Ukraine oder Weißrussland, könnte es leicht radioaktiv belastet sein, sagt das Landesamt für Umwelt. Eine Gefahr für die Gesundheit sei aber nicht gegeben.
Bild: Foto: Becker/dpa

In der Region Mindelheim wird Holz aus der Ukraine verkauft, das womöglich leicht strahlenbelastet ist.

Wer Brennholz zum Heizen in den Ofen schiebt, setzt auf einen umweltfreundlichen Energieträger aus der Region. Das zumindest dachten viele bislang. Im Vorjahr allerdings sind größere Mengen bestes Brennholz auch aus Osteuropa auf den südbayerischen Markt gelangt. Händler haben nach MZ-Informationen lastwagenweise günstiges Brennholz aus der Ukraine und Weißrussland aufgekauft und ins Schwäbische gefahren. In der Nähe von Mindelheim wird solcher Brennstoff seit Monaten verkauft.

Erst dieser Tage hatte sich der Atomunfall von Tschernobyl zum 25. Mal gejährt. Ende April 1986 waren bei dem GAU (größter anzunehmender Unfall) ganze Landstriche durch eine radioaktive Wolke befallen worden inclusive der Wälder. Geht von dem Brennholz aus der Ukraine Gefahr für die Gesundheit aus?

In den Jahren 1993 und 1994 wurden Holzproben untersucht

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Das Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg gibt Entwarnung. Sprecherin Sandra Brandt sagt, es gebe eine Übereinkunft zwischen den Staaten, dass Holz nicht mehr als mit 3700 Becquerel je Kilogramm belastet sein dürfe.

1993 hatte die Universität Göttingen 143 Proben gezogen. Der Gehalt an Cäsium 137 habe im Schnitt zwischen 4,5 und 70 Becquerel gelegen. 1994 untersuchte das LfU 50 Holzlieferungen aus Osteuropa. Hier lagen die Werte ähnlich wie in Göttingen, sagt Brandt. Grundsätzlich sei derjenige für die einwandfreie Qualität einer Ware verantwortlich, der sie in Umlauf bringt.

Aus dem Ofen über den Kamin ins Gemüsebeet

Eine lückenlose Kontrolle gibt es allerdings nicht, allenfalls Zertifikate aus den Ursprungsländern wie sie etwa bei Pilzen üblich sind. Das sagt Christina Hacker, Vorstand beim unabhängigen Umweltinstitut in München und Expertin in Radioaktivität. Es komme im Übrigen sehr darauf an, wo das Holz geschlagen wurde. Einige Landstriche seien deutlich stärker belastet worden als andere. „Man müsste also jede Charge untersuchen.“

Bäume in stark belasteten Gebieten nehmen über die Wurzeln radioaktives Material auf und lagern es in den Jahresringen ein, sagt Hacker. Je später Holz also eingeschlagen wird, desto höher könne es belastet sein. Beim Verbrennen dieses Holzes geht ein Teil des strahlenbelasteten Materials über den Kamin an die Umwelt und könne sich dann im eigenen Garten auf dem Gemüsebeet niederschlagen. Ein anderer Teil verteilt sich im Haus. Auch in der Asche dürfte sich verstrahltes Material ansammeln.

Viel hänge auch davon ab, wie man mit der Asche umgeht. Wer sie in den Garten hinausträgt und dort ausleert, konzentriert Cäsium im eigenen Garten, sagt die Expertin. Wer also auf Nummer sicher gehen will, dem bleibt nur der Weg, das Holz auf Strahlenbelastung hin selbst untersuchen zu lassen. Beim Umweltinstitut in München schlägt das mit 200 Euro zu Buche. Dazu gibt es dann auch ein Gutachten. Einzelne Privatleute hätten dies bereits getan. Freilich ist dann der Preisvorteil gegenüber heimischem Brennholz wohl dahin.

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