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FC Ingolstadt 04

18.05.2013

Leitl: „Muss mich zusammenreißen“

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Zweitliga-Aufstieg 2008: Stefan Leitl (links) lässt sich mit seinen Teamkollegen im Cabriolet durch die Ingolstädter Innenstadt kutschieren.

Nach sechs Jahren bei den Schanzern wird Kapitän Stefan Leitl morgen gegen den 1. FC Köln zum letzten Mal das Trikot der Oberbayern tragen

Rein tabellarisch gesehen geht es am morgigen Sonntag (13.30 Uhr) in der Zweitliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt 04 und 1. FC Köln um die oftmals zitierte „goldene Ananas“. Während die Schanzer seit dem vergangenen Wochenende definitiv gerettet sind, ist der Aufstiegszug für die Geißböcke endgültig abgefahren.

Eine „ganz normale“ Begegnung bekommen die über 10000 Zuschauer im Audi-Sportpark dennoch nicht zu sehen. Der Grund: Nach sechs Jahren beim FC 04 bestreitet Kapitän Stefan Leitl sein letztes Punktspiel im Ingolstädter Trikot, nachdem sein am Saisonende auslaufender Vertrag seitens des Vereins nicht mehr verlängert wurde. Die Neuburger Rundschau hat den scheidenden 35-jährigen Publikumsliebling und Sympathieträger der Oberbayern zum großen Abschluss-Interview getroffen und ihn – wie es sich für einen Fußballer gehört – mit elf Fragen und Thesen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft konfrontiert.

1. Der Wechsel im Jahr 2007 zum FC Ingolstadt 04

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Leitl: „Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich habe bereits während der Hinrunde im Jahr 2006 schon mit Harald Gärtner verhandelt, als er noch Sportlicher Leiter bei den Sportfreunden Siegen war, und wäre beinahe schon in der Winterpause dorthin gewechselt. Als Gärtner dann selbst zum FC 04 gegangen ist, war ein Teil der Abmachung, dass er nicht mehr mit mir verhandeln durfte. Aus diesem Grund fand das erste Treffen mit einem Ingolstädter Verantwortlichen mit Peter Jackwerth am Nürnberger Hauptbahnhof statt (lacht). Natürlich gab es danach weitere Gespräche, die ich im Nachhinein als sensationell beschreiben würde – und zwar aus einem einfachen Grund: Die Visionen, die mir Jackwerth und Gärtner damals vorgestellt haben, sind in den darauffolgenden Jahren allesamt eingetreten. Ich hatte damals zahlreiche andere Angebote und der FC 04 stand nicht wirklich ganz oben auf meiner Favoritenliste. Doch letztlich habe ich mich von den beiden glücklicherweise überzeugen lassen, sprich: Peter Jackwerth und Harald Gärtner waren verantwortlich, dass ich letztlich in Ingolstadt gelandet bin.“

2. Die Entwicklung des FC Ingolstadt 04 in den vergangenen sechs Jahren

Leitl: „Eigentlich ist jede einzelne Spielzeit bei mir hängengeblieben, da sich der Verein von Jahr zu Jahr weiterentwickelt hat. Angefangen vom ersten Aufstieg in die 2. Bundesliga, als wir das ESV-Stadion komplett umbauen und erst zweitligatauglich machen mussten, über den sofortigen Wiederabstieg im darauffolgenden Jahr, der – wie ich jetzt im Nachhinein sagen würde – auch seine positiven Seiten hatte. Der junge Verein bekam so die Möglichkeit, sich neu zu finden beziehungsweise zu strukturieren. Auch das Thema Nachwuchsarbeit und zweite Mannschaft wurde hier komplett neu ausgerichtet und auf ein höheres Niveau gehoben. Nicht zu vergessen natürlich der erneute Aufstieg in die zweite Liga sowie der Bau und Einzug in den Audi-Sportpark. Jetzt sind wir dabei, uns im Profifußball entsprechend zu etablieren. Rückblickend bin ich schon stolz, dass ich an diesem ganzen Prozess mitwirken durfte.“

