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Ulm

20.11.2018

Straßenbahn in Ulm: Die Linie 2 ist vollendet

Die neue Kienlesbergbrücke wurde bereits im September testweise befahren. Ab Dienstag sind auf der ganzen Strecke Straßenbahnen unterwegs. Doch zusteigen ist nicht erlaubt: Es handelt sich um Schulungsfahrten.
Bild: Thomas Heckmann

Nun wurde auch das letzte Teilstück des größten städtischen Bauvorhabens der Nachkriegsgeschichte getestet und für gut befunden. Zeit für eine Schlussbilanz.

Das Jahrhundertvorhaben ist vollendet: Mit der der Bauabnahme des letzten Teilstücks der neuen Straßenbahnlinie auf dem Eselsberg ist das größte Infrastrukturprojekt der Ulmer Nachkriegsgeschichte so gut wie fertig. Lediglich ein paar Ampeln, die Beschilderung und Details an den Haltestellen würden fehlen, wie André Dillmann, der Chef der Verkehrstochter der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm auf einer Pressekonferenz zur Schlussbilanz der Linie 2 sagte. 270 Millionen kostete das ganze Projekt, das am 15. Oktober 2015 offiziell begonnen wurde. Den größte Anteil davon macht der Bau der Strecke mit 215 Millionen Euro aus, gefolgt von den Kosten für die neuen Fahrzeuge (35 Millionen Euro) und dem Betriebshof (20 Millionen Euro). Die Stadt Ulm hat dafür einen Betrag von 107 Millionen Euro auf die hohe Kante gelegt. Gefördert wird das Projekt aus Töpfen von Bund und Land mit insgesamt 128 Millionen Euro. Hier lesen Sie, warum sich die Ausgabe aus Sicht des Kommentators lohnt: Linie 2: Gut investiertes Geld

Die Linie 2 verbindet die Wissenschaftsstadt auf dem Oberen Eselsberg mit dem Kuhberg. Die Daten der drei Jahre andauernder Baustelle, die Projektleiter Ralf Gummersbach vortrug, lassen erahnen, wo das ganze Geld geblieben ist: Die bewegten Erdmassen würden reichen, das Ulmer Münster in Originalgröße in dreifacher Ausfertigung als Sandburg nachzubauen. 22000 Lkw-Ladungen Ausbub wurden abtransportiert, 47 Kilometer Bordsteine, 230 Kilometer Rohre, 35 Kilometer Schienen und 21,5 Kilometer Gas- und Wasserleitungen im Boden verlegt.

Als schwierigstes Teilstück galt die 280 Meter lange Kienlesbergbrücke. Der Bau des 2500-Tonen-Stahl-Kolosses musste mit der parallel verlaufenden Baustelle am Hauptbahnhof koordiniert werden. Mit der Brückentaufe im September wurde dieser Abschnitt jedoch problemlos vollendet. Ulms Baubürgermeister Tim von Winning freut sich, dass nach einem baustellenbedingten Ausnahmezustand es auf Ulms Straßen wieder etwas normaler zugeht.

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Für den Baubürgermeister ist die Zeit nach der Straßenbahnbaustelle auch vor der Straßenbahnbaustelle: Die Verlängerung der Linie 2 in Richtung Kohlplatte, einem Baugebiet westlich des Kurt-Schumacher-Rings macht aus seiner Sicht Sinn. Mit der offiziellen Inbetriebnahme der Linie 2 am Sonntag, 9. Dezember, ändert sich auch der komplette Fahrplan. Das Busliniennetz wird auf die neue Straßenbahn abgestimmt. Mehrere Linien (3,9,44,47,48) entfallen deswegen oder werden in andere Linien integriert. Komplett neu ist die Linie 13, die den Ulmer Norden (Mähringen, Lehr, Jungingen) anbindet.

Der Takt der Straßenbahn wird verdichtet: Beispielsweise fährt die neue Straßenbahn zwischen 7 und 9.30 Uhr und nachmittags in Richtung Innenstadt im Fünf-Minuten-Takt. Tagsüber gilt ein Zehn-Minuten-Takt, der auf den Samstag ausgeweitet wird.

Die „standardisierte volkswirtschaftlichen Bewertung“, ein Gutachterverfahren, das sämtliche Neubauten von Straßenbahnlinien einstuft, ging von einem täglichen Plus an Fahrgästen durch die Linie 2 von 8500 aus. Doch Baubürgermeister von Winning geht davon aus, dass dieser Wert deutlich übertroffen werde. Denn als das Gutachten erstellt wurde, seien Neubaugebiete entlang der Strecke wie etwa am Weinbergweg gar nicht berücksichtig worden. Und auch die Hochschule, Universität sowie die gesamte Wissenschaftsstadt seien seitdem gewachsen. Der Eselsberg rücke mit der Inbetriebnahme der neuen Straßenbahnlinie deutlich näher an die Innenstadt: Die Fahrzeit vom Hauptbahnhof verkürze sich von 18 auf sieben Minuten. Bereits ab Dienstag, 20. November, werden entlang der neuen Strecke täglich Straßenbahnen auf der Schiene zu sehen sein: Nach den Probefahrten, die sich allein auf die Technik konzentrierten, werden jetzt die Fahrer auf die neue Strecke geschult.

Zum Start der neuen Straßenbahnlinie will der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund mit einem Sonderangebot neuen Kunden ködern: Jeder, der in den vergangenen Monaten keine Jahreskarte besessen hat, bekommt eine Prämie von 50 Euro nach dem Kauf des Jahrestickets rücküberwiesen. "Kommentar

Kostenlos lässt sich die Linie 2 am Samstag, 8. Dezember, ausprobieren. An zehn Aktionspunkten entlang der Strecke informieren von 12 bis 17 Uhr Aussteller wie die Uni Ulm oder die Stadtwerke zum Thema „Mobilität von morgen“.

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