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Ulm

14.08.2020

Spektakuläres Drohnen-Video vom Ulmer Münster sorgt für Furore

Mit einer Mini-Drohne wurden atemberaubende Aufnahmen vom Ulmer Münster gemacht. Das Video davon begeistert jetzt die Menschen im Internet.
Bild: Screenshot YouTube / minidrone.studio

Plus Atemberaubende Aufnahmen vom Ulmer Münster mit einer Mini-Drohne begeistern das Netz. Münster-Dekan Ernst-Wilhelm Gohl ist davon aber nicht vollends begeistert.

Solche atemberaubenden Aufnahmen vom Ulmer Münster kennt man bislang eigentlich nur vom Flugsimulator "Birdly": Ein Drohnenvideo vom höchsten Kirchturm der Welt sorgt im Netz derzeit für Furore. Münster-Dekan Ernst-Wilhelm Gohl spricht zwar auch von "wunderbaren" und "fantastischen" Bildern. Doch vollends begeistert ist er von dem Flug nicht: "Wir wurden nicht gefragt. Wir hätten das nicht erlaubt", sagt er. Die Macher des Videos sind sich der Brisanz bewusst.

Vögel zwitschern, die Sonne geht gerade erst auf, die Drohne fliegt entlang der Baumkette auf dem Münsterplatz. Als dann Tauben durchs Bild huschen, steigt kinoreife Filmmusik ein und die Kamera nimmt Fahrt auf in Richtung südliches Seitenschiff des Münsters. Zwischen Dach und Streben geht es hinauf zum Spatz auf dem Dach. Die Sonne immer im Blick. Aufnahmen, die es so bislang noch nicht gegeben hat. Das Ende sorgt für Schwindelgefühle: Im Sturzflug geht es von der Spitze hinunter auf den Münsterplatz.

Bei Facebook kommt das Video ganz schnell ganz gut an. Zahlreiche Nutzer liken und teilen es. Doch der eher skeptische Zuschauer fragt sich auch: Ist das überhaupt erlaubt?

Ute Metzler, bei der Stadt Ulm für Verkehrsplanung und somit auch für den Flugraum zuständig, teilt auf Nachfrage unserer Redaktion mit, der Flug sei ordnungsgemäß angemeldet gewesen. Auch die Auflagen der gültigen Drohnenverordnung seien eingehalten worden.

Ebenso sei wohl auch die Polizei informiert worden, sagt Metzler. Polizeisprecher Wolfgang Jürgens konnte das am Donnerstagabend noch nicht verifizieren, bestätigte aber am Freitagmorgen, dass die Polizei unterrichtet wurde. Die Macher hätten eine entsprechende Allgemeinverfügung des Regierungspräsidiums Stuttgart vorgelegt. Grundsätzlich gilt aber: 100 Meter rund um das am Münsterplatz ansässige Polizeipräsidium dürfen keine Flugobjekte unterwegs sein.

Drohnen am Ulmer Münster? "Der ehemalige Münsterbaumeister mochte das gar nicht"

"Inwieweit die Münsterbauhütte informiert war, entzieht sich unserer Kenntnis", sagt Metzler - und erinnerte dabei an den jüngst verstorbenen Michael Hilbert: "Der ehemalige Münsterbaumeister mochte das gar nicht."

Denn das Münster sei schon zwei Mal von Drohnen beschädigt worden, berichtet Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, der das Video bereits bei Facebook entdeckt hatte. Er will zwar "keine Spaßbremse" sein, aber wäre er zuvor gefragt worden, hätte er diesen Flug nicht erlaubt. Die Thermik werde oft unterschätzt.

Auch wenn die Aufnahmen den Eindruck erwecken, es seien Profis am Werk gewesen, hat er Sorgen, dass es Nachahmer gibt. "Das ist das gleiche wie bei den Kletterern. Wir wollen Menschen nicht dazu motivieren, dass sie es nachmachen", sagt Gohl.

