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Ehekirchen-Schönesberg

11.03.2018

Sein letztes Heimspiel

„Ich stehe zur Verfügung – auch in Zukunft“, versprach Horst Seehofer bei seiner Abschiedsvorstellung als Stimmkreisabgeordneter bei der Delegiertenversammlung. CSU-Kreischef Alfred Lengler (links), der den künftigen Innenminister mit Handschlag in Schönesberg begrüßte, hörte es gerne. In der Mitte Seehofers Pressesprecher und Büroleiter, der Ingolstädter Jürgen Fischer.
Bild: Xaver Habermeier

Horst Seehofer nahm bei der Delegiertenversammlung Abschied als Stimmkreisabgeordneter. Die Heimat steht im Mittelpunkt seines Resümees – und ein Versprechen.

Zuhause ist dort, wo man seine Wurzeln hat, und im besten Fall ein Ort, wohin man immer wieder gerne zurückkehrt – der Menschen wegen. „Ich werde euch immer unterstützen“, rief Horst Seehofer den Delegierten auf der Nominierungsversammlung in Schönesberg bei seinem letzten Auftritt als Stimmkreisabgeordneter im Landkreis zu. Am Mittwoch wird der 68-Jährige in Berlin zum Bundesminister vereidigt, er übernimmt das neue Superressort Innen- und Heimatministerium. Auch in dieser Position, versprach der Noch-Ministerpräsident seinem Parteivolk, werde er sich treu bleiben. Und das ist sein Vermächtnis: „Wir üben mit unserem Mandat keine Herrschaft aus, sondern wir leisten einen Dienst an den Menschen.“

Es war 19.40 Uhr am Freitagabend, die Delegiertenversammlung lief seit gut einer halben Stunde, da betrat Horst Seehofer den Daferner-Saal. Das Parteivolk erhob sich, stehende Ovationen, strahlende Gesichter, Händeschütteln, Blitzlichtgewitter. Der scheidende Bezirksrat Robert Knöferl hatte da gerade in seiner Abschiedsrede das Stichwort gegeben: „Heimat gibt uns Halt und Zukunft und sie ist es wert, sich dafür einzusetzen.“ Horst Seehofer, der den Stimmkreis fünf Jahre lang vertrat, kann das unterstreichen. Ein Ministerpräsident als Abgeordneter hat Gewicht, doch der Gerolfinger beließ es nicht bei Symbolpolitik. Er habe sich seit jeher für seine Heimat eingesetzt, ganz gleich, in welcher Position, sagte er später am Mikrofon. Zum vierten Mal steht er ab Mittwoch an der Spitze eines Ministeriums, seine Heimat hatte er auch zuvor, ob in Bonn oder in Berlin, nie vergessen.

Die Liste der Projekte, die Seehofer allein in Neuburg und Umgebung angeschoben hat, ist lang und reicht über zahlreiche Straßenbauprojekte, wie den mehrspurigen Ausbau der B16, bis zur durchgesetzten Schließung der Gemeinschaftunterkunft in der ehemaligen Lassigny-Kaserne Ende 2019. Dafür scheute er auch keine Umwege, ungewöhnlich war die Stippvisite in Neuburg vor zwei Jahren zwischen Besuchen in Berlin und Budapest, als der Ministerpräsident mit der Stadtratsfraktion über eine zweite Donaubrücke und den Hochschulcampus sprach. „Ich bin persönlich sehr glücklich, dass die Bürger im zweiten Anlauf von der Brücke überzeugt werden konnten. Eine so prosperierende Stadt braucht eine zweite Donaubrücke“, sagte er in Schönesberg dazu.

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Seehofers Resümee geriet nicht zum wehmütigen Rückblick. „Der Wechsel ist die Beständigkeit, im Leben und in der Politik. Was ich machen durfte und mache, wäre ohne eure Unterstützung nicht möglich“, blickte er voraus auf seine neue Aufgabe in Berlin, und die Landtagswahl in Bayern. Er wünsche sich einen sachlichen Wahlkampf, menschlich und mit Anstand – und zeigte dabei sein wohlbekanntes, süffisantes Lächeln. Ob er ahnte, dass Kreisvorsitzender Alfred Lengler vor der Wahl des Landtagskandidaten in den Angriffsmodus schaltete und ein paar Salven abfeuerte an die Adresse von Roland Weigert (FW), des vermeintlich stärksten Gegner von CSU-Kandidat Matthias Enghuber. „Er will Brücken bauen und das muss er auch, weil er eine ganze Reihe eingerissen hat“, spielte Lengler auf ein Wahlkampfmotto des Landrats an.

Horst Seehofer lauschte gelassen und räsonierte am Rande der Versammlung nochmals darüber, was die Heimat für ihn konkret bedeutet. „Ich bin immer noch Parteivorsitzender der CSU“, ließ er durchblicken, dass er bei wichtigen Themen in Bayern durchaus noch ein Wörtchen mitzureden gedenke. So eine Herzensangelegenheit ist zum Beispiel der dritte Nationalpark, den das Kabinett auf Seehofers Geheiß vor zwei Jahren beschlossen hatte. Markus Söder, der am 16. März die Nachfolge als Ministerpräsident antreten wird, hatte zuletzt durchblicken lassen, dass er kein Verfechter dieses umstrittenen Projektes ist. Vor der Landtagswahl soll es keine mehrheitsgefährdenden Kontroversen geben, so sein Credo. Seehofer ficht das freilich nicht an. In Gerolfing sei er praktisch an und mit der Donau aufgewachsen, „das war unser Lebensraum“, weshalb ihm ein Nationalpark Donau-Auen besonders am Herzen liege. „Das ist ein wunderschöner Naturraum, ich bin ein glühender Verfechter und der Nationalpark ein historisches Projekt.“ Die ökologische Glaubwürdigkeit müsse ein Markenkern der CSU werden, da habe man noch Defizite. „An erster Stelle für die Menschen in Bayern, das unterstreicht mehr als eine Umfrage, stehen Natur und Landschaft.“ Aufgegeben habe er deshalb das Projekt nicht und manchmal müsse eine gute Idee erst wachsen, gab er sich zuversichtlich. „Dann fangen wir halt klein an, der Nationalpark muss ja nicht gleich von Donauwörth bis Kelheim reichen. Später wird das ein Erfolg, ganz sicher.“

Sprach’s und ging zurück zum Händeschütteln. Dann, kurz nach 22.30 Uhr, im Saal löste sich langsam die Versammlung auf, war er weg. Doch nur für diesmal. „Ich stehe zur Verfügung – auch in Zukunft.“ Es wird sicher Gelegenheiten geben, dieses Versprechen einzulösen.

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