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Neu-Ulm

30.06.2015

Magdalena Kopp war mehr als nur die Terroristen-Braut

Magdalena Kopp – hier auf einem Bild von 2007 – starb vor zwei Wochen in Frankfurt.
Bild: Jörg Carstensen dpa

Die Exfrau des Killers Carlos machte keinen Hehl aus ihrer kriminellen Biografie. Doch die Bewohner eines Neu-Ulmer Pflegeheims kannten noch eine andere Seite der Magdalena Kopp.

Elke Riedl, die „gute Seele“ der ehrenamtlichen Helfer im Seniorenzentrum Alfred-Schneider-Haus der Arbeiterwohlfahrt in Neu-Ulm bestätigt, dass Magdalena Kopp in den vergangenen Jahren zum Helferkreis gehört hat. Auch unter den anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern hätten längst nicht alle die bewegte Vergangenheit ihrer Mitstreiterin gekannt.

Magdalena Kopp war Mitglied der "Revolutionären Zellen"

Dabei hat Magdalena Kopp nie einen Hehl aus ihrer Biografie gemacht, sogar ein Buch geschrieben („Terrorjahre – Mein Leben an der Seite von Carlos“), in dem sie ihre Geschichte offen erzählt. Als junge Frau ging sie nach Berlin und dann nach Frankfurt, um der „kleinbürgerlichen Enge“ ihrer Heimat Neu-Ulm zu entfliehen. Schnell geriet sie in terroristische Kreise und zählte zu den Gründern der berüchtigten „Revolutionären Zellen“.

Sie wurde zur Geliebten des Terroristen Johannes Weinrich und war dann ab 1979 mit dem international gesuchten Terroristen Carlos liiert. 1982 erwischte sie die Polizei in Paris mit Sprengstoff – geplant war ein Anschlag auf die Botschaft Kuwaits. Während ihrer Haft versuchte Carlos, sie mit einer Serie von Anschlägen freizupressen – dabei starben 20 Menschen.

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Exfrau von Killer Carlos hat sich von Terrorismus distanziert

Nach ihrer Haftentlassung 1985 kehrte sie zu Carlos zurück, 1986 wurde die gemeinsame Tochter geboren. Die Familie lebte in Syrien und Venezuela – bis Carlos 1994 im Sudan festgenommen wurde. Erst danach sagte sie sich von Carlos los, distanzierte sich vom Terror, sagte als Zeugin aus. Seit 1995 lebte sie wieder in Neu-Ulm. In ihrem ursprünglich gelernten Beruf als Fotografin konnte sie nie wieder Fuß fassen. Einem Medienbericht zufolge betreute sie zeitweise Migrantenkinder.

Über Besuche bei einer Bewohnerin des Alfred-Schneider-Hauses lernte sie das Altenheim kennen und begann, sich dort ehrenamtlich zu engagieren. Eine „stille, zurückgezogene, etwas traurig wirkende Frau“ sei sie gewesen, sagt Elke Riedel. Die Organisatorin der Ehrenamtlichen glaubt: „Vielleicht wollte sie mit ihrem Engagement etwas gut machen.“

Magdalena Kopp hat nach Angaben Riedels ungezählte Stunden im Seniorenheim verbracht. Bei ihren Gedächtnistrainings habe sie mit den Heimbewohnern über aktuelle Themen gesprochen, über Kultur, Erdkunde und auch Politik – immer mit dem Ziel, das Langzeitgedächtnis der Senioren anzuregen.

Bewohner des Neu-Ulmer Pflegeheims haben gute Erinnerungen an sie

Eine enge Freundin der Verstorbenen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, spricht von Magdalena Kopp als „sehr liebevolle, intelligente Person“. Sie sei letztlich vom Terroristen Carlos ausgenutzt worden. Von den Jahren in der Terrorszene, dem Leben im Untergrund unter anderem in Ungarn und Syrien, habe sie sich „sehr weit distanziert“. Das Leben im Altenheim habe Magdalena Kopp auch liebevoll mit ihrer Kamera dokumentiert, sie habe eine Fotowand gestaltet und zusammen mit einer dementen Bewohnerin eine Art Jahresbericht verfasst. „Die Bewohner sagen nur Gutes über sie“, heißt es im Heim. Elke Riedel findet: „Magdalena Kopp darf auf keinen Fall auf die Ex-Frau des Terroristen Carlos reduziert werden.“

Magdalena Kopp starb vor zwei Wochen nach längerer Krankheit in Frankfurt, wo ihre Tochter lebt. Im Altenheim in Neu-Ulm haben Bewohner bei einer kleinen Trauerfeier von ihr Abschied genommen.

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