Sogenannte Roofer sind schon mehrmals bis auf die Spitze des Münsters gestiegen, um Videoaufnahmen zu machen. Gohl sprach hier unter anderem von einer "widerlichen Prahlerei". Wenn aber der Drohnenflug von den Behörden genehmigt worden sei, dann sei das eine Entscheidung des Rechtsstaates und damit für ihn in Ordnung.

Macher des Drohnen-Videos: "kein Interesse Illegales zu machen"

Die Macher des Videos sind sich der Brisanz der Thematik bewusst, geben aber an, sich an alle rechtlichen Vorgaben gehalten zu haben. Die Genehmigung vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart hätten sie eingeholt, das bestätigt auch eine Sprecherin des RP am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion.

Es sei eine Allgemeinerlaubnis mit entsprechenden Ausnahmen erteilt worden. So ist es normalerweise nicht erlaubt mit einer Drohne über 100 Meter zu fliegen. Das Münster ist aber 161 Meter hoch. Eine weitere Ausnahme: Die Drohne hätte auch in der Nacht geflogen werden dürfen. Einer Zustimmung der Kirchengemeinde als Eigentümerin bedurfte es für den Flug selbst nicht, so die RP-Sprecherin.

"Wir haben kein Interesse etwas Illegales zu machen", sagt Daniel Wagner vom Unternehmen "minidrone.studio" mit Sitz in Stuttgart, das es erst seit Anfang des Jahres gibt. Er ist einer der Macher des Videos. "Hätten wir den Dekan fragen müssen, hätten wir das auch gemacht."

Die Aufnahmen vom Münster habe aber nicht er gemacht, sondern sein Geschäftspartner André Jung. Jung kommt aus Ulm und deshalb habe das Münster ganz oben gestanden auf der To-do-Liste. Er will sich mit Gohl in Verbindung setzen und dem Münster-Dekan ihre Seite schildern. "Grundsätzlich haben wir gegen keine Regeln verstoßen und haben dies auch in Zukunft nicht vor", so Jung.

So lief der Drohnenflug am Ulmer Münster ab

Stattgefunden hat der Flug am Montagmorgen zum Sonnenaufgang gegen 5 Uhr. Um den speziellen Lichteffekt erzielen zu können, hätten sie nur fünf bis zehn Minuten gehabt - Zeit für ein oder zwei Flüge. Start- und Landebereich seien abgesperrt gewesen. Die Morgenstunden hätten sie auch deshalb ausgewählt, weil um diese Uhrzeit noch so gut wie keine Menschen auf dem Münsterplatz unterwegs sind.

In der Filmszene hat sich das junge Unternehmen bereits einen Namen gemacht. Ein ähnlich spektakulärer Drohnenflug durch das Mercedes-Benz-Museum sorgte bereits im Mai für Schlagzeilen.

Denn wie der Name der Firma schon sagt, macht die Größe der Drohne den Unterschied. Die fliegende Kamera wurde eigens konstruiert, ist handflächengroß und gibt es so nicht zu kaufen. Die komplette Drohne wiegt um die 100 Gramm. Das genaue Gewicht hängt von der eingebauten Batterie ab. Die Kamera allein bringe aber lediglich 17 Gramm auf die Waage. "Sie ist sehr klein und sehr leicht, was sie sehr sicher macht. So können wir näher an Menschen fliegen", erklärt Wagner, der aus der Fotografie kommt und sich nun auf Drohnen spezialisiert hat.

Das Wissen darüber habe er sich über die Jahre selber angeeignet. Eine Ausbildung gebe es nicht, die notwendigen Kenntnisnachweise - den im Volksmund gebräuchlichen Drohnenführerschein - besitze er zwar, für so leichte Objekte sei dieser aber nicht erforderlich. "Wir verbinden unsere Leidenschaft mit der Arbeit", sagt er. Mit ähnlichen Aufnahmen von anderen schönen Flecken Süddeutschlands wollen sie nun weiter auf sich aufmerksam machen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes fehlten die Rückmeldungen der Ulmer Polizei und des Regierungspräsidiums Stuttgart. Wir haben den Text entsprechend ergänzt.

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