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Ingolstadt

20.05.2015

Frau soll Bekannten getötet haben - Alkohol veränderte ihr Verhalten

Bei dem Prozess geht es auch um die Alkoholsucht der Angeklagten.
Bild: Symbolbild, Bernd Weißbrod (dpa)

Eine 40-Jährige soll einen Bekannten getötet haben. Bei dem Prozess in Ingolstadt geht es auch um die Frage, wie Alkohol ihr Verhalten veränderte.

Wie betrunken war die geständige Angeklagte in der Nacht auf den 14. Mai 2014, als sie ihren 51-jährigen Bekannten aus Reichertshofen um das Leben brachte? Das ist – neben dem Todeszeitpunkt – die zentrale Frage in dem Totschlagsprozess am Landgericht Ingolstadt. Wie mehrfach berichtet hatte die Angeklagte, eine 40 Jahre alte gebürtige Neuburgerin, zum Prozessauftakt die Tat zugegeben. Zumindest, so weit sie sich erinnert.

Es wird versucht, ein Bild der Alkoholsucht der Frau zu schaffen

Die 5. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Thomas Denz und die sachverständigen Ärzte, psychologischen Gutachter und Rechtsmediziner bemühen sich seither, ein möglichst genaues Bild von der Alkoholsucht der Frau zu machen. Wann begann der Abusus? Was könnten die Ursachen dafür sein? Wie viel vertrug die Frau? Was trank sie? Wie veränderte sich dabei ihr Verhalten? Dass sie eigentlich ausschließlich Wodka trank, hatte die Angeklagte selbst gesagt.

Verschiedene Zeugen aus ihrem näheren und nächsten Umfeld berichteten gestern, was der mit ihr machte. Dass die studierte Kunsthistorikerin nüchtern eine „kluge“, „begabte“, „sprachlich sehr gewandte“, „interessant denkende“ im Umgang „witzige, unterhaltsame“ Frau gewesen sei, die viel Talent mitbrachte und berechtigte Hoffnung auf eine außergewöhnlichere Laufbahn machte, das sagten viele.

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Wie sich diese „attraktive“ Frau während und nach dem Genuss von etwa einer Flasche Wodka veränderte, beschrieben ein paar von ihnen, die es erlebt hatten. Ein paar Sätze stellvertretend für die Einschätzungen, die gestern vor Gericht getroffen wurden: „Wenn die Flasche leer ist, musste man in Deckung gehen.“ „Nach einer Flasche brach alles auseinander.“ „Das ist, wie wenn man eine Seite in einem Buch umschlägt. Die eine ist weiß, die andere schwarz.“

Nicht wenige verwendeten bei der Beschreibung dieses Zustandes das Adjektiv „aggressiv“. Einer von ihnen, ein Berliner, hatte später nach einer solchen alkoholisiert-aggressiven Episode einen von ihr mit dem Fingernagel zugefügten Riss. Dort, wo es besonders wehtut. Er musste ins Krankenhaus. Ein anderer sprach von Kopfnüssen und rabiatem Verhalten. Ein Dritter von einer eingeschlagenen Scheibe. Nicht alle der gestern vor Gericht Befragten hatten sie übergriffig erlebt. Es waren aber auch nicht wenige.

Was trieb die Frau in die Alkoholsucht?

Warum driftete die als so „talentiert“ beschriebene Frau so ab? Eindeutige Antworten gab es darauf gestern vor Gericht erwartbar keine. Vielleicht Hinweise. Das Verhältnis zwischen Eltern und Tochter war über die Jahre immer schwieriger geworden. Der Vater sagte gestern vor Gericht aus. Verschiedene Beziehungen von ihr waren gescheitert. Nicht zuletzt auch am Alkohol. Auch die Letzte war daran zugrunde gegangen. Das hatte ihr Ex-Freund gestern vor Gericht gesagt.

Dass die Angeklagte in ihrer Zeit in Berlin während der Obdachlosigkeit Gewalt erfahren habe, hatten mehrere Zeugen bestätigt. Ob sie in dieser Zeit, wie sie selbst ausgesagt hatte, vergewaltigt worden sei, blieb vage. Manche hatten davon gehört. Wirklich Konkretes berichteten die dazu befragten Zeugen nicht.

Gab es Therapieversuche? Einen Ernsthaften hatte es in Berlin nach Aussage ihrer Betreuerin gegeben. Dann sei sie aber in Behandlung dreimal rückfällig geworden und hatte die Therapie abgebrochen. Der Prozess wird am 10. Juni fortgesetzt. kuepp

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