Newsticker
10.000 Impfdosen stehen bereit: Bayern beginnt mit Impfungen für Polizisten
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Wird Schrobenhausen zur Kinderwunschklinik?

Schrobenhausen

15.01.2019

Wird Schrobenhausen zur Kinderwunschklinik?

Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen könnte sich als Kinderwunschzentrum etablieren.
2 Bilder
Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen könnte sich als Kinderwunschzentrum etablieren.
Bild: Norbert Eibel

Es gibt eine neue Vision für das Kreiskrankenhaus. Eine Initiative möchte eine Gesetzesnovelle nutzen. Das Thema Geburt ist vor allem dem Bürgermeister wichtig.

Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU) kämpft seit drei Jahren für die Wiedereröffnung der Geburtsstation am Kreiskrankenhaus Schrobenhausen. Bislang vergebens, doch jetzt scheint eine Vision Gestalt anzunehmen, die dem Thema Schwangerschaft am Standort zu einem Comeback verhelfen könnte. In Schrobenhausen soll eine Kinderwunschklinik entstehen, in der kinderlosen Paaren geholfen wird.

Ins Rollen gebracht hat diese Idee jetzt der CSU-Bundespolitiker Erich Irlstorfer – Abgeordneter des Wahlkreises 214, zu dem auch der südliche Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zählt – auf dem „Zukunftstag Kinder- und Jugendmedizin“ im Kongressgebäude der Bauer AG. Kinderwunschzentren gibt es bislang nur in Großstädten, etwa in München oder in Augsburg. Die Absicht, das Kreiskrankenhaus weiter zu entwickeln, könnte mit der Reproduktionsmedizin auf einem alternativen Standbein fußen. In Schrobenhausen neben der Grund- und Regelversorgung ein Zentrum für Altersmedizin zu etablieren, ist schon seit längerem Gegenstand politischer Initiativen.

Das Kreiskrankenhaus könnte ein „Leuchtturm“ sein 

Erich Irlstorfer hatte den gynäkologischen Onkologen Dr. Christoph Neuhofer nach Schrobenhausen mitgebracht, der in Freising und Moosburg eine Gemeinschaftspraxis betreibt. Der Experte berichtete aus seinem Praxisalltag und nannte unter anderem die Zahl von 1000 Frauen, die in Deutschland jedes Jahr aufgrund einer Krebserkrankung und der nötigen Folgetherapie keine Kinder bekommen können. Diesen Frauen könnten vor der Behandlung Eizellen entnommen werden. Dazu bräuchte es jedoch eine Behandlung aus einer Hand und an einem Ort. Das Kreiskrankenhaus könnte, betonte MdB-Irlstorfer, so ein „Leuchtturm“ sein.

Neben der Lösung der Standortfrage gibt es allerdings mit der Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine weitere Hürde zu nehmen. Ohne Kassenzulassung ist eine Behandlung für die meisten Betroffenen nicht zu finanzieren. Das weiß auch Karlheinz Stephan und setzt auf die Politik in Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat noch im vergangenen Jahr ein Gesetz dazu vorgelegt. Die Kassen sollen die Konservierung von Ei- und Samenzellen für Krebskranke mit Kinderwunsch zahlen. „Die erste Lesung ging meines Wissens ohne Beanstandung durchs Parlament“, erklärt der Bürgermeister. Im April könnte das Gesetz verabschiedet werden.

Initiative ohne Kassenleistung für das Kreiskrankenhaus „totaler Blödsinn“

Das sei auch nötig, meint Klaus Brems (FW), Krankenhausreferent des Kreistags. Ohne Kassenleistung sei die Initiative „totaler Blödsinn“. Man bräuchte sonst eine eigene Privatstation und müsste sehr viel Geld investieren. Stellt sich die Frage, ob es dafür dann auch genügend Resonanz gäbe.“ Andererseits ändere ein Kinderwunschzentrum nichts an der geschlossenen Geburtsstation, fügt er noch an. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Gynäkologie bringt das nicht zurück.“ Dass die Idee jetzt in die Öffentlichkeit getragen wurde, das habe schon einen Beigeschmack, findet Brems. „Seit einem Jahr wird darüber parteiübergreifend verhandelt. Man hat eine politische Initiative gestartet und hatte eigentlich Stillschweigen vereinbart. Das Thema ist zu wichtig, um es im Wahlkampf zu verheizen.“ Jetzt habe die CSU im Vorfeld der Landratswahl genau das getan. „Schlechter Stil“, findet der FW-Kreisrat.

Bürgermeister Stephan sieht das naturgemäß anders. Die Veranstaltung am Samstag, bei der auch Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer gesprochen hatte, habe sich mit Gesundheitsthemen ganz allgemein beschäftigt. Unerfüllter Kinderwunsch habe zudem nicht nur gesundheitliche, sondern auch gesellschaftliche Gründe. Abhängig von der Lebensplanung spiele das Kinderkriegen bei vielen Frauen erst im vierten Lebensjahrzehnt eine Rolle. Eine Kinderwunschklinik in Schrobenhausen wäre eine Bereicherung nicht nur für die Region, findet Karlheinz Stephan.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren