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Interview

02.08.2019

Viktor Scheck: „Ich würde Karlshuld zum Zentrum machen“

Ein Künstler neben einem seiner Werke – ein gebürtiger Schrobenhausener, der in Neuburg lebt und in seinem Atelier in Niederarnbach mitten im Landkreis arbeitet: Viktor Scheck.
Bild: Manfred Rinke

Der Maler Viktor Scheck ist in Schrobenhausen geboren, lebt in Neuburg und hat sein Atelier in Niederarnbach. Ein Gespräch über das Verhältnis von Nord und Süd. 

Sie sagten einmal, Sie könnten erklären, warum das Interesse von Schrobenhausenern an Neuburgern und umgekehrt nicht so groß ist. Was befähigt Sie dazu?

Viktor Scheck: Ich bin in Schrobenhausen geboren und habe dort – abgesehen von sechs Jahren Studium in München und einem Jahr in Ingolstadt – bis 1999 gelebt. Vor 21 Jahren zog ich dann nach Neuburg und in der Mitte, in Niederarnbach, habe ich seit 15 Jahren mein Atelier. Ich habe also in jede Richtung meine Erfahrungen gemacht.

Was ist denn so anders zwischen Schrobenhausen und Neuburg?

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Scheck: Das hat ganz viel mit der Geschichte zu tun. Maßgeblich prägend für die Kunst, Politik und Kultur einer Stadt ist deren Geschichte. Neuburg ist eine alte Residenzstadt, war Fürstentum und hatte großen politischen Einfluss. Schrobenhausen war eine kleine, mittelalterliche Ackerbürgerstadt. Und diese Geschichte bildet sich im Selbstverständnis ab.

Wie meinen Sie das?

Scheck: Ich habe das Gefühl, dass bei den Neuburgern die stolzgeschwellte Brust breiter ist. Allein was Neuburg als Kleinstadt kulturell über viele Kulturvereine zu bieten hat, ist enorm. Neuburg nennt sich ja auch Kulturstadt, hat die wunderbare Altstadt mit dem Schloss, dem Theater, dem Jazzclub und ungemein viele, wiederkehrende Veranstaltungen wie Schloßfest, Donauschwimmen, Töpfermarkt oder Hutschau.

Ist in Schrobenhausen weniger los?

Scheck: Ich würde sagen, es ist auch viel geboten. Aber anders gelagert. Schrobenhausen hat eine professionelle Kultur-Szene speziell in der Bildenden Kunst und eine außerordentlich qualitative Vielfalt im Bereich der Malerei, Bildhauerei und Objektkunst. Aber ich weiß nicht, ob in den beiden Städten die Veranstaltungsflut das ganze Jahr über notwendig ist. Im Grunde ist es mittlerweile in jeder Kleinstadt ähnlich: Historische und identitätsstiftende Figuren werden instrumentalisiert und komprimiert. In Neuburg ist es Ottheinrich, in Schrobenhausen Lenbach.

Ist denn diese Werbung für die Städte schlecht?

Scheck: Schlecht vielleicht nicht, aber nicht immer zielführend. Im Grunde sind doch beide Städte Provinzen. Trotzdem gehen davon viele Impulse aus und strahlen auch überregional aus. Eine Provinz ist ja auch ein Kraftfeld, weniger den Moden und den schnellen Trends in Kultur und Kunst unterworfen. Das ist die Chance, eigene Marken zu setzen. Provinz-Avantgarde klingt doch gut! Lieber tapfer weg von Trends, stattdessen das Wagnis und neue Abenteuer suchen. Man muss kein Großstadt-Kulturprogramm kopieren.

An was liegt es denn, dass sich fast 50 Jahre nach der Gebietsreform immer noch tiefe Gräben zwischen Neuburg und Schrobenhausen auftun?

Scheck: Das Donaumoos war und ist nach wie vor eine unsichtbare Barriere , auch nach der Trockenlegung ab etwa 1790. Ende des 18. Jahrhunderts wurden fremde Siedler aus allen deutschen Regionen aufgerufen, die damals noch intakte Mooslandschaft zu besiedeln. Da zogen dann arme Leute, geködert mit großem Versprechen, hierher. Das waren Fremde in der Fremde. Für mich eine katastrophale Entscheidung Die Kultivierung dieses damals intakten Landstrichs war eine Megasünde. Da stünde jetzt ein einzigartiges Biotop, die CO²-Belastung wäre um ein Vielfaches niedriger und es wäre als Landschaft eine Touristenattraktion wie das Murnauer Moos oder die Lüneburger Heide.

Aber da sind Sie wohl etwas zu spät dran...

Scheck: Klar. Die Zeiten haben sich geändert und die im Moos lebenden Menschen kann man ja nicht wieder umsiedeln. Aber trotzdem: Es gibt bis heute auch keine vernünftige Straße zwischen beiden Städten, und mit dem Zug muss man erst den Umweg über Ingolstadt machen. Ich würde als Verbindung eine Straßenbahn oder Stadtbahn bauen. Die gibt’s ja auch zwischen Wien und Bratislava und eine Attraktion wäre sie obendrein.

Haben Sie weitere Ideen, um die Menschen im Süden und Norden des Landkreises näher zusammenzubringen?

Scheck: Ich würde Karlshuld zum Zentrum des Landkreises machen und dort das Landratsamt errichten. Ich würde auch den Namen ändern, nicht die Städte herausstellen, sondern die Landschaft. Vielleicht Donau-Paar-Kreis. Und dann gehört ein richtiges Kulturamt ins Landratsamt, das eine eigene Kulturpolitik macht und Veranstaltungen organisiert. Das kostet Geld, würde sich aber rentieren. Und ich würde auch das Haus im Moos stärker als Veranstaltungsort in den Mittelpunkt rücken und dort zum Beispiel einen großen Veranstaltungs- und Ausstellungssaal bauen.

Wenn Sie die Entwicklung der beiden Städte betrachten: Wen sehen Sie da für die Zukunft besser aufgestellt?

Scheck: Beide Städte sind in meinen Augen zu sehr auf das Auto fixiert. Mit dem jetzigen Ist-Zustand der Zentren dürfte keiner zufrieden sein, nur die, die ein berufliches oder geschäftliches Interesse haben. Auf den zunehmenden Verkehr reagieren beide Städte mit Trassen: Neuburg mit der zweiten Donaubrücke, Schrobenhausen mit der sogenannten „Goachatstraße“ durch ein Landschaftsschutzgebiet. Andere Alternativen werden gar nicht mehr diskutiert und künftige, innovative Entwicklungen unserer Mobilität ausgeblendet. Was aber Innenstadtentwicklung und Stadtplanung angeht, ist Schrobenhausen schon ein bisschen weiter und innovativer als Neuburg.

Belegen Sie das doch mal.

Scheck: Schrobenhausen versucht über Bürgerbeteiligungen, die alle Anlieger und Interessenten einbeziehen, eine innovative Form der Stadtentwicklung zu finden. Beispiel: Neugestaltung des Zentrums für Fußgänger, Radfahrer, Kinderwagen, Autos, Geschäftsleute, Anwohner und alle Bürger, die ins Zentrum kommen. So wie auch in Pöttmes, Rennertshofen, in Ingolstadt, Weißenburg oder Pfaffenhofen wird nun auch in Schrobenhausen das alte Zentrum neu gedacht, verhandelt und geplant. Da ist Neuburg leider immer noch leicht Diaspora und tut sich schwer, Ideen und Visionen öffentlich mit dem Bürger und Betroffenen zu diskutieren.

Wo sind Sie denn jetzt eigentlich am liebsten? In Niederarnbach, in Neuburg oder in Schrobenhausen?

Scheck: Da hat jeder Platz seinen Reiz. Hier um das Atelier im alten Gerichtsgebäude ist die Landschaft für mich als Maler ein Traum und immerwährende Aufforderung. Neuburg liegt wunderschön an der Donau, da habe ich viele Freunde gefunden. Und nach Schrobenhausen habe ich noch viele alte Beziehungen. Ich für mich habe den Landkreis schon lange vereint.

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