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Infrastruktur

23.05.2019

77-Tonner beschädigt marode Gänstorbrücke

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Ein Schwertransport überfährt das Bauwerk verbotenerweise – und viel zu schnell. Die Sperrung wird verschärft, die Ulmer Brücke muss vielleicht früher abgerissen werden

Ein Schwertransporter hat auf dem Weg nach Neu-Ulm verbotenerweise eine Abkürzung durch Ulm und über die marode Gänstorbrücke genommen. Die Folge: Das Bauwerk, das seit fast einem Jahr aus Sicherheitsgründen halbseitig und für bestimmte Fahrzeuge komplett gesperrt ist, ist noch schwerer beschädigt als zuvor. Die genauen Folgen sollen nach einer Begutachtung am kommenden Montagabend feststehen. Die Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm darf zudem bald nur noch von Fahrzeugen befahren werden, die weniger als 24 Tonnen wiegen. „Wir nehmen an, dass die Brücke diese Belastung noch für längere Zeit übersteht“, sagt Roswitha Schömig, die bei der Stadt Ulm für die Brücken verantwortlich ist.

Bislang ist die Brücke über die Donau für alle Fahrzeuge mit mehr als 40 Tonnen Gewicht gesperrt. Der Schwertransport samt Begleitfahrzeug ignorierte das. Eigentlich hätte die Kolonne über A8, A7 und B10 nach Neu-Ulm fahren müssen. Die Routen sind in solchen Fällen genau festgelegt. Doch der Fahrer nahm einen anderen Weg. Den Vorwurf, der Mann habe die Abkürzung durchs Stadtgebiet absichtlich genommen, habe das Unternehmen zurückgewiesen, berichtet Schömig. Die Begründung: Der Mann sei Ausländer und habe sich nicht ausgekannt, eine Absprache mit dem Fahrer des Begleitfahrzeugs sei nicht möglich gewesen, weil beide keine gemeinsame Sprache gesprochen hätten. Also hätten sie sich aufs Navigationssystem verlassen.

Laut Bußgeldkatalog muss der Mann am Steuer des Lastwagens für die Ordnungswidrigkeit 20 Euro bezahlen. Die Kosten durch den Schaden sind ungleich höher. Die Stadt Ulm gibt allein für Prüfungen und Berechnungen Tausende Euro aus, wie Roswitha Schömig sagt. Falls die Brücke früher abgerissen werden muss als geplant, wären die Probleme für die beiden Städte immens. Das Risiko besteht, wie erste Berechnungen der beauftragten Ingenieure ergeben haben: „Wenn noch mehr solche Fahrzeuge darüber fahren, ist es aus“, urteilt Schömig.

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Die in der Brücke eingebaute Monitoring-Anlage hatte den Vorfall registriert, den Ausschlag auf der Skala bezeichnet Schömig als „sehr, sehr heftig“. Der Spannstahl, der die Gänstorbrücke trägt, ist verformt worden. Dadurch hält das Bauwerk weniger Gewicht aus als zuvor. Falls die Risse im Beton größer geworden sein sollten, wäre die Tragkraft noch einmal niedriger. Bei einer Kontrolle am späten Montagabend soll das geprüft werden. Der Test dürfte ab etwa 21 Uhr Behinderungen im Verkehr verursachen, es gibt Sperrungen und Umleitungen. Die Stadt prüft nicht nur die Folgen für die Brücke, sondern auch rechtliche Schritte.

Eine Überwachungskamera hat die Stadt auf die Spur des Verursachers gebracht. Die Bilder zeigen, wie der Schwertransport und sein Begleitfahrzeug die Gänstorbrücke am Freitag, 17. Mai, um 22.48 Uhr überqueren. Die Systeme, die die Stadt eingebaut hat, haben noch mehr registriert: Der Lastwagen war deutlich zu schnell. Schwertransporte dürfen Roswitha Schömig zufolge auf Brücken lediglich Schrittgeschwindigkeit fahren.

Die Kamera hatte die Stadt im März aufstellen lassen. Denn im Dezember hatte schon einmal ein Schwertransport die Donau dort verbotswidrig überquert. Der Verantwortliche von damals ist bis heute nicht gefunden.

Sobald die nötigen Umleitungen ausgeschildert sind, soll auf der Gänstorbrücke ein Verbot für alle Fahrzeuge mit mehr als 24 Tonnen Gewicht gelten. Stadtbusse dürften sie noch überqueren, Betonmischer müssten bereits einen Umweg nehmen. Doch wie lässt sich sicherstellen, dass niemand diese strengere Vorgabe bricht? „Das ist die große Frage“, sagt Roswitha Schömig. Die Stadt Ulm will auch auf die Polizei zugehen und hofft, dass die Beamten nachts an der Brücke Stichpunktkontrollen vornehmen.

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