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Landkreis

17.04.2015

Raser, rechts ranfahren!

Bitte rechts ranfahren! Hauptkommisar Walter Roth aus Neu-Ulm und seine Kollegen haben die Temposünder gleich aus dem Verkehr gezogen – wie hier an der Reuttier Straße.
Bild: Alexander Kaya

Blitzmarathon: Trotz angekündigter Kontrollen können Autofahrer ihren Bleifuß nicht lupfen.

So mancher lernt’s nie – nicht das Fahren mit Ski, sondern das Einhalten von Tempolimits. Anders ist kaum zu erklären, warum gestern beim lang und breit angekündigten deutschland- und europaweiten Blitzmarathon wieder etliche Autofahrer schneller als die Polizei erlaubt unterwegs waren.

Kaum hatten Wolfgang Jehle von der Verkehrspolizei Neu-Ulm und seine Kollegen gegen 10 Uhr den Blitzer an der Europastraße aufgestellt, löste dieser auch schon aus: Mit stattlichen 106 Stundenkilometern raste ein Autofahrer durch die 70er Zone. Doch dieser wurde noch getoppt von einem anderen Raser mit 109 Stundenkilometern – beide müssen nun „einen Monat lang zu Fuß marschieren“. In den eineinhalb Stunden rauschten nach Jehles Angaben 1200 Fahrzeuge vorbei – 28 von ihnen wurden verwarnt und drei angezeigt. Auch auf der A8 seien die Autofahrer – „bis auf ein paar Ausreißer“ – langsamer gefahren als sonst, sagt Jehle. Er glaubt, dass der Blitzmarathon langsam in den Köpfen der Fahrer verankert ist und sie sensibler werden.

Dennoch gibt es sie, die Temposünder – auch in Illertissen. dort waren die beiden Illertisser Hauptkommissare Roland Marz und Walter Hecker mit ihrem Messgerät beispielsweise beim Bauernhof „Tannenhärtle“ an der Staatsstraße 2018. Bis 10 Uhr hatten die Beamten zehn Raser zur Räson gebracht, die mit mehr als den erlaubten 100 Stundenkilometern in Richtung Illertissen gebraust waren. Die Schlechtmarke stellte ein Autofahrer auf, der wegen 131 Stundenkilometern gestoppt wurde.

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Richtig stichhaltige Gründe, warum sie oder er zu flott westwärts strebten, konnte aus Sicht der beiden Polizisten kein Temposünder nennen. Hecker: „Eine Frau sagte, sie habe es eilig, weil sie ihr Kind in die Schule bringen müsse. Eine andere Frau hat angegeben, sie müsse zu einem Termin, bei dem sie einen Vortrag halten muss. Auch eine Rentnerin war anscheinend in so großer Zeitnot, dass sie zu stark aufs Gaspedal drückte.“

Zu rasch war auch eine junge Frau aus dem Rothtal, die mit ihrem kleinen Töchterchen im Kindersitz gen Illertissen fuhr. Dass sie kostenpflichtig verwarnt wurde, nahm sie mit Humor. Ihr einziges, nicht ernst gemeintes Problem war: „Wie erklär‘ ich das jetzt meinem Kind.“ Die 30 Euro, die sie berappen musste, hätten vermutlich binnen kürzester Zeit ohnehin den Besitzer gewechselt: Mutter und Tochter waren auf dem Weg zum Shoppen.

Zu schnell wurde auch auf der Straße zwischen Buch-Obenhausen und Krumbach gefahren. Dort stellte ein Mann aus Nordrhein-Westfalen mit 145 Stundenkilometern den illegalen Tagesrekord auf – beim Überholen trotz durchgezogener Mittellinie. Auf die Frage, ob es pressiere, erhielt Roland Marz die verblüffende Antwort: „Nein“. Aber die Straße habe sich für seine Fahrweise „halt so angeboten“. Jetzt bekommt er von den zuständigen Stellen ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Ein einmonatiges Fahrverbot, 240 Euro Bußgeld und zwei Punkte.

Jehle von der Neu-Ulmer Verkehrspolizei und seine Kollegen wollten neben der A8 oder der Europastraße eigentlich auch noch auf anderen Raserstrecken lasern: auf der B10 nach Unterfahlheim zum Beispiel. Doch da gab’s ein Problem: Die Straße ist seit Montag komplett gesperrt, der Grund sind Bauarbeiten. Generell hätten die vielen Baustellen im Landkreis die Fahrer nicht zwangsläufig davon abgehalten, den Fuß vom Gas zu nehmen. „Auf der A8 gilt im Baustellenbereich eigentlich ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern, 52 Autofahrer hielten sich nicht daran“, sagt Jehle. Trotz der „Ausreißer“ ist er eigentlich mit der Zwischenbilanz des gestrigen Blitzer-Tages zufrieden: „Wir wollten erreichen, dass die Leute langsamer fahren und das sind sie teilweise auch.“

Dennoch waren nicht alle mit dem Vorgehen der Polizei beim Blitzmarathon einverstanden. Marz von der Illertisser Poilizei wurde sogar Opfer eines geradezu heimtückischen Anschlags – durch den Hofkater im Tannenhärtle. Den Tatbestand schildert der Hauptkommissar so: „Die Katze ist neben mir gesessen und hat mich angeschaut. Als ich dann ein Auto anvisiert habe, hat mich der Baule plötzlich angesprungen.“ Bis auf den Schrecken trug der Beamte dank seiner kratzfesten Uniformjacke keine Blessuren davon. Einer Festnahme wegen des Verdachts einer vorsätzlichen Körperverletzung hatte sich der vierbeinige Täter durch Flucht entzogen.

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