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Neuburg

26.04.2020

Ein Jahr ohne Volksfeste rund um Neuburg geht an die Existenz

2020 wird ein Jahr ohne Volksfeste: Den Süßwarenverkauf auf dem Volksfest in Neuburg gibt es erst im kommenden Jahr wieder.
Bild: Silke Federsel

Plus Festwirte und Schausteller treffen die Absagen der Volksfeste im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen hart. Was sie fordern und was kommen soll.

Die Corona-Pandemie hat Bayern nach wie vor im Griff und bremst das öffentliche Leben aus. Zuletzt wurde sogar das größte Volksfest der Welt, das Oktoberfest, abgesagt. Doch nicht nur die Münchener Wiesn muss heuer eine Zwangspause nehmen, auch in der Region sind alle Volksfeste passé. Für Besucher und Partygänger trübe Aussichten, verfestigt sich doch 2020 als spaßfreies Jahr weitgehend ohne Sozialkontakte. Der Verzicht aufs Vergnügen ist das eine, für die betroffenen Festwirte und Schausteller geht es aber um mehr, nämlich um ihre wirtschaftliche Existenz.

2020 wird ein Jahr ohne Volksfeste: Der Süßwarenverkauf auf dem Volksfest in Neuburg (links) und die ausgelassene Bierzeltstimmung beim Barthelmarkt in Oberstimm sind wegen der Corona-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben.

Das Karlshulder Donaumoos-Volksfest wird ersatzlos gestrichen

Am Donnerstag war klar, dass auch das Karlshulder Donaumoos-Volksfest ersatzlos gestrichen wird. Nach dem Wiesn-Aus war der Ersatztermin im September nicht mehr zu halten. „Schweren Herzens“, wie Bürgermeister Michael Lederer zugab. „Aber die Gesundheit geht vor. Es macht heuer einfach keinen Sinn.“ Michaela Kemper, Festwirtin der Lanzl GmbH, für die in Karlshuld traditionell die Saison startet, ein herber Schlag. „Für uns ist das ein schwerer Einschnitt, es ist ein Berufsverbot. Wir müssen jetzt von den Rücklagen leben, die Ausgaben laufen aber weiter. Unsere Festangestellten haben wir in Kurzarbeit geschickt.“ Noch schlimmer erwische es freilich die Saisonarbeiter, die gar keine Absicherung hätten. Alleine in Karlshuld beschäftige ihr Unternehmen normalerweise rund 60 Servicekräfte, Auf- und Abbauer und Küchenhilfen. Sie zählt auf den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, den Branchenverband der Gastronomen, der sich bei der Politik verstärkt um finanzielle Hilfen für seine Mitglieder, deutschlandweit rund 65.000, bemüht. Trotz der wirtschaftlichen Not, den die Infektionsschutzmaßnahmen mit sich bringen, steht Michaela Kemper hinter den rigiden Maßnahmen. „Es ist bitter für alle Beteiligten, aber wirtschaftliche Gründe müssen in diesen Zeiten hinten anstehen. Die Sicherheit der Menschen geht vor.“

Etwas verbittert ob der Lage ist Stefan Heinzlmeir aus Bruck, der vor etlichen Jahren die Heinzlmeir Gastrobetrieb GmbH von seinem Vater Paul übernommen hat. Weit und breit bekannt und beliebt auf allen Festen im Neuburger Umkreis sind die Heinzlmeir-Steaksemmeln. „Mich trifft es volle Kanne, ich bin arbeitslos.“ Er dürfe sich mit seinem Stand nirgends hinstellen und es bringe auch wenig, weil die Leute ja zuhause bleiben sollen. „Wir haben Schulden wie andere auch. Es muss bald weitergehen, sonst stehen wir blöd da.“

Ein Jahr ohne Volksfeste rund um Neuburg geht an die Existenz

Karl Deiml hofft auf Lockerungen nach Pfingsten

Karl Deiml, Wirt des traditionsreichen Hotel- und Brauereigasthofes Neuwirt in Neuburg, ist auf dem Neuburger Volksfest mit dem Weißbiergarten vertreten. „Das ist ein schönes Zusatzgeschäft für die Liquidität und für Anschaffungen.“ Er habe zwar Verständnis für die Absage, aber irgendwie müsse man auch wieder „aus dem Schlamassel herauskommen“. Er setzt auf Lockerungen nach Pfingsten, um zumindest seine Gaststätte mit Hotel wieder betreiben zu können. „Momentan haben wir 10 bis 20 Prozent des normalen Übernachtungsaufkommens, Geschäftsreisende oder Monteure.“ Dabei wäre jetzt Auftakt der Fahrradsaison und sein Haus bei dem schönen Frühlingswetter voll, vermutet er. „Das ganze Jahr wird schwer“, ahnt Deiml. Darum müsse sich etwas tun, Lockerungen sollen kommen, so seine Forderung. Bei Einhaltung der Abstandsregeln und entsprechender Gästebeschränkung hofft er, wenigstens seinen Biergarten bald öffnen zu können.

Sascha Feger wünscht sich Süßwaren to go

Auch Sascha Feger, Enkel von Gründer des Süßwarenstandes Peter Winterholler, dem Sprecher der Schausteller auf dem Neuburger Volksfest, hat es hart getroffen. „Bei mir fehlen 100 Prozent der Veranstaltungen, es kommt also nix rein.“ Seine Branche ist im Landesverband des Deutschen Schaustellerbunds (DSB) organisiert, der gute Lobbyarbeit betreibt, meint er. „Das ist auch nötig, denn vielen von uns wird die Luft ausgehen. Sie werden wegbrechen, denn sie haben kein finanzielles Back-up.“ Seine letzten Einnahmen stammten vom Christkindlmarkt. Das reiche normalerweise gerade bis April zum Start der Volksfestsaison. Abhilfe, meint Sascha Feger, könnte eine Regelung wie am Wochenmarkt mit To-Go-Produkten und ohne Sitzgelegenheiten bringen. „Wir hoffen, dass so was ab September möglich ist. Ein Bierzelt mit 5000 Leuten, das ist klar, wirst du heuer nicht mehr füllen dürfen.“

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