3. Der schönste Moment als FC 04-Spieler

Leitl: „Das war für mich ganz klar der Zweitliga-Aufstieg im Jahr 2010, zumal die gesamte Saison damals schlichtweg brutal war! Wir waren gerade abgestiegen, die Grundstimmung entsprechend schlecht – und dann betreten wir als Topfavorit in der dritten Liga absolutes Neuland! Wir hatten damals nur zwei, drei Akteure im Kader, die zuvor schon mal in dieser Spielklasse aktiv waren. Wir haben dann relativ schnell festgestellt, dass auch hier Fußball unter Profibedingungen gespielt und das Niveau entsprechend hoch war. Nach einem katastrophalen Start haben wir dann die Kurve bekommen und sind sogar Herbstmeister geworden. In der Rückrunde ist uns dann zunächst das Gas ausgegangen, ehe wir uns zum Schluss hin wieder gefangen und den dritten Platz belegt haben, der uns ja dann die Relegationsspiele gegen Rostock beschert hat. In solchen „Alles-oder-Nichts-Begegnungen“ kann sich niemand mehr verstecken. Um so stolzer war ich dann auch, als wir nach einem 1:0-Hinspielsieg nach Rostock gefahren sind und auch dort souverän mit 2:0 gewonnen haben.“

4. Der bitterste Moment

Leitl: „Neben dem Abstieg waren auch einige Spiele – wie beispielsweise in Duisburg oder Fürth, als wir jeweils sechs Gegentreffer kassiert haben und regelrecht vorgeführt wurden – dabei, die mich sehr lange beschäftigt haben. Dass man mal eine Partie hoch verlieren kann, ist immer möglich. Aber dass das mehrfach in einer Saison vorkommt, kannte ich so nicht.“

5. Die FC 04-Trainer in den zurückliegenden sechs Spielzeiten

Leitl: „Mein erster Trainer in Ingolstadt war Jürgen Press, der gemeinsam mit Peer Jackwerth hier alles auf den Weg gebracht hat. Ich denke, dass er das bis zur Regionalliga auch hervorragend gemacht hat. Danach hat die Mannschaft – und das hat der Verein ja auch erkannt – einen anderen Trainer-Typ gebraucht, der mit dem neu zusammengestellten hochwertigen Kader klar das Ziel Aufstieg in die 2. Bundesliga anvisiert. Das hat dann der neue Chefcoach Thorsten Fink gleich in seiner ersten Ansprache vorgelebt. Obwohl wir seinerzeit ein Spiel mehr und sieben Punkte Rückstand auf Ahlen hatten, waren seinen Worte: Ich möchte mit euch als Meister aufsteigen! Und das ist uns dann auch gelungen. Nach einer guten Hinrunde in der zweiten Liga haben wir dann leider alles verspielt und zahlreiche Matchbälle hergeschenkt. Thorsten musste daraufhin gehen und wurde von Horst Köppel ersetzt, der aber nicht mehr retten konnte.

Nach dem Abstieg lief es zunächst auch in Liga drei eher bescheiden, woraufhin Michael Wiesinger, der zuvor unsere „Zweite“ trainierte, übernahm. „Wiese“ hat auch einen sensationellen Job gemacht. Nach dem Aufstieg war jedoch die Tatsache, dass er gleichzeitig seinen Fußball-Lehrer in Köln machen musste, sein größtes Problem. Danach wurde Benno Möhlmann verpflichtet, unter dem ich persönlich meine beste und erfolgreichste Zeit in Ingolstadt hatte. Aber auch der jetzige Coach Tomas Oral leistet sehr gute Arbeit. Er hat uns in der Hinrunde der vergangenen Saison übernommen, den Klassenerhalt letztlich souverän geschafft und den Verein in dieser Spielzeit – trotz einer schwierigen Rückrunde – in der 2. Bundesliga etabliert.

