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Ulm

16.01.2020

Zwei neue Leiter dirigieren das Heeresmusikkorps Ulm

Hinter dem sinfonischen Blasorchester des Heeresmusikkorps Ulm liegen turbulente Monate. Nicht nur, dass gleich zwei neue Dirigenten die Leitung übernahmen. Zudem formierte sich Protest gegen die Auftritte des Heeresmusikkorps Ulm. Vor allem Kirchenkonzerte im Advent, kritisierte eine Gruppe von Aktivisten.
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Hinter dem sinfonischen Blasorchester des Heeresmusikkorps Ulm liegen turbulente Monate. Nicht nur, dass gleich zwei neue Dirigenten die Leitung übernahmen. Zudem formierte sich Protest gegen die Auftritte des Heeresmusikkorps Ulm. Vor allem Kirchenkonzerte im Advent, kritisierte eine Gruppe von Aktivisten.

Plus Lutz Bammler und Dominik Koch sind die neuen Dirigenten des Heeresmusikkorps Ulm. Welche Ziele sie sich setzen und wie sie mit Kritik umgehen.

Das Heeresmusikkorps Ulm durchlebt eine Zeit des Wandels, seit ihr Leiter Matthias Prock das Orchester im Herbst 2019 verlassen hat. Die Suche nach einem Dirigenten begann – und die Lösung kann man als außergewöhnlich bezeichnen. Ein Militärmusiker wurde aus dem Ruhestand zurückgerufen und einer, der bislang gar keinen Kontakt zur Bundeswehr hatte, wurde ganz neu verpflichtet. So leiten nun Musikoffizier Lutz Bammler und sein Stellvertreter Dominik Koch das Orchester zu zweit.

Bammler sagt: „Die Situation hier ist speziell.“ Eigentlich befand sich der Bundeswehrdirigent Bammler, Status Fregattenkapitän, seit 2014 im vorzeitigen Ruhestand. Doch dann ereilte ihn, der zuletzt in Wilhelmshaven dirigiert hatte, der Ruf aus dem Süden – aus Ulm. „Ob ich die See vermisse? Ja, natürlich“, sagt Bammler und lacht. Aber musikalisch fühle er sich in Schwaben jetzt schon heimisch. In den 90er-Jahren dirigierte er bereits einmal in Ulm, als Praktikant leitete er beim Musikkorps einige Proben. Über die Jahre hinweg konnte er im musikalischen Dienst beobachten, wie sich die Musikensembles der Bundeswehr entwickelt haben. „Die Orchester werden immer professioneller und sinfonischer. Und dieses Orchester in Ulm hat einen besonderen Leistungswillen. Hier herrscht keine Beamteneinstellung, so wie man sich das vielleicht klischeehaft vorstellt.“

Lutz Bammler und Dominik Koch leiten nun das Heeresmusikkorps Ulm

Bammler erzählt, er sei in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Seine Mutter sang, sein Vater spielte professionell Flöte, obwohl er als Kind Schlagzeug hätte lernen wollen – doch der Großvater wollte das nicht. Und so erfüllte sich der Sohn, Lutz Bammler, diesen Wunsch und wurde Schlagzeuger.

Zwei neue Leiter dirigieren das Heeresmusikkorps Ulm

Das Verhältnis zwischen den Dirigenten beiden wirkt jetzt schon vertraut. Gegenseitig bezeichnen sie sich als „alte Hasen“ – allerdings aus verschiedenen Gründen. Bammler nennt seinen jungen Kollegen so, weil dieser schon seit September hier dirigiert, als zwischenzeitlicher Chef. Koch bezeichnet Bammler wiederum als alten Hasen, weil er in der Bundeswehr schon viele Stationen durchlaufen hat. Der Mann aus Rostock war Musiksoldat in der Luftwaffe, im Heer und bei der Marine.

