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Neuburg

09.08.2019

Kommunalwahl in Neuburg: Sechs Konkurrenten für OB Gmehling?

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Frank Thonig ist der zweite Bewerber, der gegen OB Bernhard Gmehling antreten will. Dafür hat er jetzt eine eigene Wählergruppe namens WIND gegründet. 
Bild: Manfred Rinke

Plus Die meisten Parteien haben bereits einen Kandidaten für die OB-Wahl 2020. Nur die AfD sagt ab. Auch eine neue Wählergruppierung namens „WIND“ will mitmischen.

Durch Neuburg soll ein frischer Wind wehen. Zumindest wünschen sich das die Unterstützer jener Wählergruppe, die am Donnerstagabend aus der Taufe gehoben wurde. WIND heißt sie. Es ist das Akronym für Wähler Initative Neuburg Donau und an ihrer Spitze steht Frank Thonig. Er ist der Mann, den die Freien Wähler nicht als ihren OB-Kandidaten wollten. Deshalb hat er nun eine eigene Wählergruppe gegründet.

Bei der Gründungsversammlung im Gasthaus Pfafflinger wurde Thonig deshalb auch zum Vorsitzenden und Sprecher der Gruppe gewählt. Seine Stellvertreterin ist Dr. Franziska Hildebrandt, Christa Brüning hat die Funktion als Schatzmeisterin übernommen. Als Beisitzer fungieren Andrea und Max Haberzettel, Helge Heinemann sowie die Freien-Wähler-Mitglieder Norbert Specht, Noppo Heine und Anita Kerner.

WIND wurde eigens für Frank Thonig gegründet

In den nächsten Wochen will die WIND dann auch einen OB-Kandidaten küren. Das wird zweifelsohne Frank Thonig sein. Im Augenblick hat er noch den Status eines Bewerbers, nach der Aufstellungsversammlung wird er aber offiziell zum Kandidaten gekürt. Mit einem weiteren Bewerber ist sicher nicht zu rechnen, denn WIND wurde einzig und allein aus einem Grund gegründet: Um Thonig doch noch eine Kandidatur zu ermöglichen, nachdem er bei den Freien Wählern abgeblitzt war und die sich stattdessen für Florian Herold entschieden hatten.

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Dass sich unter den Gründungsmitgliedern der neuen Wählergruppierung auch Freie-Wähler-Mitglieder befinden, bedauert Ortsvorsitzender Florian Herold. Ob jene Mitglieder nun weiterhin bei den Freien Wählern bleiben, sieht er in erster Linie als moralische Frage: Kann man es mit seiner Überzeugung vereinbaren, als Freier Wähler eine andere Wählergruppe zu unterstützen? Florian Herold gibt darauf keine Antwort, sondern sagt nur: „Ich hoffe, das erledigt sich irgendwie von allein.“

Anita Kerner verlässt die Freien Wähler für WIND

Zumindest im Falle von Anita Kerner tut es das. „Ich werde den Ortsverband der Freien Wähler verlassen“, sagte sie auf Nachfrage. Dem Kreisverband will sie aber treu bleiben und nächstes Jahr auch wieder für den Kreistag kandidieren. „Ich tue das, weil ich auf Kreisebene auf anderem Wege nicht kommunalpolitisch aktiv sein kann.“ Ob sie sich für die Stadtratsliste der WIND aufstellen lassen wird, stehe noch nicht fest: „Das wird sich bis Mitte Oktober entscheiden.“ Anita Kerner saß neun Jahre lang für die Freien Wähler im Neuburger Stadtrat, hat das Gremium 2007 aber nach internen Querelen verlassen. Im Kreistag vertritt sie jedoch nach wie vor die Freien Wähler.

Abschied Anita Kerner Freie Wähler Stadtrat Neuburg 2017
Bild: Marcel Rother

Bis Frank Thonig offiziell gegen Bernhard Gmehling um das Amt des Neuburger Oberbürgermeisters antreten darf, gilt es noch, einige Hürden zu überwinden. Sobald Thonig zum Kandidaten ernannt wurde, muss er innerhalb einer bestimmten Frist 190 Unterstützer finden. Erst dann wird Thonig für die Wahl zugelassen. Die Frist wird voraussichtlich irgendwann Anfang Februar liegen. Doch unabhängig davon müssen sich die WIND-Mitglieder schon früher Gedanken um ihr Wahlprogramm machen. Das soll bis spätestens Mitte Oktober stehen, sagte Thonig. Themen werden unter anderem alternative Mobilitätsformen sein, um die Innenstadt zu entlasten, sowie der Uni-Campus.

Steht schon als Herausforderer auf Seiten der Freien Wähler fest: Florian Herold.
Bild: Manfred Dittenhofer

Frank Thonig ist 57 Jahre alt und lebt in Neuburg und München. 28 Jahre war er im Golfgeschäft tätig, zuletzt beim Wittelsbacher Golfclub, wo er Ende 2017 als Geschäftsführer ausschied. Nachdem er genügend Zeit hatte, um „körperlich und geistig aufzutanken“, wie er sagt – unter anderem hat er im Rahmen seiner Dozententätigkeit am IST-Studieninstitut ein Lehrbuch über Golfbetriebsmanagement geschrieben –, sei er jetzt an einem Punkt angelangt, „wo ich wieder aktiv sein, wieder etwas Sinnvolles machen möchte“. Sein nächstes Ziel: Oberbürgermeister.

  • Freie Wähler: Als erste Partei in Neuburg haben sich die Freien Wähler aus der Deckung getraut. Wie berichtet, haben sie sich für Florian Herold als ihren Bewerber entschieden – und nicht für Frank Thonig, der sich ebenfalls den Freien Wählern als OB-Kandidat angeboten hatte und nun eigene Wege geht. Florian Herold ist 40 Jahre alt und kommt aus Göttingen (Niedersachsen). Seit 15 Jahren lebt er in Neuburg und arbeitet als Teamleiter im Kinopalast. Vor zwölf Jahren trat er den Freien Wählern bei, nur ein Jahr später engagierte er sich schon aktiv. Herold ist verheiratet und hat einen einjährigen Sohn.
  • Die Grünen: In trockenen Tüchern ist die Kandidatensuche auch bei den Grünen. „Der- oder diejenige hat sich entschieden und auch das private Umfeld hat sich positiv geäußert“, erzählt Kreisvorsitzende Karola Schwarz. Der Name soll allerdings noch geheim bleiben. Erst Ende September/Anfang Oktober wollen die Grünen mit Details an die Öffentlichkeit treten. Karola Schwarz ist aber soviel zu entlocken, als dass der Kandidat „eine interessante Persönlichkeit mit viel Potenzial“ ist. Er oder sie sei zwar kein Parteimitglied, aber dafür ein „echtes Neuburger Gewächs“ und noch relativ jung. Die Chancen, dass ihr Spitzenkandidat in den Stadtrat gewählt wird, hält sie für recht hoch. „Unser Ziel ist es, die jetzigen zwei Sitze im Stadtrat zu erhalten, unser Wunsch wäre es aber, auf drei Sitze zu erhöhen.“
  • SPD: Eine „interessante Alternative zu den anderen“ will die SPD präsentieren. Dabei handelt es sich um einen Neuburger bzw. eine Neuburgerin und ein Parteimitglied – mehr will Ortsvorsitzender Heinz Schafferhans nicht verraten. Andreas Fischer, der zuletzt für den Landtag kandidiert hatte, wird es aber nicht sein, verriet Schafferhans. „Zweimal hintereinander sollte man nicht denselben ins Rennen schicken.“ Mit dem Namen will die SPD Mitte September an die Öffentlichkeit gehen, wenn das neue Bürgerbüro in der Blumenstraße eröffnet wird.
  • Die Linke: Auch die Linken schicken einen Kandidaten ins Rennen – „einen bekannten Neuburger“, wie Parteisprecher Roland Keller verriet. Weil die Linken zusammen mit den Piraten und der Satirepartei „Die Partei“ eine Liste stellt, muss der Kandidat nicht zwangsläufig aus den eigenen Reihen kommen. Ende August wollen sie mit dem Namen an die Öffentlichkeit geben.
  • FDP: Die FDP hat ebenfalls einen Kandidaten an der Angel, der allerdings noch nicht zugebissen hat. Gespräche laufen, wie Vorsitzende Bettina Häring sagte. Einen Plan B gibt es nicht: Sollte derjenige absagen, müsse sich die FDP notgedrungen aus dem Wahlkampf zurückziehen.
  • AfD: Definitiv keinen Kandidaten wird die AfD 2020 ins Rennen schicken. „Es will keiner machen, weil alle berufstätig sind“, sagt Kreisvorsitzende Christina Wilhelm unumwunden. Auch sie selbst habe keine Ambitionen, als OB-Kandidatin anzutreten. In die kommunalen Gremien will es die AfD dagegen schaffen. Sowohl in Neuburg als auch in Schrobenhausen wird es Stadtratslisten geben, sagte Wilhelm. Jene Kandidaten werden auch für den Kreistag kandidieren. Darüber hinaus wird die AfD nächstes Jahr auch auf den Wahlzetteln in etlichen Gemeinden zu finden sein. „Im Auge haben wir momentan Rennertshofen, Burgheim, Königsmoos und Ehekirchen, weil wir dort jeweils genügend Mitglieder haben.“ Rohrenfels, wo die AfD bei den Landtags- und Europawahlen die meisten Stimmen holen konnte, steht dagegen aktuell nicht auf der Liste. Der Grund: Es fehlt an ausreichend Mitgliedern. Doch Christina Wilhelm gibt sich optimistisch: „Wir werden mal rumfragen, ob sich nicht trotzdem jemand aufstellen lassen möchte.“ Denn um in den Gemeinderat gewählt werden zu können, muss der- oder diejenige selbst kein AfD-Mitglied sein, sondern nur von einem Mitglied vorschlagen werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Claudia Stegmann: Warum OB Gmehling Stimmen einbüßen wird

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