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Politik

13.10.2016

Islam-Debatte: Viel Kritik,wenig Ideen

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Der CSU-Kreisverband wollte über die aktuelle Situation der Integration und Verbesserungsvorschläge diskutieren. Vom Publikum wurden vor allem Klischees bedient

Beinahe jedes Klischee, das über den Islam in Umlauf ist, wurde vom Publikum bedient: Er sei gewalttätig, unterdrücke die freie Meinungsäußerung, wolle die Demokratie nach westlichem Muster abschaffen. Die Politik müsse die Ängste der Bürger ernst nehmen, die vielfach vom Islam ausgingen.

Eingeladen zu einem Diskussionsabend über den „Islam in Deutschland“ hatte in den Neu-Ulmer „Konzertsaal“ der CSU-Kreisverband. Auf dem respektabel besetzten Podium saßen Susanne Krasmüller vom österreichischen Außenministerium, Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf aus Nordrhein-Westfalen, Neu-Ulms Schulleiterin Beate Altmann, Erwin Zanker als Leiter des operativen Staatsschutzes der Kriminalpolizei Schwaben mit Sitz in Neu-Ulm und als Gastgeberin die Bundestagsabgeordnete Katrin Albsteiger. Gekommen waren 25 Zuhörer, teils aus spürbaren Ängsten, teils um ihren Frust über die vermeintliche Untätigkeit der Regierenden abzuladen.

Aufschlussreiches trug Beate Altmann über die Zustände an der Grundschule Stadtmitte vor. „Deutsche Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr in meine Schule“. Gut 90 Prozent ihrer Schüler stammten aus Einwandererfamilien. Die deutsche Sprache sei auf dem Pausenhof eine Seltenheit, ebenso bei den Eltern. „Elternarbeit ist unter diesen Umständen kaum möglich“, sagte sie. Seit sieben Jahren werde an ihrer Schule von Imamen Religionsunterricht gelehrt, „aber ohne meine Kontrolle, weil er ausschließlich auf Türkisch gehalten wird“. Da entwickelten sich Parallelwelten.

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Kriminalist Erwin Zanker weiß, was sich in Solchen tut. Kinder aus islamischen Familien dürften nach dem Verständnis der Imame nicht mit Deutschen spielen, weil Christen unrein seien, erläuterte der Polizist. Dabei sei der türkische Islam noch harmlos, gefährlich aber der aus dem arabischen Raum. „Wir werden von den Moscheegemeinden belogen, weil wir gar nicht wissen, was hinter den Mauern dort gelehrt wird.“ Kinder würden in Elternhaus und Moschee indoktriniert. Schon Zehnjährige seien gezwungen, christlich erzogene Kinder in ihrem Verhalten zu täuschen.

Das war Wasser auf die Mühlen einzelner Zuhörer. Einer wollte in den Moscheen verdeckte Ermittler einsetzen, ein anderer im Unterricht ein Tonband mitlaufen und den Inhalt später übersetzen lassen. Lehrer in deutschen Schulen müssten deutsch sprechen, deshalb forderte er mehr gesetzliche Regelungen dazu.

Ein Lehrer hielt die doppelte Staatsbürgerschaft für grundsätzlich falsch, weil sie der Integration entgegenstehe. Ein Ingenieur schließlich, der sein halbes Leben in arabischen Ländern unterwegs war, habe den „wahren Islam“ erlebt und diesen als „nicht demokratiefähig und auch nicht grundgesetzkonform“ gebrandmarkt.

Kriminalist Zanker am Podium warnte vor Pauschalurteilen, wo man es immer mit einzelnen Menschen zu tun habe. Das kommende Integrationsgesetz werde einen Großteil der Probleme lösen, hieß es. Da könne Deutschland von Österreich lernen. Das Land habe seit Jahren sein Islamgesetz, sagte Susanne Krasmüller. Es verbiete, in Schulen und Moscheen Imame aus dem Ausland einzusetzen. Auch ihre Finanzierung dürfe nicht aus dem Ausland kommen.

Gleiche Forderungen erhob Cemile Giousouf als Integrationsbeauftragte im Bundestag. Imame müssten in Deutschland ausgebildet, von den Kultusministerien angestellt und über Moscheesteuern bezahlt werden. Die Bundesregierung baue die Beratung an den Schulen über den Umgang mit dem Islam kontinuierlich aus.

Auf dem Podium wurde aber auch festgestellt, dass Bayern im Vergleich mit anderen Bundesländern gut dastehe.

An der Flüchtlingswelle des Vorjahres, die der Freistaat souverän gemeistert habe, wäre Nordrhein-Westfalen gescheitert, sagte die Abgeordnete Giousouf. Auch kämen die Imame über die Konsulate nach Bayern und würden vom Kultusministerium angestellt. Die Lösung der Islamprobleme, hieß es aus Österreich, könnte in einem „Islam europäischer Prägung liegen. Einem moderaten Islam, den wir stärken müssen.“

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