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Neuburg

23.08.2019

Oberbürgermeister Huniar wird 70

Günter Huniar sitzt gerne in dem Café im Fürstgartencenter. Hier sieht man ihn regelmäßig bei einer Tasse Cappuccino. Am Sonntag wahrscheinlich nicht. Er feiert im Kreise der Familie seinen Geburtstag.
Bild: Dorothee Pfaffel

Hans Günter Huniar hat als Oberbürgermeister Neuburg 18 Jahre lang geprägt. Wie er sich gefühlt hat, als die Bürger plötzlich einen anderen wollten.

Hans Günter Huniar muss man nicht sehen, um ihn zu erkennen: Sein Lachen ist schallend, seine Stimme markant. Steht er dann vor einem, hat er meist ein charmantes Lächeln auf den Lippen und einen netten Gruß parat. Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Neuburg mischt sich gerne unters Volk: Regelmäßig sitzt er im Café bei einem Cappuccino, im Wirtshaus bei einem Bier oder im Theater mit Ehefrau Christel. Huniar genießt das Leben und inzwischen auch den Ruhestand. Als Jurist und OB war er mehr als umtriebig. In seiner 18-jährigen Amtszeit hat er zahlreiche bedeutende, aber auch sehr kostspielige Projekte umgesetzt – darunter ein Verkehrskonzept, etliche Sanierungsmaßnahmen und einige Neubauten. Am Sonntag wird der Mann, der 2001 das Verdienstkreuz am Bande erhielt und 2017 zum Ehrenbürger Neuburgs ernannt wurde, 70 Jahre alt.

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Geboren wird Günter Huniar – den „Hans“ lassen die meisten seiner Freunde und Bekannten weg – am 25. August 1949 als erstes Kind der Eheleute Hedwig und Hans Huniar im Markt Gangkofen in Niederbayern. Die Eltern stammen ursprünglich aus Rumänien und kommen erst durch Flucht und Gefangenschaft im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland. In Gangkofen eröffnen sie eine Hand-Weberei für Teppiche und Kleidung. 1960 zieht die Familie nach München, wo Günter Huniar das Gymnasium besucht. Er spielt Violine, turnt und „kickt“. Ab 1969 studiert er an der Ludwig-Maximilians-Universität Jura und schließt als einer der Besten ab. Im April 1973 heiratet er seine Frau Christa – kennengelernt hat er sie auf einem Faschingsball. Ein Jahr später zieht das Ehepaar nach Ingolstadt und Tochter Kristin wird geboren.

Bereits mit zwei Jahren hatte Huniar ein gewinnendes Lächeln.
Bild: Huniar

Günter Huniar arbeitet zunächst in der Justiz

Im Juni 1978 beginnt Huniars juristische Laufbahn als Regierungsrat im Bayerischen Staatsministerium der Justiz. Keine zwei Jahre später wechselt er in die Zweigstelle Ingolstadt des Landgerichts München II. 1982 wird er Richter an den Amtsgerichten Ingolstadt und Neuburg. Dort verhandelt er Strafsachen. Unter anderem habe er mal einen Bürgermeister aus dem Landkreis „verknackt“, weil dieser einfach eine Straßenraupe verschrotten ließ, die eigentlich einem Verein gehörte. Als Huniar sich an diese Geschichte zurückerinnert, lacht er – sein typisches schallendes Lachen. Nach nur einem Jahr wird er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Bundesverfassungsgericht abgeordnet, das heißt, er prüft Fälle dahingehend, ob Grundrechte verletzt worden sind – ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter, der allerdings zur Folge hat, dass er Frau und Kind nur noch am Wochenende sieht. Werktags wohnt Huniar nun in einer kleinen Wohnung in Karlsruhe.

Oberbürgermeister Huniar wird 70

Weihnachten 1983 kommt schließlich die überraschende und äußerst kurzfristige Anfrage der DU („Die Unabhängigen“) – eine Wählergruppe, die sich erst kurz zuvor in Neuburg gegründet hat –, ob er nicht als OB kandidieren wolle. „Ich habe das für einen verfrühten Aprilscherz gehalten“, erzählt er. Dann tut Huniar das, was er immer getan hat: Mit der Einstellung, er habe ja nichts zu verlieren, hört er sich die Vorschläge und Ideen der Gruppe an – und springt ins kalte Wasser. Die DU gefällt ihm. „Das waren alles Leute, die was bewegen wollten“, erklärt er seine Entscheidung. Die Nominierungsveranstaltung findet im Café Huber statt, Wahlkampf kann Huniar nur am Wochenende betreiben. Die einzige Zeit, die ihm auch mit seiner Familie bleibt. „Meine Frau stand hinter mir, aber es war schon schwierig. Das ging an die Substanz.“

