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Neu-Ulm

21.03.2019

In der Neu-Ulmer Innenstadt wächst die Gewalt

Im Bereich der Gewaltkriminalität setzt sich in Neu-Ulm der Negativtrend der vergangenen Jahre fort. 2018 verzeichnete die Polizei 224 Delikte, fast 17 Prozent mehr als im Jahr davor.

Plus Die Zahl der Straftaten im öffentlichen Raum hat deutlich zugenommen. Welche Ursachen die Polizei für diese Entwicklung sieht und wie sie darauf reagiert.

Prügeleien und Pöbeleien auf offener Straße nehmen zu – und oft sind die Täter betrunken. „Das Klima ist rauer geworden“, sagte Rainer Finkel, der Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2018. „Die Aggressivität nimmt zu.“ Das spiegelt sich in den Zahlen wider:

Bei der Gewaltkriminalität stieg die Zahl der Fälle um 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 224 Delikte. Vor allem bei der schweren und gefährlichen Körperverletzung – davon spricht die Polizei, wenn Taten in Gruppen begangen werden oder wenn Waffen oder andere Gegenstände im Spiel sind – gab es einen starken Anstieg von 151 auf 194 Fälle.

Tatorte sind etwa der Bahnhof, der Glacis-Park oder die Caponniere

Damit setzt sich bei diesen Straftaten der Negativtrend der vergangenen Jahre fort. „Schwerpunkt ist der Innenstadtbereich“, erläuterte Finkel – etwa der Bahnhof, der Glacis-Park oder der Petrusplatz. An der Caponniere komme es beispielsweise immer wieder zu Aufeinandertreffen von Jugendgruppen. Von 210 Tatverdächtigen waren voriges Jahr 63 unter 21 Jahre alt. Knapp ein Drittel der Schläger war alkoholisiert. Bei den Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und öffentlichen Plätzen gab es einen Anstieg um 25 auf 58 Fälle.

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Der lange und heiße Sommer war aus Sicht der Polizei ein Faktor, der dazu beigetragen hat. „Das trägt nicht dazu bei, dass die Leute beruhigt sind, das zeigt sich an der Aggressivität“, so Finkel über die Hitzewelle. Allerdings hat voriges Jahr auch die Zahl der Fälle insgesamt zugenommen. Im Zuständigkeitsbereich der PI – Neu-Ulm, Elchingen und Nersingen – wurden insgesamt 5010 Straftaten registriert, 740 mehr als im Jahr davor (plus 17,3 Prozent). Die Polizei betrachtet Ulm und Neu-Ulm als einen kriminalgeografischen Schwerpunkt, der stetig wächst, was sich in der Kriminalstatistik niederschlage.

„Das macht uns Sorgen“, sagte Rainer Finkel über die Entwicklung, vor allem mit Blick auf die zunehmende Gewalt. „Wir haben frühzeitig mit dem Konzept ,Sichere Innenstadt’ reagiert“, berichtete der Neu-Ulmer Polizeichef. Voriges Jahr holte sich die Inspektion für mehrere Wochen Unterstützung von der Bereitschaftspolizei. Außerdem sei die Sicherheitswacht verstärkt an den Brennpunkten wie Caponniere, Glacis und Bahnhof unterwegs gewesen. Auch in diesem Jahr will die Polizei an den ersten warmen Tagen mit vielen Beamten auf die Straße gehen: „Da sind wir frühzeitig präsent, um zu zeigen: Die Polizei gibt keinen Raum auf“, so Finkel. „Wir zeigen Flagge.“

Die Neu-Ulmer Polizei muss immer mehr Einsätze bewältigen

Das wird für die Polizei allerdings zunehmend zu einer Herausforderung. „Wir sind an der Belastungsgrenze angelangt“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion. Die Zahl der Einsätze, die die Beamten zu bewältigen hatten, stieg 2018 auf mehr als 12000 und somit auf ein neues Rekordhoch. Und das geht schon eine ganze Weile so: „Wir haben jedes Jahr Steigerungen“, so Rainer Finkel. Die drei Bombenfunde am Südstadtbogen im Frühjahr 2018 trugen ihren Teil zur Arbeitsbelastung der Beamten bei. Und auch bei Großveranstaltungen steigen die Sicherheitsanforderungen kontinuierlich, etwa an Schwörmontag: „Beim Nabada hat sich der Personaleinsatz in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht“, sagte Finkel. Der Erste Polizeihauptkommissar und seine Kollegen hoffen deshalb dringend auf Verstärkung. Mit zusätzlichen Kräften ist allerdings frühestens im Herbst zu rechnen.

Es gibt aber auch positive Entwicklungen aus Sicht der Neu-Ulmer Polizei. Die Zahl der Raubdelikte etwa ist von 33 auf 16 deutlich zurückgegangen. Bei den Wohnungseinbrüchen gab es zwar einen leichten Anstieg von 39 auf 41 Fälle, doch in mehr als der Hälfte davon sind die Täter gescheitert. Die Zahlen sind zudem wesentlich niedriger als noch vor wenigen Jahren.

Eine Bilanz des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West finden Sie hier: Bei Anruf Betrug: Kriminelle erbeuten viel Geld

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