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Ulm/Neu-Ulm

13.05.2019

Innovation – eine Ulmer Tradition: Auch dank Professor Tillmetz

Professor Werner Tillmetz würde gerne beim US-Hersteller Tesla sein Lebenswerk fortsetzen.
Bild: Alexander Kaya

Die Brennstoffzelle als Hoffnungsträger schadstofffreier Mobilität hat zu einem großen Teil ihren Ursprung in der Münsterstadt. Daran will ein Kongress anknüpfen.

Seine Brennstoffzelle hat noch Energie: Auf den Ruhestand hat Werner Tillmetz nicht wirklich Lust. Im Herbst hat sich der frühere Professor und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) aus Altersgründen zurückgezogen. Doch wie der 63-Jährige bei der Premiere des Innovationskongresses Ulm/Neu-Ulm bei der Technischen Hochschule Ulm (THU) sagte, würde er sein Werk am liebsten beim US-Hersteller für Elektroautos Tesla fortsetzen. „Mit Milliarden von Dollars im Rücken.“ Freilich nicht für sein Privatvergnügen, sondern seinen Traum der Realisierung eines Brennstoffzellen-Autos für den Massenmarkt.

Wie Tillmetz beim Stelldichein von Akteuren aus Universitäten, Hochschulen, Instituten und Firmen rund um das Thema „Intelligente Mobilität“ in seinem Einführungsvortrag lebendig darbot, liegt aus seiner Sicht die Lösung vieler Energieprobleme im Zusammenhang mit Klimaschutz in der Brennstoffzelle.

Jene Technik, die die Energie des Wasserstoffs (anfangs noch Energie des Methanols) direkt in elektrischen Strom umwandelt, sei – in Sachen Anwendung in Autos – maßgeblich in Ulm entwickelt worden. Es stelle sich nicht die Frage Elektroantrieb oder Brennstoffzelle. Es müsse heißen Elektroantrieb und Brennstoffzelle.

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Prototyp auf dem Eselsberg im Daimler-Forschungszentrum präsentiert

Vor einem Vierteljahrhundert wurde ein Prototyp von dem damaligen Daimler-Vorstand Edzard Reuter auf dem Eselsberg im Daimler-Forschungszentrum präsentiert. Noch kurz zuvor arbeiteten Ulmer wie Tillmetz bei Dornier an der Pkw-Brennstoffzelle und präsentierten sie 1991 dem Daimler-Vorstand. „Plötzlich war Geld da.“

Dass erst 25 Jahre später die koreanische Firma Hyundai mit dem Modell Nexo auf den Massenmarkt komme, habe viel mit der Macht der Ölkonzerne und gezielter Desinformation zu tun. Der Wechsel zu Brennstoffzellen sei ein revolutionärer Wechsel in der industriellen Struktur von Kohle und Öl auf Wasserstoff. Eine Revolution, die viele Feinde habe.

Mit der von Bosch jüngst angekündigten Kommerzialisierung der Technik könnte dieser in Ulm erstmals in einen Pkw verbaute Antrieb aber endgültig aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Das ZSW in Ulm sei dabei, Pläne einer Forschungsproduktion von Brennstoffzellen in Ulm umzusetzen. Tillmetz: „Die deutsche Automobilindustrie ist trotz deutlich erhöhten Engagements dabei, auch hier wieder ihre Möglichkeiten zu verspielen.“ Trotz Ulmer Pionierarbeit. Dennoch: Jene Innovationskraft aus Ulm, wie etwa bei der Brennstoffzelle, nannte Ulms OB Gunter Czisch in der Begrüßung den Ursprung der Prosperität der Doppelstadt. Und damit diese auch in zehn Jahren noch da sei und in Ulm attraktive Arbeitsplätze bieten könne, seien Veranstaltungen wie der Innovationskongress wichtig.

Im Silicon Valley ist mehr über Verkehrsbewegungen in Ulm bekannt als im Rathaus

Auch eine städtische Tochter zeigte auf dem Kongress ihre Bereitschaft, innovativ zu sein. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) kooperieren mit der THU. „Im Silicon Valley ist mehr über Verkehrsbewegungen in Ulm bekannt als im Ulmer Rathaus“, sagte Michael Schlick, Professor der THU. Die Daten-Dominanz der dort ansässigen Firmen wie Google müsse sich ändern. Deswegen solle in Ulm auf Basis des freien Netzes Lorawan eine Datenplattform entstehen, die demokratisch legitimiert sei. „Wenn der Umgang mit den Daten der Bevölkerung nicht passt, kann der OB abgewählt werden“, so Schlick.

SWU: Elektrorad-Verleihsystem kommt

Durch neue Forschungs- und Entwicklungskonzepte sollen Bürger bereits während der Entwicklung neuer Technologien und Konzepte mit einbezogen werden. Derzeit werde an Sensoren an den Haltestellen geforscht. Es sollen damit etwa Umstiegsverbindungen und Zeiten ermittelt werden. Basierend hierauf können Fahrpläne optimiert und die Kundenzufriedenheit kann erhöht werden. Und durch eine freiwillige Teilnahme an einer Mobilitätsstudie werden an den Fahrrädern der Probanden eigens entwickelte Sensor-Boxen angebracht.

Diese Boxen senden in regelmäßigen Abständen GPS-Daten über das Ulmer Datennetz Lorawan an eine Datenbank. So können anschließend die Auslastung der Straßen durch Fahrräder ausgewertet und neue Fahrradstraßen können je nach Bedarf geplant werden. Fabian Feldhoff, bei den SWU für das Thema Innovationen zuständig, kündigte an, dass ein Elektrorad-Verleihsystem so gut wie beschlossen sei. Und auch das Carsharing-System SWU2go werde in ländlichen Regionen ausgebaut.

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