1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Neu-Ulmer feiern ihre Firmen

Neu-Ulm

17.05.2019

Neu-Ulmer feiern ihre Firmen

Copy%20of%20IMG_20190517_190416_resized_20190517_085933914.tif
3 Bilder
Gingen weg wie warme Semmeln: Die kostenlos Joghurt-Becher.

Bei der „Extraschicht“ in 25 Unternehmen herrscht großer Andrang. Nicht zuletzt kostenloses Joghurt und günstige Spätzle locken. Doch es gibt sogar eine Weltpremiere.

Der Joghurt-Index spricht eine deutliche Sprache: Um 19.15 Uhr, bei der Halbzeit der „Extraschicht“, sind 1500 Becher zu je ein Kilogramm Pfirsich-Maracuja Vollfettstufe in der Sonderabfüllung „150 Jahre Stadt Neu-Ulm“ verschenkt. „Und es waren noch mehr Leute da, weil nicht jeder Besucher einen Becher mitnimmt. Der Kühlkette wegen“, weiß Nadine Schmid, die Marketingleiterin der Milchwerke Schwaben.

NUZ_KAYA3197.jpg
28 Bilder
"Extraschicht" mit 25 Neu-Ulmer Firmen
Bild: Alexander Kaya

Das heißt: weit mehr als 1500 Menschen besuchten bis 19 Uhr allein die Milchwerke, wie auch die langen Schlangen zur Molkereiführung zeigten. Nur einen Steinwurf entfernt, haben Spätzle Konjunktur. Rund um die Messerschmittstraße ist kaum ein Passant zu sehen, der nicht Mehlspeisen in einer proppenvollen Plastiktüte schleppt: Über drei Kilo Schupfnudeln, Maultaschen und Co gibt‘s im Sonderverkauf: Fünf statt 12.94 Euro die Tüte. Und zubereitete Probierportionen sind gratis.

Bei Daimler gibt es Burger

Kulinarische Genüsse sind das Zugpferd, auch wenn es eigentlich darum, geht, die Stärke und Vielfalt des Neu-Ulmer Unternehmertums zu zeigen. Daimler macht beides: Bei Evobus kostet ein handgemachter Burger aus dem schicken Foodtruck nur einen symbolischen Euro. Da kommt Volksfeststimmung auf an der Wiese vor der Lehrwerkstatt. Kostenlos erklärt zudem der Neu-Ulmer Arno Stefan Prüllager den „Future Bus“. Der Daimler-Ingenieur war beteiligt an der Entwicklung dieses teilautomatisiert fahrenden Stadtbuses. Ein knappes Dutzend Kameras scannt Fahrbahn und Umgebung, Fern- und Nahbereichsradarsysteme tasten ständig die vorausliegende Strecke ab.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Weltpremiere bei DHL

Ganz ohne Leckereien zieht der Logistiker DHL Besucher an. Schließlich gibt es hier auch eine Weltpremiere zu sehen: Erstmals seit der Eröffnung des Standorts vor anderthalb Jahren in der Otto-Hahn-Straße, darf die Öffentlichkeit einen Blick in „eine der modernsten Logistikzentren Europas“ werfen, so Standortleiter Sascha Paßlack.

Eine zweistellige Millionensumme sei hier in die „Mechanisierte Zustellbasis“ gesteckt worden. Jede Sekunde spucken die Förderbänder ein Paket aus. 110 Beschäftigte zählt der DHL-Standort in Neu-Ulm. „Alle werden nach Tarif bezahlt“, sagt Paßlack. „Ohne Subunternehmen.“ Der Standort Neu-Ulm sei eng vertaktet mit dem Paketzentrum in Günzburg, eines von deutschlandweit nur 35 an der Zahl. 98,8 Prozent der Pakete, die aus Günzburg angeliefert werden, würden noch am selben Tag in Ulm, Neu-Ulm, Senden oder Blaustein – dem Zuständigkeitsbereich des Standorts – zugestellt.

Bei Carl Götz dufte es nach Fichte

Wer nach der DHL-Zustellbasis noch mehr Lust auf außergewöhnliche Lagerhallen hat, der landet vielleicht bei „Carl Götz“, dem Neu-Ulmer Holzgroßhändler mit 130 Mitarbeitern.

Es duftet nach Eiche, Tanne und Fichte im 25 Meter hohen Hochregallager. So groß wie zwei Fußballfelder sind die Stellflächen. Ein Wald der liegt, ist in der Flachzone zu sehen: Zersägte Stämme lagern hier, die – wie bei der Führung zu erfahren ist – aneinander gereiht sieben Kilometer lang wären. „Eiche astig“ liegt hier nicht für Endverbraucher sondern Schreiner, Zimmerleute oder Kunden aus der Industrie. Diese hat auch die Lebenshilfe Donau-Iller. 235 Menschen mit Behinderung arbeiten hier für große regionale Unternehmen: Liqui Moly, Rexroth, Hilti oder Daimler. Und erledigen verantwortungsvolle Aufgaben. „Nur der CIA hat eine höhere Geheimhaltungsstufe“, sagt Werkstattleiter Edgar Saar über die Auftragsarbeit für den Stuttgarter Autoriesen: Bis zu 6,9 Millionen einzelne Seiten Papierakten pro Jahr scannt eine PC-Arbeitsgruppe der insgesamt 235 Werkstattbeschäftigen ein. In völlig unterschiedlichen Graden sind die Beschäftigten behindert: Manche nur körperlich, manche körperlich und geistig. Und manche haben das Down-Syndrom. Für alle hat die Lebenshilfe ein Ziel, so Saar: „Die Teilhabe am Arbeitsleben.“ Dies strukturiere den Tag und stärke das Selbstwertgefühl. Nach seinem Arbeitgeber gefragt, schafft in der Finninger Straße niemand für die Lebenshilfe: „Daimler“, heißt es. Oder Rexroth und Co. Und das sei ja auch richtig, wie Saar sagt: Denn 70 Prozent des Lohnes bekommen die behinderten Menschen. Der Rest sei eine Modernisierungsrücklage für die Werkstätten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren