Der Ukraine-Krieg hat die Ulmer Friedensbewegung gespalten. „Äußerst gegensätzliche Positionen“ gebe es innerhalb der Gruppen der Friedensbewegten, sagte Lothar Heusohn am Hans-und-Sophie-Scholl-Platz, wo am frühen Karsamstagnachmittag der Ostermarsch der Friedensbewegung endete. Gemeinsamer Nenner sei aber: Jeder Angriffskrieg ist als Völkerrechtsbruch zu verurteilen.
Nationalflaggen waren beim Ostermarsch nicht erwünscht
Etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter mit den Ulmer Gruppen befreundete Initiativen vom Bodensee, waren in Ulm vom Weststadthaus vorbei an Rüstungsfirmen wie Hensoldt und Airbus DS in die Innenstadt gezogen, viele mit Pace-Flaggen. Ein Großteil gehörte offensichtlich der Generation an, die schon in den Anfangstagen der Ostermärsche in den frühen 60er-Jahren dabei war. Nationalflaggen hatte sich die Organisatoren verbeten, was auch eingehalten wurde. Die Teilnehmer forderten, versammelt um ein Peace-Zeichen aus Grablichtern, mit dem Slogan „Frieden schaffen ohne Waffen!“ Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine und das Ende von Waffenlieferungen. Die Vielfalt der Gruppen, von denen Vertreter zum Ostermarsch gekommen waren, reichte von DKP, MLPD und der Linken über den Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten bis hin zu Pax Christi. Grüne und SPD hatten den Aufruf nicht unterstützt.
Entsprechend unterschiedlich waren auch die Forderungen, die auf Plakaten, auf einer Mauer aus Kartons und auf herumgereichten Handzetteln zu lesen waren: Auf mehreren Plakaten wurden die „Leitmedien“ als Feind ausgemacht, antiamerikanisches wie „Ami go home“ war da zu lesen. Der Rückzug Russlands und Reparationszahlungen wurden ebenso gefordert wie „Keine Unterstützung für das faschistoide Selenskyj-Regime“.
Die Abschaffung der Bundeswehr wurde verlangt, das Ende von „Militärkonzerten“ in der Pauluskirche und von Militärseelsorge, die Umwandlung des Bundeswehrkrankenhauses in eine zivile Klinik und das Aus einer Beteiligung der Bundeswehr an Ausbildungsmessen. Lothar Heusohn, Mitorganisator der Ulmer Friedenswochen, äußerte sich entsetzt und empört darüber, dass der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) Friedensdemonstrationen als „die hässlichste Fratze Deutschlands und eine Schande für unser Land“ bezeichnet hatte. Die Friedensbewegung werde diffamiert, so Heusohn. Sie sei nicht Propagandistin Putins, aber auch nicht Propagandistin der Nato.
Aktivistin fordert beim Ostermarsch die Aufnahme von mehr Flüchtlingen
Als Rednerin hatte die Friedensbewegung die Tübinger Aktivistin der Informationsstelle Militarisierung Jacqueline Andres nach Ulm geholt, die einen Systemwechsel und Milliarden für Klimaanpassungsmaßnahmen im globalen Süden forderte. Ihr Redebeitrag, währenddessen aus der Menschenmenge ein Hitlergruß zu hören war, deckte sich in weiten Teilen mit ihrer Rede beim Münchner Ostermarsch des Vorjahres. Rund 5,5 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes werde vom Militär verursacht, so Andres, und das Militär diene zur Sicherung des Zugangs und des Imports von fossilen Energien und verschärfe damit den Klimawandel. Zudem profitiere das Militär von einem „Krieg gegen Migration“. Jacqueline Andres, die sich gegen eine EU-Abschottungspolitik äußerte, forderte die Aufnahme von „viel mehr Menschen“ in der EU. „Flucht ist Menschenrecht!“, so die Aktivistin.