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Ulm/Neu-Ulm
19.09.2021

Rund 300 Menschen bilden Ketten für Frieden und Fluchtwege

Ein Teil der Menschenkette für Menschenrechte in Ulm und Neu-Ulm, die am Samstag in vielen Städten zur gleichen Zeit begann.
Foto: Stefan Kümmritz

Sie gerät zwar ziemlich löchrig, an ihrem Sinn zweifelt aber niemand der Teilnehmenden: Die "Rettungskette für Menschenrechte" reicht von Ulm nach Neu-Ulm.

Ein herrlicher Samstag Mitte September. Am Ulmer Marktplatz genießen mittags viele Menschen den Spätsommer. Andere schlendern gemütlich daher, wieder andere eilen mit Einkäufen Richtung Zuhause. Und dann sind da noch andere Menschen, die nebeneinander stehen und eine Kette bilden. Sie zeigen Banner von Amnesty International, den Naturfreunden, der "Seebrücke" oder dem Freundeskreis Asyl Elchingen und bunte Fahnen mit der Aufschrift "Pace", italienisch für Frieden. Für den Frieden werben all diejenigen, die zwischen dem Neu-Ulmer Petrusplatz und dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz in Ulm oder von dort Richtung Wengenkirche eine Menschenkette formiert haben.

Zugegebenermaßen eine ziemlich löchrige. Trotzdem waren die Teilnehmenden überzeugt, dass ihre Aktion Sinn ergibt. Allzu große Beachtung beim Rest der Bevölkerung war allerdings nicht zu beobachten. Als vor zwei Jahren zum ersten Mal eine Menschenkette von der Nordsee bis zum Mittelmeer gebildet wurde, war die Kette noch durchgängig gewesen. Diesmal nicht. "Das liegt vielleicht daran, dass wir heute zwei Stränge haben, da verteilen sich die Leute mehr", meinte Mitorganisator Reinhold Thiel von der Ulmer Ärzteinitiative. Menschenketten wurden von Hamburg aus in ganz Deutschland und Österreich gebildet und gingen bis nach Chioggia am italienischen Mittelmeer. In Ulm war sie zudem Teil der Friedenswochen. In Ulm und Neu-Ulm waren den Veranstalter-Organisationen zufolge rund 300 Frauen und Männer gekommen.

300 Menschen bilden "Rettungskette für Menschenrechte" in Ulm und Neu-Ulm

Die "Rettungskette für Menschenrechte" hätte es auch im vergangenen Jahr geben sollen, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. Sie soll "ein Zeichen für Menschlichkeit und Menschenrechte sowie gegen das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer, verursacht durch die europäische Abschottungspolitik" setzen. Eine halbe Stunde, von 12 bis 12.30 Uhr, wurde die Kette wie geplant aufrechterhalten. Sven Fauth, junges Mitglied des Bündnisses "Seebrücke", das sich für sichere Fluchtwege und die Entkriminalisierung von Seenotrettern einsetzt, ist überzeugt: "Wir können zusätzlich Menschen aufnehmen. Es kann nicht sein, dass Schiffe ewig auf dem Meer herumtreiben und keinen Hafen ansteuern dürfen. Ulm ist ein sicherer Hafen."

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz mahnte Dieter Oppermann von der Diakonie Württemberg eindringlich: "Man lässt niemanden ertrinken!" Insgesamt habe dieses Schicksal schon 21.500 Flüchtlinge ereilt, in diesem Jahr bis jetzt 1369. Eine Woche vor der Bundestagswahl müsse man das ins Bewusstsein der Menschen rücken. Simone Schliemann als eine Hauptrednerin sprach angesichts der Flüchtlingsverteilung in Europa von einer "humanitären Katastrophe". "Nur Hilfe vor Ort leisten, aber keine Flüchtlinge aufnehmen, ist bei manchen Ländern nicht neu." Vor allem müsse das Lagersystem beendet werden. Fatima Bayat vom Verein "Menschlichkeit Ulm" beschäftigte sich vor allem mit den schlechten Verhältnissen in Afghanistan. Sie bezeichnete die Taliban als "Terroristen" und warf den europäischen Ländern vor, zu den "unmenschlichen Geschehnissen dort" zu schweigen. Ein weiteres verbales Mahnmal, sich für Menschlichkeit, Frieden und Freiheit einzusetzen.

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