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02.07.2010

"Es geht um die Freiheit"

Ihr liegt vor allem der Schutz der Kinder und Jugendlichen am Herzen: Rauchgegnerin Gabriela Schimmer-Göresz.
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Ihr liegt vor allem der Schutz der Kinder und Jugendlichen am Herzen: Rauchgegnerin Gabriela Schimmer-Göresz.

Landkreis Jens Hagg wird sein Kreuzchen am Sonntag bei "Nein" machen. Wo auch sonst? Denn in seinem Pub, dem Fiddler's Green in Pfaffenhofen, funktioniert dank des gelockerten Rauchverbots alles bestens: Die Nichtraucher tummeln sich im rauchfreien Hauptraum, die Raucher nebenan im Raucherzimmer. "Und alle kommen bestens miteinander aus, keiner fühlt sich von den anderen gestört." Eine erneute Verschärfung des Rauchverbots hält Hagg deshalb nicht für erforderlich. Zumal die ihm einige Probleme bescheren könnte: Der Pub liegt mitten im Wohngebiet. "Wenn die Leute spät abends zum Rauchen rausgehen, bekommen wir Ärger mit den Anwohnern wegen des Lärms." Nach 23 Uhr müsse man zusätzlich ein Auge darauf haben, dass die Gäste ihre Getränke nicht mit nach draußen nehmen. Das ist um diese Uhrzeit nicht mehr erlaubt.

Ralf Benischka vom Café Fortschritt in Neu-Ulm sagt ebenfalls Nein zum absoluten Rauchverbot. "Weil ich als Gastronom davon lebe und um meine Existenz kämpfe." 85 Prozent seiner Gäste seien starke Raucher, die ein strenges Verbot vergraulen würde. Wie vor zweieinhalb Jahren, als die Raucher nach Ulm abwanderten und der Umsatz um 30 bis 40 Prozent zurückging. "Diese Gefahr besteht eben in Grenzregionen." Wünschenswert wäre deshalb eine bundeseinheitliche Regelung - vielleicht auch ganz ohne Rauch. Denn eigentlich würde Benischka als Nichtraucher gerne darauf verzichten. "Ich leide ja auch darunter und versuche mich dem Rauch zu entziehen, indem ich nur noch tagsüber arbeite."

Ute Ünal, die Wirtin im Vöhlin in Illertissen hat bereits per Briefwahl mit Nein gestimmt. In einer Bierkneipe wollen die Leute schließlich auch rauchen. Und viele ihrer Stammgäste hätten es ihr schon gleichgetan, erzählt sie. Egal ob sie Raucher sind oder nicht. "Denn wenn ein Stammtisch ständig auseinandergerissen wird, weil die einen zum Rauchen rausgehen, kommt einfach keine gute Stimmung auf."

Die Inhaber des Café d´Art in Neu-Ulm, Benjamin Ree und Stefano Treccosti, dürfen nicht wählen, weil sie in Ulm wohnen. Überlegen müssten sie trotzdem nicht lange - sie würden sofort "Nein" ankreuzen. In dem Café gibt es zwar mittlerweile einen abgetrennten Raucherraum im ersten Stock - für den die beiden 25 000 Euro investiert haben. "Bei uns dürfte man also auch weiterhin rauchen, selbst wenn der Volksentscheid erfolgreich ist", sagt Ree. "Aber es geht ja um die Freiheit, selbst zu entscheiden, was man tun will", fügt Treccosti hinzu. Die möchte er auch künftig nicht missen.

Johann Britsch, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, wäre als Chef des Landgasthofs Hirsch in Finningen nicht von einer Verschärfung des Rauchverbots betroffen - bei ihm wird ohnehin nicht geraucht. Dennoch würde er an der aktuellen Situation nicht rütteln. Es sollte schließlich auch weiterhin Eckkneipen geben, wo die Leute zum Bier ihre Zigarette rauchen können. "Die Gäste sind mündig genug, um selbst zu entscheiden, wo sie hingehen und wo nicht."

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