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Neuburg-Schrobenhausen

22.02.2021

Solidarität: So arbeitet die Nachbarschaftshilfe „Wir füreinander“ in Corona-Zeiten

Bei einem einmaligem Wiedersehen im September war das Karlshulder Strickcafé im Theresienbau noch gut besucht, bevor es dann erneut in eine Coronapause gehen musste. Vielen fehlt der regelmäßige Kontakt.
Bild: Andrea Hammerl

Plus Seit zehn Jahren gibt es die Nachbarschaftshilfe im Kreis Neuburg-Schrobenhausen. Durch die Pandemie wurden die Angebote stark eingeschränkt. Die Gemeinden wissen sich aber zu helfen.

Die Pandemie hat die Menschen nicht nur in die eigenen vier Wände gezwängt. Sie hat auch gezeigt, wie gelebter zwischenmenschlicher Zusammenhalt vor Ort aussehen kann. Wenn Angehörige von Risikogruppen aus Angst vor Infektionen nicht mehr einkaufen gehen können oder Hilfe bei anderen Botengängen benötigen, schlägt die Stunde der Nachbarschaftshilfe. Sie musste zwar ihr Angebot stark einschränken. Notwendige Unterstützung können die Ehrenamtlichen aber weiterhin leisten.

Johanna Knöferl
Bild: Caritas

Corona zeigt, dass ganz viel Solidarität vorhanden ist“ sagt Johanna Knöferl vom Caritasverband Neuburg-Schrobenhausen. Sie ist die zentrale Ansprechpartnerin für die Nachbarschaftshilfen im Landkreis, die unter dem Motto „Wir füreinander“ stehen. Das bedeutet in Zeiten von Corona auch, dass sie die Helfenden mit Hygienekonzepten und Schutzausrüstung ausstattet. „Der Schutz der Ehrenamtlichen hat oberste Priorität“, sagt sie. Besonders stolz ist sie auf die neue Internetplattform, die im vergangenen Jahr an den Start ging und wofür die Nachbarschaftshilfe den Bürgerpreis des bayerischen Landtags 2020 bekam. Damit soll die Hilfe leichter koordiniert und zwischen Angebot und Nachfrage vermittelt werden. „Da hängt mein Herzblut dran, denn ich will das Projekt analog und digital in die Zukunft führen“, sagt Knöferl. Zudem erleichtert ihr die zentrale Datenverarbeitung die Dokumentation von Einsätzen und im Notfall auch von Unfällen – die Caritas bietet den Helfenden stets einen Versicherungsschutz. Und für was ist die Nachbarschaftshilfe zuständig? „Das Credo ist: ’Ich mache Dinge, die ein guter Nachbar auch für dich tun würde’“, sagt Knöferl. Die Angebote sind in den einzelnen Gemeinden eigentlich recht unterschiedlich. Die Pandemie hat aber letztlich dazu geführt, dass meistens nur noch Botengänge übrig geblieben sind.

Die Nachbarschaftshilfe in Langenmosen gibt es seit seit einem halben Jahr

Zum Beispiel in Langenmosen. Die Nachbarschaftshilfe hier ist die jüngste im Landkreis, sie wurde erst im vergangenen Oktober gegründet und ist aus dem Projekt „inklusive Gemeinde“ entstanden. Noch ist der mangelnde Bekanntheitsgrad ein Problem. „Eigentlich haben wir einen großen Start mit Theater geplant. Wegen Corona blieb uns für das Bewerben nichts anderes übrig, als Flyer zu verteilen“, sagt die Koordinatorin für Langenmosen, Kathrin Kratzer. Dabei sei die Motivation bei den zwölf Ehrenamtlichen zwischen 19 und 70 Jahren prinzipiell recht hoch. Momentan beschränkt sich jedoch auch hier das Angebot größtenteils auf Botenfahrten zu Apotheken und Geschäften. Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, könnten aber beispielsweise wieder regelmäßige Seniorennachmittage veranstaltet werden. Außerdem gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Helferkreis Asyl.

