Basketball Ulm

14.01.2014

Schomers bei den Scheichs

Einer von vielen imposanten Pokalen: Peter Schomers (ganz rechts) hat mit der Mannschaft des Al Ahli Clubs in den vergangenen Jahren acht von neun möglichen Titeln abgeräumt.
Bild: Al Ahli Club

Der frühere Ulmer Spieler hat als Trainer in Dubai sein Glück gefunden. Der Blick auf das Bankkonto entschädigt für diverse sportliche Probleme

Die Fernbeziehung mit seiner langjährigen rumänischen Lebensgefährtin Julia ging zwar in die Brüche. Ansonsten hat Peter Schomers am Persischen Golf jedoch sein Glück gefunden. „Natürlich will ich eines Tages mal wieder im deutschen Basketball auftauchen“, sagt der Mann, der von 1993 bis 1995 für Ulm gespielt hat und in der Saison 1995/96 Assistenztrainer war. „Aber momentan ist das kein Thema. Ich kann es mir finanziell gar nicht leisten, in nächster Zeit von hier fort zu gehen.“ Bereits in seiner dritten Saison arbeitet der mittlerweile 51-Jährige als Trainer des Al Ahli Clubs in Dubai und gewann in dieser Zeit mit dem Scheich-Verein acht von neun möglichen Titeln. „Vor meiner Ankunft hatte das Team eine lange Durststrecke. Seither haben wir fast alles abgeräumt und kaum ein Spiel verloren“, berichtet Schomers voller Stolz.

Was sich für den Erfolgstrainer auch auf dem Bankkonto lohnend niederschlägt: Abgesehen von den großen Drei Bayern München, Bamberg und Berlin könnte wohl kaum ein Bundesligist sein derzeitiges Gehalt stemmen. „Wenn die Scheichs etwas gerne haben, lassen sie es nicht mehr los“, sagt Schomers schmunzelnd. Im Sommer vergangenen Jahres verlängerte er seinen Vertrag zu finanziell verbesserten Bedingungen bis 2015.

Nach seinem Abschied aus der Bundesliga vor knapp elf Jahren ist der gebürtige Oberbayer zu einem Weltenbummler geworden: Drei Jahre trainierte er in Österreich, zwei in Rumänien. 2009 zog es ihn erstmals in den Nahen Osten: Er übernahm die Beirut Hoops und später auch das libanesische Nationalteam.

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Danach lockten die Emirate. „Die Scheichs kaufen alles zusammen, was sie im Nahen und Mittleren Osten für gut befinden. Auch ich bin eingekauft worden“, berichtet Schomers. Nach einer Saison in Kuwait folgte 2011 der Wechsel nach Dubai, jene gigantische Erdöl-, Wirtschafts- und Tourismus-Metropole, in der Geld keine Rolle zu spielen scheint, in jene Stadt der Superlative, die in Reiseführern als achtes Weltwunder beschrieben wird. „Das Tempo, in dem hier die Gebäude hochgezogen werden, ist atemberaubend“, schildert Schomers.

Der ehemalige Ulmer ist seit drei Jahren mittendrin. Und er ist sogar ein wenig heimisch geworden. Mit Strandläufen und Wüstentouren auf einem seiner beiden Motorräder verbringt er seine Freizeit. Kürzlich hat er sich sogar eine Eigentumswohnung zugelegt. Immer wieder kommen Freunde oder ehemalige Mitspieler zu Besuch, zu Silvester war der langjährige Bundesliga-Profi Paul Hamilton, der unter anderem in Ludwigsburg gespielt hat, sein Gast. „Klar vermisse ich Deutschland“, sagt Schomers. „Aber hier gibt es nichts, was es nichts gibt.“

Das Leben in der zu 90 Prozent von Zuwanderern bevölkerten Millionenmetropole Dubai ist, abgesehen vom Fastenmonat Ramadan, längst westlich geprägt, auch Sprachprobleme existieren nicht: Englisch ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten die zweite Amtssprache, sämtliche Beschilderungen sind neben arabischen zusätzlich auch in lateinischen Schriftzeichen ausgewiesen.

Der Blick auf das Bankkonto, auf den zumeist wolkenlosen Himmel über Dubai und das vor der Haustür liegende Meer entschädigen auch für so manche sportliche Unzulänglichkeit. „Die fundamentalen Fehler sind zuweilen zum Haare raufen“, sagt Schomers über das spielerische Niveau seines fast ausschließlich aus einheimischen Spielern bestehenden Teams. Er ist deswegen weniger ein Headcoach als vielmehr ein Basketball-Lehrer, der seinen Schützlingen die Feinheiten des Spiels beibringen muss. „Die Araber haben grundsätzlich wenig Geduld und wenig Disziplin. Das macht sich auch auf dem Spielfeld bemerkbar“, sagt der Deutsche, der seine Aufgabe jedoch als „große Herausforderung“ sieht.

Das sportliche Niveau der aus acht Teams bestehenden heimischen Liga (vier aus Dubai, je zwei aus den benachbarten Emiraten Abu Dhabi und Sharjah) und der internationalen Wettbewerbe wie Golf- oder Asienmeisterschaft mag Schomers nicht mit den deutschen und europäischen Spielklassen vergleichen: „Je länger man, so wie ich, im Ausland arbeitet, umso mehr gewöhnt man sich das ab. Der Korb hängt auf der selben Höhe und die Spielregeln sind die gleichen. Aber die Spielkultur hier ist eine ganz andere.“

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