Dass er die Wahl 1984 tatsächlich gewinnen würde, damit hätte er nie gerechnet, sagt Huniar. Doch genau so kommt es: Er setzt sich gegen Anton Sprenzel (CSU), Horst Gutjahr (SPD) und Paul Huber (Bürgerblock) durch. Huniar gibt seinen Posten in Karlsruhe auf. Sein damaliger Chef, Professor Engelbert Niebler, Anhänger der CSU, habe damals zu ihm gesagt: „Bei mir sind alle etwas geworden, nur einer ist abgedriftet.“ So erzählt es zumindest Huniar – und wieder muss er laut lachen.

Günter Huniar zieht von Ingolstadt nach Neuburg

Kurz nach der Wahl zieht Huniar mit seiner Familie nach Neuburg. 1985 wird Sohn Kristof geboren. Die Verantwortung zuhause wächst und auch die Aufgaben als OB gestalten sich nicht gerade einfach. Nur drei weitere DU-Mitglieder sind im Stadtrat vertreten, von einer Mehrheit ist Huniar mit seiner Gruppe also weit entfernt. „Wir führten harte Debatten, oft sehr gegensätzlich.“ Dennoch seien quer durch alle Fraktionen Beschlüsse zustande gekommen. Parteizugehörigkeit sei nicht so entscheidend gewesen, sagt der Ex-OB.

Günter Huniar als OB mit seinem charakteristischen breiten Lachen.
Bild: vm

Huniar überzeugt als Oberbürgermeister. Zweimal wird er wiedergewählt, 1990 und auch 1996. Bei seiner dritten Kandidatur muss er allerdings bereits gegen Bernhard Gmehling in die Stichwahl. Rückblickend glaubt Huniar, er habe den Wunsch der Bürger nach einer zweiten Donaubrücke unterschätzt. Sein Verkehrskonzept ist auf Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Personennahverkehr ausgerichtet. So führt er zum Beispiel die Stadtbuslinien ein und lässt verschiedene Radwege bauen.

2002 kommt dann das Aus für Günter Huniar (Freie Wähler). Ein Großteil der Neuburger wählt ihn nicht wieder, er erhält nur noch 29,1 Prozent der Stimmen. Diesmal gewinnt Gmehling (CSU) – und zwar deutlich mit 53,2 Prozent.

Die Niederlage hat Günter Huniar zugesetzt

Als Günter Huniar sich an die Niederlage vor 17 Jahren erinnert, verändert sich sein Gesichtsausdruck, das Lächeln verschwindet. „Da fühlt man sich plötzlich sehr einsam“, beschreibt er seine Gefühle von damals. Das Wahlergebnis sei für ihn völlig unerwartet gekommen. „Das haut schon brutal rein“, gesteht er. Er habe den Wahlkampf zu leicht genommen, habe gedacht, seine Arbeit, die er 18 Jahre lang geleistet hatte, würde für ihn sprechen. Als am Tag der Wahl, es ist der 3. März 2002, feststeht, dass Huniar nicht länger OB sein wird, gratuliert er Gmehling im Rathaus – und zieht sich zurück. Nur langsam erholt er sich von dem Schock. Gute Freunde bauen ihn auf, der damalige Landrat Richard Kessler bringt ihm Wildbret vorbei, nimmt ihn mit auf die Jagd. Huniar sucht sich eine neue Aufgabe, wird Anwalt in einer Ingolstädter Kanzlei. In seiner Freizeit fährt er Fahrrad, schwimmt im Brandlbad, das er als OB sanieren und erweitern ließ, oder geht Wandern.

Politisch interessiert ist Huniar bis heute. Er ist er nach wie vor Kreisrat. Und selbst mit 70 hat er noch Ideen, wie er Neuburg gestalten würde: das Gebiet um die Schießhausstraße aufwendig sanieren, ein Parkdeck für die Pendler am Bahnhof bauen und eine Tiefgarage im Stadtberg schaffen. Bei diesen Gedanken ist Huniar sofort wieder derjenige, wie man ihn kennt: Die Augen blitzen – und der Mund verzieht sich zu einem breiten Lächeln.

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