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Landkreis Neu-Ulm

20.03.2020

Coronavirus: Langes Warten, schneller Test

Wenn man drankommt, geht alles sehr schnell: Am Freitagnachmittag wurden 150 Menschen im Sendener Feuerwehrhaus darauf getestet, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben oder nicht.
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Wenn man drankommt, geht alles sehr schnell: Am Freitagnachmittag wurden 150 Menschen im Sendener Feuerwehrhaus darauf getestet, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben oder nicht.
Bild: Alexander Kaya

Plus In einer bisher einmaligen Aktion werden in Senden 150 Menschen geprüft. Im Kreis sind jetzt deutlkich mehr Personen infiziert

Die meisten sehen nicht gut aus. Ob das wegen einer Infektion mit dem Coronavirus, einer normalen Erkältung oder wegen purer Sorgen so ist, lässt sich durch die Fahrzeugfenster nicht feststellen. Eine lange Blechschlange steht an diesem Freitagnachmittag vor dem Sendener Feuerwehrhaus.

In jedem Wagen sitzen Menschen, die sich testen lassen wollen: Haben sie sich mit dem Coronavirus angesteckt oder nicht? Diszipliniert warten sie, bis zwei Feuerwehrleute wieder die weiß-rote Absperrung öffnen und die nächsten Fahrzeuge zum Gerätehaus rollen können. Dort warten Menschen mit blauer Schutzkleidung, grüner Haube, Mundschutz und Handschuhen. Einer prüft, ob die Wageninsassen registriert sind. Wer eine spezielle Nummer vom Arzt bekommen hat, wird auf der Liste abgehakt und kann dann dorthin rollen, wo ein Mediziner ihm ein Stäbchen in den Mund steckt und einen Abstrich vornimmt. Das Ergebnis wird allerdings noch einige Tage auf sich warten lassen, denn die Labore arbeiten am Anschlag, um all die Coronavirus-Proben abarbeiten zu können.

Lesen Sie dazu: Jetzt kommt der Drive-in-Coronatest im Landkreis Neu-Ulm

Das gab es noch nie im Landkreis Neu-Ulm: Eine Drive-in-Teststelle, in der festgestellt wird, ob sich Menschen mit einem gefährlichen Erreger infiziert haben oder nicht. Am Dienstag hatte die federführende Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) im Landratsamt angefragt, ob so etwas möglich sei – und das war es eigentlich schon am nächsten Tag. Dennoch wurde es Freitag, bis die Mediziner mit den Stäbchen anrückten. Zeitgleich entstanden auch auf der anderen Donauseite solche mobilen Testzentren. In Ulm und in Ehingen wurden am Freitag ebenfalls Stäbchen durch Autofenster gesteckt.

Coronavirus: Langes Warten, schneller Test

Nach den Worten von Kreisbrandrat Bernhard Schmid ließen sich am Freitag zwischen 14 und 18 Uhr 150 angemeldete Menschen prüfen. Sie stammten alle aus dem Landkreis Neu-Ulm. Es laufe sehr diszipliniert ab, sagte Schmid am Nachmittag, nur einmal habe es an der Zugangskontrolle „Diskussionen“ gegeben. Am Freitagabend war die Drive-in-Aktion auch schon wieder beendet. Ob es in den nächsten Tagen ebenfalls Kontrollen im Landkreis geben wird, konnten weder der Kreisbrandrat noch Landrat Thorsten Freudenberger sagen. Das liege allein im Ermessen der KVB. Allerdings sind in ihrem Auftrag weiterhin Ärzte unterwegs, die Infektionsverdachtsfälle zu Hause prüfen. Sie werden vom Fahrdienst des Roten Kreuzes transportiert, der gerade seine Kapazitäten nochmals aufgestockt hat. Da dies ein sehr zeitaufwendiges Verfahren ist, um Menschen zu testen, werden von der KVB bei Bedarf die Schnelltestcenter eingerichtet.

Zahl der Infizierten mit Coronavirus steigt

Unterdessen steigt im Landkreis Neu-Ulm die Zahl der Infizierten weiter an, diesmal deutlicher als in den Tagen zuvor. Am Freitag wurden 34 Fälle gezählt, das sind 13 mehr als noch am Donnerstag.

Bekanntlich hat das Land Bayern am Freitag Ausgangsbeschränkungen erlassen. Landrat Freudenberger begrüßt sie ausdrücklich, denn wie er aus dem Krisenstab im Landratsamt weiß, musste die Polizei immer wieder größere Treffen von jungen aber auch von älteren Menschen auflösen, die ganz klar gegen das Abstandsgebot verstießen. Die jetzt verhängten Maßnahmen seien absolut richtig.

Noerenberg begrüßt Ausgangsbeschränkung entschieden

Auch der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg hat sich wegen der Ausgangsbeschränkung zu Wort gemeldet. Die begrüßt er „ganz entschieden“. Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass es leider trotz der vielfältigen Appelle, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, noch immer viel zu viele Uneinsichtige und Unvernünftige gebe. Die Ausgangsbeschränkungen setzten nun klare Regeln darüber, was in den kommenden beiden Wochen noch erlaubt sei, und was nicht. Sein Appell: „In diesen schwierigen und anspruchsvollen Zeiten müssen wir solidarisch sein.“

Info Wer unter Symptomen wie Fieber, Muskelschmerzen, Husten Schnupfen oder Durchfall leidet und sich in den letzten 14 Tagen in einem der Coronavirus-Risikogebiete aufgehalten hat, sollte sich beim Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 melden.

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