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Region Ulm

29.11.2013

HIV-Infizierungen nehmen wieder zu

30 Jahre nach Gründung der Deutschen Aidshilfe macht die Infektionskrankheit kaum mehr Schlagzeilen. Daran, dass sich das auslösende HI-Virus dazu im Gegensatz durchaus wieder auf dem Vormarsch befindet, berichteten gestern Mitarbeiter der Aidshilfe Ulm/Neu-Ulm im Vorfeld des Weltaidstages am 1. Dezember.
Bild: Alexander Kaya

Die Zahl der HIV-Infektionen nimmt wieder zu. Doch nicht nur darum sieht die Aids-Hilfe Grund zur Besorgnis.

30 Jahre nach Gründung der Deutschen Aidshilfe macht die Infektionskrankheit kaum mehr Schlagzeilen. Daran, dass sich das auslösende HI-Virus dazu im Gegensatz durchaus wieder auf dem Vormarsch befindet, berichteten gestern Mitarbeiter der Aidshilfe Ulm/Neu-Ulm im Vorfeld des Weltaidstages am 1. Dezember.

2012 gab es bundesweit 34000 Neuinfektionen

Das Virus kommt vermehrt zurück: 2012 gab es nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts bundesweit 3400 Neuinfektionen. Vor wenigen Jahren noch lag die Zahl relativ kontant bei 2000. „Regionale Zahlen gibt es nicht“, sagt Cornelia Otto vom Ulmer Gesundheitsamt. Doch auch ihre Einschätzung sei, dass der Trend nach oben gehe. Statistisch nachweisen lasse sich eindeutig ein konstanter Anstieg der gemeldeten Syphilis-Erkrankungen in Baden-Württemberg: Von 191 im Jahr 2001 auf bislang bereits 263 im Jahr 2013.

Dies lasse auch Schlussfolgerungen für die Verbreitung von HI-Viren zu: Denn erstens ist dies ein Indiz für zunehmenden ungeschützten Geschlechtsverkehr und zweitens ist das Risiko, sich und andere mit HIV anzustecken, erhöht, wenn man eine sexuell übertragbare Krankheit wie Syphilis, Tripper oder Herpes hat.

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Aufklärungsgrad in Sachen HIV ist erschreckend

„Erschreckend“ nennt Bernhard Eberhardt, Sozialarbeiter der Aidshilfe Ulm/Neu-Ulm, den Aufklärungsgrad der Generation, die nichts von den Schlagzeilen, die Aids in den 80er- und 90er-Jahren gemacht hat, mitbekommen habe. Einen „gewaltigen Rückschritt“ im Umgang mit der Aidserkrankung habe es zudem durch zunehmenden Einfluss aus Osteuropa gegeben. Wenn etwa in Ländern wie Russland oder Kroatien Homosexuelle diskriminieren, geschehe es oft im Zusammenhang mit Aids.

Träger des HI-Virus hätten aufgrund mangelnder Aufklärung der Bevölkerung auch in der Region Ulm/Neu-Ulm häufig unter Diskriminierungen zu leiden. So berichtet etwa Sozialarbeiterin Tanja Wöhrle von Ärzten, die sich weigern würden, Betroffene zu behandeln. „Es gibt inzwischen Pillen gegen Aids, aber nicht gegen die Diskriminierung.“ Wird eine Infektion früh erkannt, kann durch medikamentöse Behandlung das Virus zwar nicht restlos aus dem Körper entfernt werden, aber der Ausbruch von Aids fast immer verhindert werden. Menschen mit HIV, die rechtzeitig mit der Behandlung beginnen, hätten eine fast normale Lebenserwartung.

HIV-Infektion bleibt bei 30 bis 35 Prozent unentdeckt

Besonders problematisch ist vor diesem Hintergrund die Anzahl von Menschen, deren HIV-Infektion unentdeckt bleibt. Es seien erfahrungsgemäß 30 bis 35 Prozent der Infizierten, die sich aus vielerlei Gründen nicht testen lassen.

Entweder aus Unkenntnis, Angst vor Diskriminierung oder auch, weil ein „Aids-Test“ beim Arzt nach wie vor mit bürokratischen und finanziellen Hürden belegt sei. Im Schnitt „ein bis zwei“ sogenannte „Late Presenter“, also Menschen, bei denen Aids bereits ausgebrochen ist, zähle die Universität Ulm pro Monat, berichtet der Arzt Dietmar Braun, Mitglied des Vorstandes der Aidshilfe. Oft im reifen Alter von 60 oder 70.

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