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Leichtathletik

20.08.2020

Stabhochspringerin Stefanie Dauber: Endlich an der Spitze

Die frisch gekürte deutsche Meisterin im Stabhochsprung beim Training im Ulmer Donaustadion: Seit Ende 2014 gehört Stefanie Dauber zum SSV Ulm 1846, nach einigen Vizemeisterschaften klappte es jetzt mit dem Titel.
Bild: Stefan Kümmritz

Plus Eigentlich wollte Stefanie Dauber vom SSV Ulm 1846 mit dem Stabhochsprung aufhören. Doch dann wurde sie deutsche Meisterin. Jetzt hat sie ein neues Ziel: Tokio.

4,40 Meter, das ist ganz schön hoch. Nicht aber für Stefanie Dauber vom SSV Ulm 1846. Die 33-jährige Stabhochspringerin hat in Braunschweig kürzlich mit dieser Höhe die deutsche Meisterschaft gewonnen. Zwar musste sie sich den Titel mit Ria Möllers von Bayer Leverkusen teilen, die mit der gleichen Anzahl von Versuchen ebenso 4,40 Meter gemeistert hat, aber das schmälert die Freude der SSV-Athletin auch einige Tage nach der DM kein bisschen.

„Es waren besondere Titelkämpfe. Erstens wegen der Atmosphäre in einem Stadion ohne Zuschauer – was ich eigentlich gar nicht mag –, zweitens, weil ich zum ersten Mal den Titel gewonnen habe und drittens, weil es keine Siegerehrung gab, was ja ein herrlicher Moment ist, sondern man sich die Urkunde und Medaille selbst von einem Stand abholen musste.“ Aber Stefanie Dauber, die Ende 2014 vom USC Mainz zum SSV 46 gekommen war, ist immer noch froh, „dass es überhaupt deutsche Meisterschaften gab“.

4,40 Meter klingen in der Szene der Stabhochspringerinnen zwar nicht gigantisch, wenn man bedenkt, dass der deutsche Rekord von Silke Spiegelburg, aufgestellt im Jahr 2012, bei 4,82 Metern und der Weltrekord von Jelena Issinbajewa ( Russland) seit 2009 bei 5,06 Metern steht, aber zum einen weist die Ulmerin eine Bestleistung von 4,46 Metern auf und zum anderen hat sie noch Luft nach oben. In Deutschland sind überhaupt erst sechs Athletinnen höher gesprungen als Stefanie Dauber. „Ich wusste, als ich zehn Jahre lang nie über vier Meter kam, dass ich höher springen kann und weiß auch heute, dass bei 4,46 Metern noch nicht Schluss ist.“

Stefanie Dauber ist Deutsche Meisterin im Stabhochsprung

Eigentlich wollte die deutsche Meisterin dieses Jahr mit ihrem geliebten Sport („Ich kann nur Stabhochsprung, das ist mein Ding. Ohne Stab geht nichts“) Schluss machen, weil sie am 1. Oktober ihren Freund Tim heiraten will, der sie zu allen Wettkämpfen begleitet. „Aber jetzt habe ich den Titel gewonnen, nachdem ich in den vergangenen beiden Jahren jeweils Vizemeisterin war und ich hoffe auf Olympia“, erklärt Dauber. Wobei sie genau weiß, dass die Teilnahme an den Spielen nächstes Jahr in Tokio nur sehr schwer zu schaffen sein wird – falls diese wirklich stattfinden. Vereinfacht gesagt: Um dann dabei zu sein, muss sie entweder die Norm von 4,70 Metern knacken oder nach einem komplizierten Punktesystem unter den 32 Besten der Weltrangliste sein. Momentan ist sie die Nummer 35. Aber Dauber geht die Sache gelassen an: „Ich möchte so hoch wie möglich springen“, sagt sie und zeigt, dass sie unbefangen und ohne Angst an die Höhen rangeht. „Erst mal muss man sich natürlich beim Anlauf trauen und dann einen Tunnel entwickeln. Beim Einstich wird der Sprung entschieden. Wenn der nicht gut ist, sollte man abbrechen und kein Risiko eingehen.“

Zur Leichtathletik ist die 33-Jährige früh gekommen. Erst mit ihrer Mutter im Mutter-Kind-Turnen, dann hat sie sich für Rope-Skipping begeistert, ein bisschen geturnt und getanzt. Erste Erfahrungen hatte sie in der Leichtathletik beim Block- und beim Dreikampf gesammelt und dann kam sie als Jugendliche zu Trainer Günther Schwarz in Idstein. „Nach einem halben Jahr wechselte er nach Wiesbaden, wo ich geboren bin, und der Vater einer Werferin hat gemeint, ich solle es mal mit Stabhochsprung probieren.“ Bei Trainer Rolf Nukies hat sie dann ihre ersten Versuche absolviert „und es hat gleich gut funktioniert“, wie sich Stefanie Dauber erinnert. Mit 16 Jahren hat sie unter ihrem langjährigen Trainer Gerald Heinrich den Stabhochsprung endgültig als ihre Disziplin erklärt. Weiter ging es in Mainz beim damaligen Bundestrainer Herbert Czingon. Als der in die Schweiz zog, übernahm Balian Buschbaum das Training. „Als er mit dem Stabhochsprung aufhörte, fiel unsere Gruppe auseinander.“

SSV Ulm 1846: Dauber möchte zu Olympia 2021 in Tokio

An der Mainzer Ausländertrainerschule traf sie aber auf einen Topmann aus Südafrika, der fortan mit ihr – auch per Video – übte. „Dazu bin ich drei Jahre lang öfter nach Pretoria geflogen“, erzählt die deutsche Meisterin. „Doch dann meinte er, ich müsse zu einem Trainer nach Deutschland.“ Damals machte Stefanie Dauber gerade ein Studium für Internationales Management, Bereich Spitzensport in Ansbach. Sportlich ging es aber schlecht weiter: 2012 riss bei ihr das Kreuzband im linken Knie, was sie zwei Jahre zurückwarf. Kaum war der verheilt, folgte ein Kreuzbandriss im rechten Knie und wieder war eine lange Pause angesagt.

„Ich habe aber nie die Freude am Stabhochsprung verloren“, so die SSV-Athletin. Sie entschied sich, nach Ulm zu gehen, doch mit dem damaligen Trainer Julian Rudziak kam sie nicht so recht klar. „2016“, so berichtet sie, „habe ich bei Wolfgang Beck angefangen und gleich mit 4,10 Metern Bestleistung erzielt. Dann ging es immer höher. Und mit einem härteren Stab kann es noch besser werden.“ Und das Schönste am Stabhochsprung? „Wenn man auf der Matte landet und die Latte noch oben liegt“, sinniert die junge Frau, die beim SSV 46 mit einer halben Stelle im Veranstaltungsmanagement arbeitet. Und sonst? „Die Arbeit mit Wolfgang Beck ist das Beste, was mir passieren konnte.“

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