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Ulm

04.07.2020

Natur und Nationalismus: Ausstellung "Kunst am Strom" im Museum Ulm

Kulturreferentin Swantje Holzmann im Museum Ulm, wo die Wanderausstellung „Kunst am Strom“ zu sehen ist.
Bild: Dagmar Hub

Plus Für die Wanderausstellung „Kunst am Strom“ im Museum Ulm gab es fast keine Vorgaben. Doch ein Motiv taucht in vielen Werken auf.

Die Corona-Epidemie rückte Grenzen wieder in den Blick, die überwunden schienen: Für die in Ulm am Sonntag startende internationale Wanderausstellung „Kunst am Strom“, die in den nächsten beiden Jahren in anderen Donauanrainerstaaten zu sehen sein wird, mussten Kunstwerke aus sieben Ländern in ein achtes gebracht werden: nach Deutschland. Und dies in Zeiten, in denen aufgrund der Pandemie in verschiedenen Ländern unterschiedliche Regelungen und Reisewarnungen gelten und galten. Ab Sonntag, 5. Juli, wird „Kunst am Strom“ im Museum Ulm zu sehen sein. Die Ausstellung bringt Werke von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, Österreich, der Slowakei, aus Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien zusammen. Kuratorin für Deutschland ist die in Ulm geborene Franziska Degendorfer.

Text und Textiles, Installation, Fotografie, Malerei – bei der Auswahl der Kunstrichtung gab es keinerlei Vorgaben für die Kuratoren der jeweiligen Länder, die jeweils vier Künstlerinnen oder Künstler auswählen sollten. Einziges tatsächliches Kriterium: Die Kunst sollte von Künstlern verschiedener Generationen geschaffen sein, von jungen Menschen aus der Zeit nach der Wende und von Älteren, die noch im Sozialismus beziehungsweise Kommunismus sozialisiert wurden. Die Umsetzung dieser Vorgabe gelang in manchen Ländern sehr gut, in anderen weniger gut, berichtet Swantje Volkmann, Kulturreferentin für den Donauraum. Im Zentrum der Schau stehen Fragen nach dem Spannungsfeld zwischen der im Allgemeinen kosmopolitischen Ausrichtung der Künstler und vorhandenen nationalen Bindungen und Bezügen. Häufig wiederkehrendes Motiv der Werke ist die Ökologie.

"Kunst am Strom": Neue Ausstellung im Museum Ulm

Das Werk des 1981 geborenen slowakischen Künstlers Oto Hudec beschäftigt sich mit sozialen, ökologischen und politischen Themen. „Das Marx’sche Paradoxon“ beispielsweise nennt er eine 2019 entstandene Fotografie, die auf einem riesigen roten Plakat vor einer zerstörten Landschaft Sätze aus einem Manuskript von Karl Marx zitiert, in dem es heißt, dass das physische und geistige Leben des Menschen mit der Natur zusammenhängt, er also Teil der Natur ist. Die Landschaft hinter dem Plakat allerdings spricht eine ganz andere Sprache. Nikola Dzafo lebt und arbeitet in Novi Sad. Er ist Begründer der Künstlergruppe „Led Art“ (Eiskunst), die sich intensiv mit dem Regime Slobodan Milosevics auseinandersetzt. Die Ausstellung zeigt „Frozen Art“-Fotografien: Objekte, die an die Opfer des kommunistisch-sozialistischen Politikers erinnern, auf Bildern wie gefroren festgehalten als Erinnerung an Leben, die vergingen.

Natur und Nationalismus: Ausstellung "Kunst am Strom" im Museum Ulm

Andere Teile der Ausstellung zeigen einen tiefgründigen, teilweise verschmitzten Humor. Dieter Lohr ist der Erfinder der „Flussologie“. Vom in Kempten geborenen und in Regensburg lebenden Literaturwissenschaftler ist ein leicht augenzwinkernder Text über die Donau zu lesen, die mehr Namen hat als irgendein anderer Fluss. Aus Pecs stellt Kurator Péter Somody Werke von Sándor Imreh solchen der eine Generation jüngeren Textilkünstlerin Flóra Pertics gegenüber – den verschlossenen, keinen Durchblick ermöglichenden „Straßenelementen“ begegnen bunte, textile Mischtechniken, die Traditionelles und Neues in sich vereinen. Somody selbst, Jahrgang 1963, lässt mit der mehrschichtigen, aus Kunstharz entstandenen „Wunde“ die Verletzungen von Menschen durch politische Systeme erahnen.

„Kunst am Strom“ ist bis zum 6. September im Museum Ulm zu sehen.

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