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26.05.2011

Evobus-Affäre:Bewährung für Mittäter

Das letzte Kapitel im Untreueverfahren

Neu-Ulm/Augsburg Für die Justiz endete gestern vor dem Landgericht in Augsburg das Schlusskapitel im Millionenbetrug beim Bushersteller EvoBus. Als letzten von drei Angeklagten verurteilte die 10.Strafkammer Thomas R., einen früheren Speditionskaufmann aus Ulm, zu zwei Jahren Haft, schuldig der Beihilfe zur Untreue in 28 Fällen.

Mitte April hatte das Gericht Stefan I., den früheren Leiter der Frachtlogistik im Neu-Ulmer Werk, zu vier Jahren Haft verurteilt und Peter B., einen Spediteur, zu zwei Jahren und neun Monaten. Anders, als diese muss der 43 Jahre alte Familienvater jetzt nicht ins Gefängnis, da seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt ist. Er muss außerdem in einer gemeinnützigen Ulmer Einrichtung im Laufe eines Jahres 240 Stunden unendgeldlich arbeiten sowie 140000 Euro als Geldauflage dem geschädigten Unternehmen zahlen.

Im Vergleich zu den mittels Scheinaufträgen ergaunerten 1,7 Millionen Euro sind das allerdings die sprichwörtlichen „Peanuts“. Dass die Summe tatsächlich so hoch liegt wurde erst am letzten Prozesstag bekannt. Angeklagt war nur ein Schaden von 644000 Euro. Für die vor 2004 liegenden Taten konnte niemand mehr strafrechtlich belangt werden, sie sind verjährt.

Evobus-Affäre:Bewährung für Mittäter

Thomas R., der wie die Mitangeklagten geständig war, stimmte im Prozess einer Regelung zu, wonach er dem Bushersteller einen Anspruch auf Rückzahlung von 1,2 Millionen Euro einräumt, der zivilrechtlich erst nach 30 Jahren erlischt. Bei EvoBus gibt man sich, wie eine am Prozess teilnehmende Juristen zu erkennen gab, keinerlei Illusionen hin, jemals viel von dem Geld wieder zusehen. Allein die entgangenen Zinsen machen jährlich einen Betrag von 60000 Euro aus. Und Thomas R. verdient gegenwärtig nur 800 Euro und damit unterhalb der Pfändungsgrenze. Angestellt ist er bei seiner Ehefrau.

Der geschädigte Bushersteller musste sich vom Verteidiger des Angeklagten, Heiko Weber, den Vorwurf anhören, es den Tätern sehr leicht gemacht zu haben. Schon 2004 war ein erster Verdacht aufgetaucht, hatte die Finanzabteilung ausgerechnet beim Leiter der Frachtlogistik – dem Täter – angefragt, was es mit den von ihm bestellten Transporten auf sich habe. Die Antwort des heute 39-Jährigen Stefan I. muss überzeugend gewesen sein, denn weitere Nachforschungen unterblieben. Und so bezahlte EvoBus weiter jährlich rund 100000 Euro an eine Münchner Briefkastenfirma, deren Gesellschafter ihr leitender Mitarbeiter und der gestern verurteilte Thomas B. waren. Anwalt Weber: Ein Blick in die Gesellschafterliste hätte genügt, um herauszufinden, wer sich hinter der „Connect Consulting GmbH“ verbarg. Stefan I. war es, der sich 2009 der Polizei stellte. Er war erpresst worden.

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