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Ulm

03.06.2019

Tag der Festung: Auf Schienen von Fort zu Fort

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3 Bilder
Wer die Ausblicke von den Festungswällen genießen wollte, musste Kondition mitbringen – und wurde belohnt.
Bild: Stefan Kümmritz

Beim „Tag der Festung“ sehen Besucher vieles, was sonst verborgen ist – und können mit der Straßenbahnlinie 2 die Verteidigungsbauten abklappern.

Festungsbauten gibt es in Ulm und Neu-Ulm viele. Die Wilhelmsburg und andere Teile der Bundesfestung, die zum Teil entlang der neuen Straßenbahnlinie 2 zu sehen sind, prägen das Ulmer Stadtbild. Doch viele der Bauwerke sind für die Öffentlichkeit in der Regel verschlossen. Offene Türen gab es am Sonntag beim „Tag der Festung“ in Ulm – und viele Besucher nutzten die Gelegenheit, Blicke ins eine oder andere Fort zu werfen und sich bei Führungen über Geschichte und Gegenwart der Bundesfestung zu informieren, die im zweiten Weltkrieg größtenteils ziemlich ungeschoren davon kam.

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Zum ersten Mal konnten die Bürger mit der neuen Straßenbahnlinie 2 zum Beispiel vom einen Endpunkt auf dem Oberen Kuhberg bis zum anderen am Oberen Eselsberg fahren und an den Forts Oberer Kuhberg, Unterer Kuhberg, Kienlesbergbastion, Unterer Eselsberg und Oberer Eselsberg Halt machen. Meist ein recht kurzer Fußweg von der Straßenbahn bis zur Festung kam auch Menschen entgegen, die eher schlecht zu Fuß waren. Dann allerdings wurde es für den einen oder anderen nicht so Fitten schon einmal beschwerlich. Es galt häufig, über steile Pfade die Hügel (Wälle) zu erklimmen. Aber in der Regel lohnte es sich, weil die meisten gut erhaltenen Anlagen in schöner landschaftlicher Umgebung liegen. Und die Führer erklärten alles so gut, dass es von den Besuchern häufig keine Fragen gab.

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Tag der Festung in Ulm

Wer das Fort Oberer Kuhberg – dort befindet sich auch das KZ-Dokumentationszentrum – recht früh als Ausgangspunkt für seine Straßenbahn-Reise zum Oberen Eselsberg nahm, war zunächst in angenehm überschaubarer Gesellschaft. Vom Fort dort oben hat man einen wunderbaren Blick zum Eselsberg. Da die Anlage recht hoch ist, war sie einst praktisch uneinnehmbar. Allerdings kann man außer den alten, dicken Mauern und Toren gar nicht so viel vom Fort sehen, weil alles in den Wällen versteckt ist. Bernd Schrem führte die Interessierten trotzdem herum und gab viel von seinem Wissen preis. Zum Beispiel, dass das Fort 1860 geplant aber erst 18 Jahre später gebaut wurde, dass die Mannschaftsunterkünfte alle im Wall lagen, dass die weißen Teile der Wehranlage abgesenkt wurden und dass die das Fort umgebende Mauer früher viel höher war. Alles, damit eventuelle Feinde das Innere der Anlage nicht so leicht sehen konnten. „Es ist eine der stärksten Festungen, nicht nur in Ulm“, wusste Schrem. Er wies auch auf eine Baustelle dicht an der Mauer hin. Dort habe bis 1921 ein Blockhaus gestanden, in dem Munition gelagert war. Es war so konstruiert, dass im Fall einer Explosion nur das Dach weggeflogen, das Gebäude aber stehen geblieben wäre. Nun werde an dieser Stelle ein neues Blockhaus errichtet. Und Schrem erklärte: „Wenn das Fort Oberer Kuhberg nicht eingenommen werden konnte, kam ein möglicher Feind nicht nach Ulm.“

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Im Fort Unterer Kuhberg, in dem heute unter anderem soziale und kulturelle Einrichtungen untergebracht sind, herrschte gar nicht so viel Betrieb, obwohl doch Kinder dort selig werden konnten. Aber auch hier gab es Führungen. Stehen geblieben sind wohl die meisten bei der 19-jährigen Waldorfschülerin Vanessa Coulder, die eine Vielzahl von eigenen, fantasievollen Kunstwerken anbot. „Man kann sie einfach mitnehmen, eine Spende für ,Terre des Hommes’ wäre natürlich sehr schön“, sagte sie.

Das Fort Unterer Eselsberg wiederum war wegen der mit riesigen Wällen ausgestatteten Anlage und weil man ins Innere, auch in ein Untergeschoss, gehen konnte, ein kleiner Höhepunkt. Auch hier spürten die Besucher die unausweichliche Feuchtigkeit, die in solchen Gemäuern herrscht. Und da die Menschen recht ungehindert dort hingelangen, fand man eben auch eine Menge Zivilisationsmüll. Festungsführer Ludwig Schmitzbauer berichtete eindrucksvoll von den früheren Kanonenkugeln, in denen neben Schießpulver kleine Eisenteile waren. Wenn die Kugeln zerplatzten, war das hochgefährlich. „Das war eine verheerende Waffe“, sagte Schmitzbauer. „Das war wie eine Splitterbombe.“ Nach diesen Ausführungen war der Besuch des nicht so aufregenden Forts Oberer Kuhberg fast wie ein wenig Erholung. Aktionen sowie Speis und Trank gab es vor allem auch in der Wilhelmsburg, in der Unteren Gaisenbergbastion oder im Fort Albeck, alle weitab von der Linie 2.

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