In Karlshuld existiert die Nachbarschaftshilfe schon seit zehn Jahren. Besonders beliebt war vor der Krise das Strickcafé. „Da haben sich immer um die 30 Senioren getroffen und bei selbst gebackenem Kuchen und Kaffee gemeinsam gestrickt. Auch einige aus Eichstätt, Rohrenfels und Weichering waren dabei“, sagt die Koordinatorin für Karlshuld, Bianca Glöckl. Dabei ist das Strickcafé erst im vergangenen Jahr in den Theresienbau umgezogen, weil er barrierefrei ist und mehr Platz bietet als das Pfarrheim, welches wegen der Kirchensanierung von der Pfarrei selbst benötigt wird. „Leider waren wir aber nur einmal im Februar dort. Dann mussten wir das ganze erst einmal auf Eis legen“, sagt Glöckl. Unter Auflagen traf sich die Gruppe im September noch einmal, bevor das Strickcafé in eine erneute Coronapause gehen musste. Glöckl nimmt deswegen eine fortschreitende Vereinsamung unter den Senioren wahr. „Die fragen immer wieder, wann das Strickcafé wieder aufmacht.“

Nachbarschaftshilfe in Karlshuld: Einkaufshilfe und Fahrdienste

Daneben gibt es in der Karlshulder Nachbarschaftshilfe vier weitere Gruppen, wie zum Beispiel die Lesepaten und das Organisationsteam, das meistens spontane Fahrten zum Arzt organisiert. Insgesamt sind es 42 Ehrenamtliche, die Jüngsten gerade einmal 18. Corona hat hier dazu geführt, dass sich gerade die Jüngeren als Einkaufsboten engagieren, unter ihnen die Pfadfindergruppe vom Stamm Totila Karlshuld. Zwischen fünf und zehn Einkäufe erledigen sie pro Woche – alle kontaktlos mit einer von der Gemeinde bereitgestellten EC-Karte. Ab nächster Woche sollen dann auch wegen der zurückgegangenen Inzidenzahlen die Fahrdienste wieder anlaufen.

Diese sind seit jeher der Schwerpunkt der Burgheimer Nachbarschaftshilfe, wo vor allem ältere Leute zwischen 64 und 75 ehrenamtlich helfen. „Für Jüngere ist es oft schwieriger, weil sie weniger flexibel sind“, sagt die Koordinatorin Luise Grauvogel-Malchert. Die circa acht Helfer haben die Menschen vor der Krise regelmäßig zu Ärzten, in die Apotheke oder zur Physiotherapie gefahren. „Mit dem ersten Lockdown im vergangenen März hat das aber merklich abgenommen, weil auch die älteren Leute nur noch im Notfall zum Arzt sind und viel Verunsicherung geherrscht hat“, sagt Grauvogel-Malchert. Mittlerweile sei aber das Vertrauen wieder besser, auch weil die Ehrenamtlichen seit Herbst penibel auf Maskenschutz und Desinfektionsmittel setzen. Einkaufshilfen werden in Burgheim kaum mehr benötigt, die Krise hat die zwischenmenschliche Solidarität auch jenseits der Institution Nachbarschaftshilfe vertieft. „Corona hat Strukturen forciert, die Leute haben sich eher umgeschaut und die Hilfsangebote kommen selbstverständlicher aus dem direkten Umfeld.“

"Wir füreinander": Fest zum Zehnjährigen soll nachgeholt werden

Im vergangenen Jahr ist die Nachbarschaftshilfe im Landkreis zehn Jahre alt geworden. Ein geplantes Fest in Schrobenhausen mit Salonorchester und Sängerin Ende Oktober musste jedoch abgesagt werden. Johanna Knöferl, seit Anfang an dabei, ist trotzdem guter Dinge: „Vor zehn Jahren war es hier unvorstellbar, für was man sie braucht. Jetzt zeigt sich, wie zentral die Nachbarschaftshilfe ist.“ Der Festakt soll sobald wie möglich nachgeholt werden. „Mir geht es damit auch um die Wertschätzung der Ehrenamtlichen.“

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