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Ulm/Neu-Ulm

19.02.2020

Gänstorbrücke: Ab Freitag ist die Schranke zu

Noch ist die Schranke offen, aber ab Freitag soll die Schleuse auf der Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm in Betrieb genommen werden. Dann sollen Lastwagen nicht mehr drüberfahren können.

Plus Eine Schleuse soll verhindern, dass Lastwagen das marode Bauwerk noch weiter ramponieren. Wie der geplante Neubau über die Donau einmal aussehen könnte.

Sämtliche Verbotsschilder konnten es nicht verhindern: Immer wieder sind in den vergangenen Monaten schwere Lastwagen über die Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm gebrettert und haben das ohnehin marode Bauwerk noch mehr in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Höhenbegrenzung von 3,20 Meter hielt manche Lkw-Fahrer nicht von der verbotenen Überfahrt ab. Erst vor wenigen Tagen prallte ein Sattelzug nachts dagegen. Jetzt unternehmen die Städte den nächsten Versuch, die Brücke über die Donau zu schützen – mit einer Schleuse.

Spur für Autofahrer auf der Gänstorbrücke ist verlegt worden

Dazu wurde in dieser Woche die Spur für Autofahrer verlegt. Diese fahren jetzt in der Mitte auf die Brücke, dann werden sie nach rechts auf die bisherige Fahrbahn gelenkt. Damit keine Laster durchkommen, haben Mitarbeiter der Stadt die Fahrbahnbreite mit Betonsperren auf 2,10 Meter verringert. Die äußere Auffahrt wird auf jeder Seite der Brücke mit einer Schranke verrammelt. Dort dürfen dann nur noch Linienbusse, Feuerwehrautos sowie Rettungs- und Notarztwagen durchfahren.

So stellt die Stadt sicher, dass Busse und Einsatzfahrzeuge drüber fahren können

Noch sind die Schranken aber nicht geschlossen. Am Donnerstag würden noch Kontaktschleifen in die Fahrbahn eingefräst, erläuterte Roswitha Schömig, Sachgebietsleiterin Ingenieurbauwerke bei der Stadt Ulm. Dann gebe es mehrere Testläufe. „Wenn die erfolgreich sind, gehen wir davon aus, dass wir die Schleuse am Freitag in Betrieb nehmen können.“ Wenn Busse sich der Schranke nähern, soll diese sich über ein Funksignal automatisch öffnen – ähnlich wie bei der Vorrangschaltung von Ampeln. Teilweise sollen Fahrzeuge, die eine Berechtigung zum Durchfahren haben, mit Handsendern ausgestattet werden, vergleichbar mit den Geräten zum Öffnen von Tiefgaragentoren. Außerdem werde es eine automatische Fahrzeugerkennung geben, etwa für Einsatzfahrzeuge, sagte Schömig. Notfalls lässt sich die Schranke auch mit einem Schlüssel auf- und zusperren.

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Die technische Ausstattung zur Absicherung hat etwa 250 000 Euro gekostet

Um die Brücke vor weiteren Schäden zu bewahren, haben die Städte Ulm und Neu-Ulm schon einiges investiert. Roswitha Schömig schätzt, dass die technische Ausstattung etwa 250000 Euro gekostet hat. Dazu gehört eine Monitoring-Anlage, die mithilfe von Sensoren ständig überwacht, ob an dem Bauwerk weitere Schäden auftreten. Sollte es etwa zu Verformungen in der Konstruktion kommen, würden Notfallampeln sofort auf Rot springen und auf LED-Schildern würde angezeigt: „Brücke gesperrt.“ Die Ingenieure der Stadt müssten dann neue Berechnungen anstellen, um zu entscheiden, auf welchen Spuren wie viele Fahrzeuge noch drüberfahren dürfen. Seit die Anlage errichtet wurde, habe es diesen Fall noch nicht gegeben, sagte Schömig.

Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen dürfen nicht mehr auf die Brücke

Einschränkungen für Autos gibt es bislang nicht. Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen dürfen die Gänstorbrücke seit August vorigen Jahres nicht mehr befahren. Busse und Einsatzfahrzeuge sind davon ausgenommen – so lange sich der Zustand der Brücke nicht gravierend verschlechtert. Die Verantwortlichen bei der Stadt Ulm hoffen, dass das Bauwerk noch gute fünf Jahre befahrbar bleibt. „Unser Ziel ist es, die Brücke so lange zu halten, bis der Neubau kommt“, sagte Schömig. Wenn alles glattgeht, könnte die neue Brücke ab 2024 gebaut und bis 2025 fertiggestellt werden. Die Kosten werden vorläufig auf etwa 20 Millionen Euro beziffert.

Ausstellung im Ulmer Stadthaus zeigt die Modelle des Wettbewerbs

Wie der Neubau einmal aussehen könnte, ist derzeit in einer Ausstellung im Stadthaus in Ulm zu sehen. Dort werden bis 24. Februar die Ergebnisse des städtischen Realisierungswettbewerbs mit zehn Modellen und Plänen ausgestellt, ab 2. März in der Glacis-Galerie in Neu-Ulm. Die Wunschvorstellung der Städte an die neue Brücke fasste Antje Esser, Zweite Bürgermeisterin von Neu-Ulm, bei der Eröffnung wie folgt zusammen: „Sie soll zurückhaltend und elegant in der Ausführung sein, nicht zu viel kosten und schnell fertig sein.“

Bild: Alexander Kaya

Am meisten überzeugt hat die Fachjury der Entwurf des Ingenieurbüros Klähne Bung und des Architekturbüros Kolb Ripke, beide aus Berlin. Die vorgelegte Stahlkonstruktion sei „extrem schlank und elegant“, wie der Ulmer Baubürgermeister Tim von Winning sagte – dadurch bleibe die Stadtsilhouette erhalten. In der Mitte wird die Brücke etwas breiter, das bietet Platz für Passanten, die verweilen und einen Blick aufs Wasser werfen möchten. Das Bauwerk sieht nach Überzeugung der Fachpreisrichter aber nicht nur von oben, sondern auch von unten gut aus, wovon Fußgänger und Radler am Donauufer etwas haben. Der Entwurf erfüllt zudem die Anforderungen an den Hochwasserschutz. Die Brücke lässt sich in zwei Teilen bauen, dadurch wäre in der Bauphase keine Hilfskonstruktion nötig. Denn auch die alte Gänstorbrücke besteht aus zwei statisch voneinander unabhängigen Bauwerken. Somit könnte in vier Jahren erst der eine Teil abgerissen und ersetzt werden und dann der andere.

Mit den drei Preisträgern wird nun weiter verhandelt

Neben dem ersten Platz wurden zwei dritte Plätze vergeben. Diese belegten die Konstruktionsgruppe Bauen AG aus Kempten und Knight Architects aus Großbritannien sowie FCP Fritsch, Chiari & Partner ZT + VCE Vienna Consulting Engineers ZT aus Wien und die Architekten Tragwerkstatt Ziviltechniker aus Salzburg. Mit den drei Preisträgern werden nun weitere Verhandlungen geführt.

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