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Mängel

21.11.2012

Auf der Spur der Steine

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Die Baufirma kontert: Portugiesischer Granit sei durchaus widerstandsfähig.

Stadt will Arbeiten in der Memminger Straße nicht abnehmen. Streit könnte vor Gericht gehen

Weißenhorn Sie verwittern, brechen und verfärben sich, sobald es regnet: Mit mehreren Pflastersteinen in der Memminger Straße ist Bürgermeister Wolfgang Fendt ganz und gar nicht zufrieden. Die Stadt werde die Arbeiten deshalb nicht abnehmen, die Zahlungen an die ausführenden Firmen seien eingestellt worden. „So ist die Leistung nicht in Ordnung“, machte Fendt in einer Sitzung des Stadtrates deutlich. Der aus Portugal stammende Granit sei für die Belastungen in der Fuggerstadt wohl nicht geeignet. Zu Beginn der Sitzung ließ Fendt eine Erklärung verteilen, die den Stein des Anstoßes in deutlichen Worten schildert: Das ausführende Unternehmen habe die Mängel am Pflaster weder begründen noch beheben können. Daraufhin habe die Stadt insgesamt sieben Steine, fünf Pflastersteine und zwei Gehwegplatten von einem Institut prüfen lassen. Das Ergebnis deute darauf hin, dass ein großer Teil des portugiesischen Materials weder den vom städtischen Bauamt in der Ausschreibung formulierten Anforderungen noch den Vorschriften des Deutschen Instituts für Normung (DIN) entspreche. Das sieht man aufseiten des Auftragnehmers, der Firma Leitenmaier aus Ziemetshausen (Kreis Günzburg), jedoch anders: „Die meisten Steine der Probe erfüllen die Vorgaben“, sagte Geschäftsführer Manfred Müller gestern auf Nachfrage.

Belag soll im großen Stil beleuchtet werden

Aus Sicht von Bürgermeister Fendt geben des Weiteren die zu großen Fugen zwischen den Steinen und mehrere unebene Stellen in der Straße Anlass zur Kritik. Jetzt soll ein Gutachter das Pflaster im großen Stil untersuchen. Sollten sich die Ergebnisse der Stichprobe bestätigen, müsste das Pflaster wohl neu verlegt werden. „Wir hoffen, dass mit den betroffenen Baufirmen (der Auftragnehmer und ein Subunternehmer, d. Red.) eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann“, heißt es in dem Schreiben der Stadt. Eine juristische Auseinandersetzung wird aber nicht ausgeschlossen.

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Ratsmitglied Werner Weiss (WÜW) wollte wissen, ob die Bauaufsicht die Mängel nicht schon während der Arbeiten hätte feststellen können. Bürgermeister Fendt antwortete, man habe dem zuständigen Büro bereits mitgeteilt, dass etwa die zu großen Fugen schon „mit dem bloßen Auge“ zu erkennen sein müssten. Restaurator Johannes Amann (WÜW) vermutete „Probleme mit den Lieferungen“ als Ursache. Es sei ihm nicht klar, wie aus einem Bruch gleichzeitig gute Steine und solche mit zu hoher Wasseraufnahme kommen könnten. Er mutmaßte: „Wir sind hereingelegt worden.“ Thomas Schulz (SPD) hielt es für sinnlos, „Gutachten hin- und herzuschieben“. Um ein „gerichtliches Beweissicherungsverfahren“ werde man nicht herumkommen. Dieses muss von der Stadt beantragt und von einem Gericht angeordnet werden.

Auch andere Kommunen in der Region sehen sich derzeit auf einem heißen Pflaster. In der Maximilianstraße in Augsburg sorgten im Sommer dunkle Flecken im neuen Belag für Ärger: Ein Gutachten stellte schließlich Mängel auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern der Prachtmeile fest. Es seien Natursteine, ebenfalls portugiesischer Granit, in unterschiedlicher Qualität verlegt worden, von derselben Firma wie in Weißenhorn. Der Betrieb besserte nach und tauschte mehrere Steine aus. Auch in der Gemeinde Dettingen (Kreis Biberach) erhitzt ein Pflaster die Gemüter. Es gebe Befürchtungen, der Straßenbelag könnte sich absenken, erklärte Bürgermeister Alois Ruf.

Der Laie steht ratlos daneben: „Das geht jetzt hin und her“

Die Gemeinde hat einen Gutachter eingeschaltet. Sobald ein Ergebnis vorliegt, will man sich mit der Baufirma zusammensetzen. Die Verunsicherung ist offenbar groß, denn zum Pflaster gibt es mehrere Meinungen: „Das geht hin und her. Als Laie steht man hilflos daneben“, so Ruf. Am Ende werde wohl ein Vergleich geschlossen, vermutet der Bürgermeister. „Das ist bei solchen Dingen ja meistens so.“

In Weißenhorn hatte der Gutachter Josef Nefele aus Fürstenfeldbruck das Pflaster untersucht. Seine Studie liegt vor, soll aber nicht veröffentlicht werden. Stadtbaumeister Burkhard Günther verwies gestern auf das laufende Verfahren: „Wir wollen keine Anfeindungen gegenüber der Firma schüren.“ Nefele habe die Auffassung der Stadt zu den Mängeln jedoch untermauert – und davon abgeraten, den Bau abzunehmen. Bürgermeister Fendt äußerte am Dienstag Verständnis für die beiden Firmen, in Steine könne man nicht hineinschauen. Jedoch wolle man „das Problem im Sinne der Stadt“ lösen. Gemeinsam mit den Firmen soll nun ein Gutachter gefunden werden, der etwaige Schäden feststellt. Schlimmstenfalls könnten diese in die Hunderttausende gehen, hieß es.

Manfred Müller, der Geschäftsführer der Baufirma Leitenmaier, weist die Vorwürfe zur Belastbarkeit des Pflasters zurück: Vier der fünf untersuchten Steine erfüllten in Sachen Druckfestigkeit die Anforderungen der städtischen Ausschreibung. Die Stichprobe sei nur an einer Stelle aus der Straße entnommen worden, der Test „nicht repräsentativ“. Eine großflächige Untersuchung sei notwendig. Eignet sich der portugiesische Granit fürs hiesige Klima? Ja, sagt Müller: „Die Steine trocknen unterschiedlich schnell, das liegt in der Natur des Materials.“ Verwitterte Steine würden im Zuge der Gewährleistungsfrist vier Jahre lang ausgetauscht. Aus Müllers Sicht ein ausreichend langer Zeitraum: „Nach zwei bis drei Jahren ist der Verwitterungsprozess abgeschlossen.“

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