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Manching

12.10.2019

Simuliertes Flugunglück in Manching

Zwei Feuerwehrleute, im Hintergrund ein havarierter Hubschrauber: Was nach einem tragischen Unfall klingt, war am Samstag die Übung der Einsatzkräfte auf dem Flugplatz in Manching. Die Darstellung der simulierten Katastrophe war außergewöhnlich realistisch.
Bild: Christof Paulus

Plus Einheiten von Bundeswehr, Feuerwehr und Rotem Kreuz haben auf dem Flugplatz Manching geübt. Auch Neuburger waren dabei. Einiges ist noch zu verbessern.

Haben Sie etwas von dem Flugunglück am Samstag auf dem Flugplatz in Manching gehört? Vermutlich nicht. Kein Wunder. Denn es gab auch keins. Dennoch tönte das Martinshorn über die Südbahn des Platzes, Löschfahrzeuge und Krankenwägen fuhren eilig über die Straßen innerhalb und außerhalb des Geländes. Denn die Einsatzkräfte übten das, was zu tun ist – dann, wenn es wirklich einmal so schlimm kommt, wie sie es sich am Samstagmorgen vorgestellt haben.

Um kurz nach halb zehn geht der Alarm los. Folgendes soll passiert sein: Eine Transall, ein militärisches Transportflugzeug, das so groß ist, dass man es sich kaum in der Luft vorstellen kann, und ein Hubschrauber sind über der Bahn kollidiert. Die Transall stürzt deshalb auf die Bahn, der Hubschrauber in den Wald zwischen Justierschießstand und Tanklager. Beide fangen Feuer, starker Rauch steigt auf.

Bei der Übung steigt Rauch über dem Flugplatz in Manching auf

Und genau hier beginnt die Simulation real zu werden: Durch Pyrotechnik werden bei der Übung tatsächlich Rauchwolken erzeugt, die Flugzeug und Hubschrauber einhüllen. Der Alarm ist kaum vorüber, als schon das erste Löschfahrzeug an der Transall eintrifft. Die Sanitäter folgen kurz später. Auch was sie zu sehen bekommen, ist dem Ernstfall erschreckend ähnlich: Ein Insasse hat eine tiefe Schnittwunde, die sich quer über seinen kahlen Schädel zieht. Ein anderer Mann brüllt vor Schmerz, als die Sanitäter ihn auf die Trage legen wollen. Keine Verletzung hier ist real. Aber jede täuschend echt.

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Die Rauchwolke rund um die Transall ist nur eine Veranschaulichung der Katastrophe, die die Einsatzkräfte auf dem Flugplatz üben.
Bild: Christof Paulus

Rund 30 Gäste beobachten das Geschehen von einem Erdwall aus der Entfernung, ihre Ferngläser stets griffbereit. Unter ihnen sind Vertreter der Polizei, der Bundeswehr oder der Kommunen. Im Vorgespräch sagt ihnen Flugsicherhheitsstabsoffizier Michael Pusch, welche Ziele die Übung haben soll. „Dass die Feuerwehr Brände löschen kann, das wissen wir“, sagt er. „Wir wollen die Kommunikation zwischen den Einheiten verbessern.“ Pusch hat die Übung geplant und vorbereitet. Und im Laufe des Vormittags merkt er: So manches lässt sich noch besser machen – sollte es einmal zu der Katastrophe kommen, auf die niemand hofft.

Einsätzkräfte auf dem Flugplatz in Manching. Dort wurde eine Katastrophe simuliert.
Video: Christof Paulus

Denn während sich rund um die Transall das erste Chaos bereits gelegt hat, ist es am zweiten Schauplatz nicht einmal ausgebrochen. Eine Frau hat sich den Weg aus dem havarierten Hubschrauber gebahnt, sie springt vor dem kleinen Wald auf und ab und schreit. „Hilfe!“, gellt es über das Feld. „Warum kommt denn keiner?“ Die Einsatzkräfte sind in den Ablauf der simulierten Katastrophe nicht eingeweiht. Die Feuerwehrleute im Löschfahrzeug, das nur 100 Meter vom Hubschrauber entfernt in Bereitschaft an der Landebahn stand, haben ihn wohl einfach übersehen. Sie sind schnurtracks zur Transall gefahren.

Ehrenamtliche aus Neuburg nehmen für das Rote Kreuz an der Übung teil

Dieter Koschmieder ist einer von den 240 Menschen, die auf dem Flugplatz im Einsatz sind. Er ist Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes in Neuburg und lobt, wie realistisch das Unglück nachgestellt wurde. Deshalb ist er sich sicher, dass er im Ernstfall nicht anders vorgehen würde. „Nach zwei bis drei Minuten ist man im Live-Modus“, sagt er. Seine Aufgabe bei der Übung: Die vorgeblich Verletzten im Krankenwagen von der Unfallstelle wegbringen. Dabei hakt es hin und wieder. „Verschiedene Stellen haben uns teils unterschiedliche Anweisungen gegeben“, berichtet er. Besonders schwer habe er den Weg vom Gelände herunter gefunden.

Einer der Insassen wird aus dem zerstörten Hubschrauber gebracht und betreut. Die rote Flüßigkeit ist glücklicherweise nur Kunstblut.
Bild: Christof Paulus

Offizier Pusch kann die Probleme, wie Koschmieder und seine Kollegen vom Roten Kreuz sie erkannt haben, gut nachvollziehen. „Wir haben Defizite bemerkt, unseren Lotsendienst und unsere Informationswege müssen wir verbessern“, sagt er. Ein Fazit könne man erst in den nächsten Tagen ziehen, doch klar ist bereits: „Wir werden unseren Anfahrtsplan ändern“, sagt Pusch. Festhalten will er, dass dies alles Probleme der Bundeswehr seien. Ein Erfolg sei die Übung auf alle Fälle, schließlich gehe es darum, Defizite zu erkennen.

Mit Kunstblut simuliert die Notfalldarstellung die Katastrophe in Manching

Und klar ist auch: Das Szenario stellt jeden im Einsatz vor schwere Aufgaben. Denn aus dem Hubschrauber wird der erste Patient inzwischen in Sicherheit gebracht, Kunstblut tropft ihm vom Bein. Währenddessen steigt unweit zunächst Rauch aus den Türen des Schießstandes, auch er soll Feuer gefangen haben. Als sei das nicht genug, gibt die Regie vor, dass auch das Gehölz um den Hubschrauber herum brennen soll – wenige Meter vom Tanklager entfernt. Dorthin dürfte der Brand sich auf keinen Fall ausdehnen – und wird er auch nicht. Kaum, dass der Rauch zwischen den Bäumen zu erkennen ist, spritzt die Feuerwehr ihr Wasser darauf.

Hier gibt es noch mehr Bilder von der Flugunfall-Übung, bei der unter anderem auch das Rote Kreuz aus Neuburg beteiligt war.

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