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Neu-Ulm

29.08.2014

Beim Pilzesammeln ist in diesem Jahr alles anders

Pilzexperte Manfred Enderle gibt Ratschläge fürs Sammeln.
Bild: Anika Taiber

Pilzesammler erleben zurzeit paradiesische Zustände. Ein Experte gibt Tipps - und warnt vor gefährlichem Leichtsinn.

„Hier ist der Teufel los. So etwas habe ich in 40 Jahren noch nicht erlebt“, sagt Manfred Enderle. Seit Wochen klingeln bei ihm Pilzesammler aus Nah und Fern und wollen von dem 67-Jährigen wissen, ob sie diesen oder jenen Pilz essen dürfen oder wo denn die besten Plätze für die Schwammerlsuche sind.

„Normalerweise beginnt die Hauptsaison erst im September. Doch dieses Jahr ist alles anders“, sagt Enderle. Seit Wochen machen die Pilze der ihnen gewidmeten Redewendung alle Ehre und sprießen wie wild aus den Böden. In einer Vielzahl und einem Artenreichtum, wie es selbst den Pilzexperten Enderle überrascht.

Der milde Winter und der feucht-warme Frühsommer haben dafür gesorgt, dass die Pilze dieses Jahr besonders gut auf den hiesigen Wiesen und Waldböden wachsen können. Ein Spaziergang mit Manfred Enderle beweist das.

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Ein Pilz ist besonders radioaktiv verstrahlt

Ein kleines Waldstück im nördlichen Landkreis Neu-Ulm. Wo genau es liegt, will Enderle nicht in der Zeitung lesen. „Sonst rufen mich wieder die verärgerten Pilzsammler an und beschweren sich, dass ich ihr Revier verraten habe“, erklärt er schmunzelnd. Der bei Leipheim wohnende, pensionierte Dolmetscher parkt sein Auto am Straßenrand und geht einige Meter in den Wald hinein. Es dauert keine zwei Minuten, da tönt es: „Ah, wunderbar. Da geht einem ja das Herz auf.“

Enderle steht inmitten einer Ansammlung von Maronenröhrlingen. Normalerweise seien die so nah am Wegesrand sofort „vergriffen“ – obwohl die Braunkappen, so werden sie auch genannt, laut einer Stichproben-Untersuchung im vergangenen Jahr die noch am meisten radioaktiv verstrahlten Speisepilze in der Region sind. Die Belastung sei nach Meinung der Experten jedoch unbedenklich.

Enderle reißt ein paar mittelgroße Exemplare aus der Erde, die großen lässt er stehen, damit sie weiter aussporen und damit für Nachwuchs sorgen können. Knapp zehn Minuten später ist Enderles Korb voll mit unterschiedlichsten essbaren Pilzen. Darunter auch ein Ocker-Täubling, den er gerne als „FDP-Pilz“ bezeichnet. „Er ist gelb, brüchig und schmeckt leicht scharf. In einem Mischgericht sollten nicht mehr als fünf Prozent von ihm sein“, sagt er.

Experte rät dazu, viele Arten kennenzulernen

Der allseits begehrte Steinpilz zählt nicht zur Ausbeute des kurzen Spaziergangs. Für Enderle ist das nicht schlimm. Im Gegenteil: Er empfiehlt auch anderen Pilzliebhabern, sich in den kommenden Jahren besser umzuorientieren. „Steinpilze wachsen am besten in jungen Fichtenwäldern, von denen es aber immer weniger gibt. Daher ist es ratsam, sich weiterzubilden und auch andere Pilzarten kennenzulernen, die ebenfalls sehr genießbar sind.“ Von denen gebe es allein im Raum Ulm über 200 verschiedene. Das zeige sich in diesem Jahr besonders gut.

Ganz uneigennützig ist dieser Appell nicht. Denn Enderle veranstaltet regelmäßig Führungen durch die Wälder der Region, in denen er die Teilnehmer mit allerlei Wissenswertem rund um die Pilze versorgt. Der Andrang sei jedes Jahr wieder groß: „Sie glauben ja gar nicht, wie viele Menschen sich für Pilze interessieren.“

Beim Sammeln ist Vorsicht geboten

Er selbst weiß das nur zu genau. Seit Jahren gilt er als der Ansprechpartner in Sachen Pilzen in der Region und weit darüber hinaus. Aus ganz Bayern rufen Menschen bei ihm an, die von Ärzten an ihn verwiesen wurden, um zu klären, ob es sich bei einer plötzlichen Erkrankung um eine Pilzvergiftung handelt. Und wenn ja, um welche. Im vergangenen Jahr habe er mit 15 Vergiftungen zu tun gehabt.

„Dieses Jahr werden es wahrscheinlich doppelt so viele sein, weil es so viele Pilze gibt“, befürchtet Enderle. Prinzipiell könne er jedoch keinen übertriebenen Leichtsinn bei Pilzsammlern erkennen: „Die Leute sind eher vorsichtig. Das ist aber auch gut so.“

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