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Ulm

23.06.2018

Starbucks kommt nach Ulm - und hat dort schon Fans

Am Pike Place Market in Seattle eröffnete 1971 der Ur-Starbucks. Jetzt ist der Münsterplatz dran: Backwaren, Sandwiches, Salate und Kaffee sollen noch dieses Jahr verkauft werden.
Bild: Alexander Kaya

Am Münsterplatz eröffnet der US-Kaffee-Riese noch diesen Sommer eine Filiale. Warum der Großkonzern als Vorbote einer Entwicklung willkommen geheißen wird.

Es ist nicht irgendein Café, das noch diesen Sommer am nördlichen Münsterplatz eröffnet: Mit der ersten Starbucks-Filiale hat Ulm einen Platz im Universum der weltgrößten Kaffeehauskette. Für Handelsexperten ist das weltbekannte grün-weiße Signet ein bedeutendes Signal. „Das ist ein positiver Indikator für die Zugkraft von Ulm als Einkaufsstadt“, sagt Josef Röll, bei der Ulmer Industrie- und Handelskammer für das Thema Einzelhandel zuständig.

Das Erfolgsrezept von Starbucks funktioniert weltweit

Starbucks zieht: Das Erfolgskonzept sieht an mehr als 17000 Standorten in über 50 Ländern mehr oder weniger gleich aus: Bequeme Sofas, dunkle Holztische und die typische Starbucks-Theke plus Souvenir-Verkauf. Freies Internet und die Wohnzimmerumgebung locken insbesondere ein jüngeres Publikum an. Die US-Kaffeehauskette, bisher im weiteren Umkreis nur in Stuttgart und München zu finden, stehe für Urbanität. Und so bekomme Ulm den Charme einer Großstadt. Auch der Ulmer Citymanager freut sich. Zumindest aus Sicht eines Marketingexperten: „Jede Stadt, die etwas auf sich hält, muss offenbar einen Starbucks haben“, sagt Henning Krone und ist sich sicher, dass der weltbekannte Namen zusätzlich Menschen aus dem Umland nach Ulm lockt.

Generell seien bekannte Filialisten wichtig, ergänzt Röll. Denn während inhabergeführte Geschäfte die „Farbe“ in der Handelslandschaft ausmachen, bildeten die großen Ketten die Basis, weil sie die Menschen in die Stadt locken. Und wenn die Frequenz hoch ist, profitieren die Nachbarn. Mehrere veröffentlichte Studien zeigen: Kunden wünschen sich in Befragungen oft kleine Läden – kaufen aber in den großen ein.

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Keine Konkurrenz für alteingesessene Ulmer Cafés

Röll vermutet nicht, dass alteingesessene Vertreter der Café-Szene unter dem neuen Wettbewerber leiden müssen. Marktanteile nehme Starbucks eher anderen Filialisten einer globalen Kaffeehauskultur ab: Das ist die Münchner Kette Coffee Fellows in der Neuen Mitte, Beanbar im Büchergeschäft Hugendubel sowie Henry’s Coffee World in der Hirschstraße, die sich jüngst neu aufstellte. Wie der bisherige Hauptaktionär Michael Leibinger auf Nachfrage mitteilt, habe er jüngst den Großteil seiner Aktien an die Brüder Fatmir und Faton Seferi verkauft. Nachdem er nun 64 Jahre ist, habe er beschlossen etwas kürzer zu treten. Die neuen Hauptaktionäre, zwei erfahrene Augsburger Gastronomen, wollen den Charakter der Coffee Houses in der Hirschstraße, im Blautalcenter und am Augsburger Rathausplatz beibehalten. Das Credo: Handwerklich nach hohen Qualitätsstandards und nicht industriell hergestellte Produkte in gemütlicher Atmosphäre anbieten.

Die alteingesessenen Cafés in Ulm sehen die Ankunft des neuen Wettbewerbers Starbucks gelassen. „Wir haben eine ganz andere Kundschaft“, sagt Ulrich Kraus, seit 20 Jahren Pächter des Café Tröglen. Der bereits 1811 gegründete Betrieb sei eine „Oase der Ruhe und Handwerkskunst“. Und damit ein Gegenpol zu einem Filialisten wie Starbucks. Kaum weniger Tradition hat das Café Mohrenköpfle. Auch hier betont Inhaberin Sibylle Eckhardt den völlig anderen Ansatz: „Bei uns hat man Zeit.“ Deswegen habe der in dritter Generation geführte Familienbetrieb auch keine Angst vor dem US-Kaffee-Riesen. Im Gegenteil. Eckhardt kann sich durchaus vorstellen, dass der bekannte Namen für eine letztlich umsatzsteigernde Belebung der gesamten Innenstadt führe.

Auch andere Gastronomie-Ketten machen in Ulm neue Filialen auf

Das betonen auch Branchenexperten: „Die Gastronomie im Handel und in dessen Umfeld nimmt an Fahrt auf“, sagt das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI in einer Branchenstudie. Ein Ende der Gastronomie-Begeisterung im Handel sei nicht in Sicht. Denn das Miteinander von Gastronomie und Handel emotionalisiere das Einkaufserlebnis und erhöhe auch die Attraktivität, die Aufenthaltsqualität und die Verweildauer.

Für Ulm gilt das erst recht: Die Kette Vapiano eröffnet noch dieses Jahr im ehemaligen Modehaus Honer Gebäude und ab Herbst brät der Filialist Hans im Glück im Ex-Herwig, in der Nähe von Starbucks Burger. Und noch einen Gastronomen zieht es nach Ulm: Im ehemaligen Barfüßer am Lautenberg eröffnet wohl noch dieses Jahr Kelly’s Irish Pub. Noch sucht Geschäftsführer Andreas Bauer Mitarbeiter für seine neue Filiale: Kelly’s Irish Pub gibt es schon im Memmingen und setzt neben Guinness dort auf Burger und irische Klassiker wie Irish Stew.

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