6. Freundschaften mit Teamkollegen

Leitl: „Mit Tobias Fink und Moise Bambara habe ich früher eine Fahrgemeinschaft gebildet. Daraus ist dann eine richtige Freundschaft geworden. Auch habe ich nach wie vor regelmäßigen Kontakt mit „Zecke“ Neuendorf. Aus der aktuellen Mannschaft bin ich vor allem mit Andi Görlitz sehr gut befreundet.“

7. Die Emotionalität im letzten Punktspiel für den FC 04 am Sonntag gegen den 1. FC Köln

Leitl: „Da mir das Ganze sicherlich sehr nahe gehen wird, muss ich mich schon zusammenreißen. Mir ist am vergangenen Wochenende in Aue, als der Klassenerhalt endgültig geschafft war, langsam bewusst geworden, dass das mein letztes Auswärtsspiel für den FC Ingolstadt war. Jetzt kommt mit der letzten Heimpartie der nächste Schritt, der sicher nicht einfach wird. Ob ich diese Partie genießen kann? Nein, wohl eher nicht. Genießen kann man es, wenn man sich selbst zu dem Schritt, den Verein zu verlassen, entschlossen hat. Und das war ja bei mir nicht der Fall.“

8. Sportliche Zukunft

Leitl: „Es hat zwar viele Gespräche gegeben. Doch es ist noch nicht so weit, dass es etwas Endgültiges zu vermelden gibt. Ich habe ja gesagt, dass ich gerne noch ein weiteres Jahr spielen würde. In diesem Fall müsste freilich auch alles passen – weniger finanziell als vielmehr sportlich sowie von der Entfernung zu meiner Familie. So richtig inspiriert hat mich bislang noch kein Angebot. Auf der anderen Seite hat es auch schon Gespräche mit dem FC 04 gegeben, dass ich dort im Verein beispielsweise als Trainer arbeiten könnte. Insgesamt gibt es schon eine gewisse Tendenz. Aber ich benötige noch etwas Zeit, um eine Entscheidung zu treffen.“

9. Die Karriere nach der Karriere als Fußballprofi

Leitl: „Fest steht, dass ich auf alle Fälle im Fußballbereich bleiben möchte. Seit ich 17 Jahre alt bin, verdiene ich damit mein Geld. Der Fußball hatte in meinem Leben schon immer einen immens hohen Stellenwert. Nachdem ich am liebsten auf dem Platz stehe, würde ich gerne als Trainer arbeiten. Den Posten des Sportmanagers kann ich danach immer noch machen (lacht).“

10. Die Zukunft des FC Ingolstadt 04 in den nächsten fünf Jahren

Leitl: „Wo der FC 04 genau spielen wird, kann ich natürlich nicht sagen. Ich weiß nur, dass der Verein nach wie vor professionell geführt und sich weiterentwickeln wird. Früher oder später sehe ich Ingolstadt definitiv in der Bundesliga. Wann das aber letztlich der Fall sein wird – ich weiß es nicht.“

11. Worte an die FC 04-Anhänger

Leitl: „Da gibt es eigentlich nicht viel zusagen, außer ein Wort: Danke! Ich habe in den vergangenen sechs Jahren – auch als wir abgestiegen sind – immer positiv mit unseren Fans zusammengearbeitet. Das Wichtigste war für mich, immer offen und ehrlich mit den Leuten zu reden, auch wenn ich vielleicht hin und wieder mit ihnen angeeckt bin. Aber ich glaube, dass das die Fans letztlich auch respektiert haben.“

Verabschiedungen Neben Kapitän Stefan Leitl werden am Sonntag auch Andreas Görlitz, Marino Biliskov, Fabian Gerber, José-Alex Ikeng, Florian Heller, Aaron Siegl, Ilian Micanski und Leon Jessen offiziell verabschiedet.

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