Einen ganz anderen Weg führte Dominik Koch nach Ulm. Seine Uniform, blaues Hemd und graues Jackett, trägt er erst seit Kurzem. Er hat in Mannheim Lehramt für das Fach Musik und in Augsburg Blasorchesterleitung studiert. Doch dann bekam der freischaffende Dirigent mit, dass das Heeresmusikkorps nach einem Dirigenten suchte. „Es war für mich eine tolle Gelegenheit, die ich ergreifen musste. Vor allem weil es wenige professionelle Blasorchester auf diesem Niveau gibt, mit denen man zusammenarbeiten kann.“

Dominik Koch hat Lehramt im Fach Musik und Blasorchesterleitung studiert

Bammler sagt über seinen jungen Kollegen: „Er ist ein fertiger Musiker, aber noch kein fertiger Soldat.“ Koch ist Quereinsteiger, oder im Jargon der Bundeswehr „Seiteneinsteiger“ in der Probezeit. Koch müsse sich mit dem Wörterbuch der Bundeswehr vertraut machen, sagt Bammler. Auf Koch wartet eine Ausbildung mit Cheflehrgängen, aber auch klassischen Soldatenpflichten wie Leistungsmarsch und Schießübungen. Das ist die Voraussetzung, um selbst einmal die Rolle als leitender Musikoffizier zu übernehmen. Aus Kochs Sicht ist Ulm ein gutes Pflaster: „In dieser Region hat Blasmusik Tradition, vor allem auch in ihrer sinfonischen Varian-te.“ Das Heeresmusikkorps übernehme auch eine Vorbildfunktion für Amateur-Sinfonieorchester.

Am Gatter, gleich beim Eingang zur Wilhelmsburg-Kaserne, lehnt ein Transparent. Darauf steht: „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.“ Das ist ein Bundeswehr-Slogan, an dem sich das Heeresmusikkorps Ulm in den vergangenen Monaten messen musste. Protest wurde laut. Bei Auftritten in Ulm und Stuttgart demonstrierten Aktivisten. Ein Bündnis aus Vertretern der Linken und diverser Initiativen verfasste einen offenen Brief, der Konzerte der Bundeswehr in Kirchen scharf kritisiert. Der Vorwurf: Solche Auftritte seien Propaganda und zudem Geldverschwendung. Koch äußert sich mit Bedacht: „Neutral formuliert, finde ich diesen Protest schon verwunderlich.“ Natürlich stelle das Orchester die Bundeswehr nach außen hin dar. „Aber es geht uns nicht darum, Propaganda zu betreiben oder mit unseren Konzerten Soldaten zu rekrutieren.“ Lutz Bammler sagt: „Unsere Auftritte sind allesamt Benefizkonzerte. Das geht in dieser Debatte vollkommen unter.“

Bammler: "Wir sind in erster Linie für die Betreuung der Truppen zuständig."

Worin besteht die wesentliche Aufgabe eines Heeresmusikkorps aus Bammlers Sicht? „Wir sind Teil der Bundeswehr und in erster Linie für die Betreuung der Truppen zuständig.“ Bammler war selbst schon für ein viertel Jahr in Afghanistan, um Militärmusiker vor Ort auszubilden. Und am 3. Oktober dieses Jahres wird auch das Heeresmusikkorps Ulm nach Afghanistan reisen.

Dominik Koch und Lutz Bammler teilen sich das musikalische Programm, von Konzert zu Konzert. Die Ausrichtung ist dabei klar sinfonisch, das betonen sie immer wieder. Auf dem vorläufigen Programm für die Frühjahrssaison stehen Blasmusikkomponisten wie Alfred Reed, aber auch Gershwin und Tschaikowsky. Bald schon, am Sonntag, 26. Januar, spielt das Heeresmusikkorps „The armed Man“ von Karl Jenkins – eine Friedensmesse.

Lutz Bammler, geboren 1960, studierte am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau. Er wurde beim Zentralen Orchester der NVA eingesetzt und nach der Wiedervereinigung Deutschlands in die Bundeswehr übernommen. Hier wurde er Zweiter Musikoffizier im Lufwaffenmusikkorps Berlin, danach übernahm er die Chefstelle des Heeresmusikkorps in Neubrandenburg und wechselte 1996 zum Luftwaffenmusikkorps Münster.

Dominik Koch, geboren 1983, wuchs in der Nähe von Heidelberg auf und ist nun Hauptmann im Grad eines Zweiten Musikoffiziers. Er hat Blasorchesterleitung studiert und war freischaffender Dirigent und Dozent.

Das Heeresmusikkorps Das Ensemble des Heeresmusikkorps Ulm wurde 1956 gegründet und ist eines von 15 Heeresmusikkorps der Bundeswehr. Insgesamt spielen rund 50 Instrumentalisten mit Holz- und Blechblasinstrumenten in diesem professionellen Blasorchester.

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