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Neu-Ulm

16.10.2019

Neu-Ulm bekommt „Speakers’ Corner“

Nach dem Londoner Vorbild soll in Neu-Ulm eine „Speaker’s Corner“ eingerichtet werden.
Bild: Dominik Lauck/dpa (Archivbild)

Die Stadt Neu-Ulm richtet nächstes Jahr am Donauufer eine kleine Ecke für Redner ein – einen sogenannten „Speakers’ Corner“.

Im Hyde Park in London gibt es seit fast 150 Jahren einen Platz, an dem jeder frei über selbst gewählte Themen sprechen kann: die „Speakers’ Corner“. Für die meist etwas skurrilen Sprecher gibt es nur eine Einschränkung: Die Queen und die königliche Familie sind tabu. Nach dem britischen Vorbild will nun auch die Stadt Neu-Ulm einen Ort für Sprecher unter freiem Himmel schaffen – wobei weder der OB noch der Stadtrat als Sujet der Reden unantastbar sind.

Die „Speakers’ Corner“ soll an der Grünanlage am Donauufer beim Edwin-Scharff-Haus, in der Nähe des Spielplatzes, eingerichtet werden. Das hat der Ausschuss für Bildung, Familie und Kultur einstimmig beschlossen. Dort sind Fußgänger und Radfahrer unterwegs, es ist also was los, aber Anwohner werden nicht durch die Sprecher gestört. Berechtigt zur Nutzung ist jede Privatperson sowie örtliche Vertreter von Parteien, Vereinen und anderen Organisationen. Politische, religiöse, weltanschauliche, gesellschaftliche, soziale oder sonstige Anliegen können vorgebracht werden, alles im gesetzlichen Rahmen natürlich. Eingeweiht werden soll der Platz zum Start der Freiluftsaison mit einer kleinen Veranstaltung im April oder Mai 2020. Die Stadtverwaltung hat sich deutschlandweit umgehört, um zu erfahren, wie andere Städte mit dem Thema umgehen und sich am Beispiel Münster orientiert.

„Speakers’ Corner“ kann von 9 bis 21 Uhr genutzt werden

Wer an der „Speakers’ Corner“ sprechen will, wendet sich künftig mit einer E-Mail an die Stadt, in der er Name, Datum, Uhrzeit und Thema angibt. Es erfolgt keine Genehmigung, sondern nur diese Anmeldung. Damit ist nachvollziehbar, wie häufig der Platz genutzt wird. Die Sprecher sollen ohne Lautsprecher oder Megafon reden. Plakate, Banner und ähnliche Werbeträger sind nicht zulässig. Die Neu-Ulmer Speaker’s Corner kann von 9 bis spätestens 21 Uhr genutzt werden. Die Kosten für das Einrichten der Ecke belaufen sich auf etwa 500 Euro.

Neu-Ulm bekommt „Speakers’ Corner“

Die Initiative ging von Stadträtin Christa Wanke (FDP) aus. Sie nannte es in der Sitzung „ein nettes Alleinstellungsmerkmal für Neu-Ulm“. Fachbereichsleiter Ralph Seiffert sagte: „Ich bin gespannt, wer da seine Reden schwingt.“ Rainer Juchheim (Grüne) gab zu bedenken, dass dort vielleicht auch Rechtsradikale ihre Parolen von sich geben. „Das haben Sie an jeder anderen Stelle in der Stadt auch“, erwiderte Zweite Bürgermeisterin Antje Esser (PRO). Sollte das passieren, werde die Stadt dagegen vorgehen, wie sie es jetzt auch schon tue, etwa in Fällen von Volksverhetzung. Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut. „Es wäre schade, die Speaker’s Corner nicht auszuprobieren.“ Annette Neulist (CSU) fand: „Lustige Idee, Frau Wanke.“

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17.10.2019

Tolle Idee eines Bürgerprojekts (hoffentlich bald mehr?)! :-) Denn außer Bürgerversammlungen gibt es zu wenige Formate, die einen Gedankenaustausch/Diskussion zu Trends/Problemen und Herausforderungen, oder Expertenwissen in NU und seinen Stadtteilen zulassen.

Als NU-Bürger finde ich es enttäuschend, dass es nicht mehr kreative Ideen anderer Stadträte gibt bzw. darüber in der Presse berichtet wird. Wann denken Sie bitte "NEU" und als "WIR"?

@ Hr. Juchheim: Ich freu mich schon auf Ihre dortigen Redensbeiträge - z.B. Beitrag Ihrer Fraktion zum Nachhaltigkeits- o. Klimaschutzplan Stadt NU (-2025)? Ihre Praxisbsp. zu lokalen, sozialen o. kulturellen Anträgen?; Ihr Beitrag für bessere Radwege und Sauberkeit/ Sicherheit- oder alternativer Mobilitätsideen Carsharing etc.- nehmen Sie sich ein (neues) Vorbild, was die NU-FDP-Fraktion hier anstößt/ verändern möchte!

Bedenkenträger (sogar öffentliche Äußerung davon siehe Abschlussevent 150 Jahre NU!!) gab es m.E. nach von den bisherigen, gewählten Stadt(rats)vertretern schon leider zuviele. Weshalb sind Sie hier so pessimistisch denkend/äußernd?

@Hr. Seiffert: Ihre Haltung und Offenheit freuen mich, wie Sie neue kulturelle Formate unterstützen/organisieren- wenn auch u.a. Ihre Aufgabe! Die Stadt kann dies hier auch als "Plattform" nutzen...
@Fr. Esser: Danke für Ihr postives demokratisches Statement und offenes Mitdenken - ein bürgerlicher Lichtblick!
@Fr. Neulist: Ihr Zitat mit "lustige Idee" müssen Sie als "Autorin, Kunst- und Kulturschaffende" doch ausdrücklicher Befürworten, als zumindest abgedruckt?
@NUZ-Redaktion: Ich hoffe Sie geben in Ihrer Berichterstattung 1. korrekt Zitate von Stadträten wider bzw. 2. stellen für ein demokratisches Meinungsbild sowohl Befürworter als auch andere Meinungen gleichberechtigt dar?

Ich denke, die NU-Bürger, Initiativen und Vereine/Ehrenamtlichen werden ziemlich unterschätzt- erinnern Sie sich, was sich z.B. bei der 150 Jahre-Abschlussfeier für eine aktive, mitreißende und engagierte Bürgerschaft zusammengefunden hat- es braucht mehr Impulse, Räume und Mut, Neues zu wagen und auszuprobieren- lassen Sie es einfach zu! Florian Schuster, Neu-Ulm

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